Marcelino schießt Spanien zum Titel
Donnerstag, 31. März 2011
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Die Sorgen, die man sich vorher aufgrund einer möglichen Absage des Spiels gemacht hatte, waren längst vergessen, als Marcelino in Madrid kurz vor Schluss den Siegtreffer für die Spanier erzielte.
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Spanien - Sowjetunion 2:1
(6. Pereda, 84. Marcelino; 8. Khusainov)
Endspiel
Madrid, 21. Juni 1964
Gab es im Vorfeld wirklich Unruhe? Hat tatsächlich jemand daran geglaubt, dass Spanien die Partie durch Nichtantreten herschenkt, wie sie es vier Jahre zuvor getan hatten? Im eigenen Stadion, wo die Nationalmannschaft die Chance auf den ersten Titel hatte und dem langjährigen Diktator hervorragendes Propaganda-Material liefern konnte? Mit Sicherheit nicht: Franco war sogar selbst im Stadion, um sich die Begegnung anzuschauen.
Die Spanier kamen hervorragend aus den Startlöchern, stolperten jedoch nach wenigen Metern, um am Ende doch den längeren Atem zu haben ('exageraciones defensivas'). Alle vier Treffer der Spanier wurden nach Flanken von der rechten Seite erzielt. Zunächst war es eine Hereingabe von Luis Suárez, die Edouard Mudrik nicht klären konnte und Jesús Pereda zog so knallhart ab, dass der legendäre Lev Yashin im Tor der Sowjetunion keine Abwehrchance hatte.
Quasi im direkten Gegenzug wurde Galimzian Khusainov von Fernando Olivella zu Fall gebracht und verwandelte den fälligen Freistoß selbst. Beide Teams vergaben anschließend brauchbare Chancen und es entwickelten sich einige höchst interessante Duelle. Der schnelle und trickreiche Feliciano Rivilla lieferte sich packende Zweikämpfe mit dem entschlossenen Khusainov, während Albert Schesternev seinen Gegenspieler Marcelino in Schach hielt, gleichzeitig aber Glück hatte, dass der Schiedsrichter nach einem Einsteigen gegen Pereda nicht auf Elfmeter entschied.
Die Abwehr der Sowjetunion stand weitestgehend sicher, was vor allem der Tatsache geschuldet war, dass sie mit Alexei Korneev einen zusätzlichen defensiven Mittelfeldspieler in ihren Reihen hatten. Allerdings fehlte Valeri Voronin damit kreative Unterstützung im Vorwärtsgang und so wurden die Gäste für ihre destruktive Spielweise kurz vor Schluss bestraft. Wieder entstand der Treffer über die rechte Seite: Nach Zuspiel von Suárez flankte Pereda punktgenau auf Marcelino, dessen Kopfball im kurzen Eck einschlug. Vier Tage später erzielte Marcelino außerdem im Endspiel des Messepokals den 2:1-Siegtreffer für Real Zaragoza.
Das zweite Turnier war eine deutliche Steigerung im Vergleich zu ersten Ausgabe, bei der Spanien im Viertelfinale gegen die UdSSR aus politischen Gründen nicht angetreten war. Nun aber überwog die Freude über den ersten Titel, den selbst der überragende Torwart Yashin, der im Alter von 34 noch immer sensationelle Paraden ablieferte, nicht verhindern konnte.
Was passierte danach?
Als Europameister war Spanien automatisch für die FIFA-Weltmeisterschaft 1966 qualifiziert, schaffte es mit einem fast identischen Kader aber nicht über die erste Runde hinaus. So dauerte es bis zur UEFA EURO 2008, ehe sich die Spanier wieder mit einem Titelgewinn schmücken konnten. Die UdSSR dagegen war bei den darauf folgenden Turnieren oft ein Protagonist und schaffte es 1996 in England ebenso unter die letzten Vier wie bei der UEFA-Europameisterschaft 1968. Bei der EM 1972 wurden sie hinter Westdeutschland Zweiter.