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Mannschaft des Turniers 1980

Aus den Archiven: Die Mannschaft der UEFA-Europameisterschaft 1980 wird von zwei Ländern dominiert: Die meisten Abwehrspieler kommen von Gastgeber Italien, während die Offensive überwiegend von Sieger Deutschland gebildet wird.
Mannschaft des Turniers 1980
Karl-Heinz Rummenigge (EURO 1980) ©Getty Images

Mannschaft des Turniers 1980

Aus den Archiven: Die Mannschaft der UEFA-Europameisterschaft 1980 wird von zwei Ländern dominiert: Die meisten Abwehrspieler kommen von Gastgeber Italien, während die Offensive überwiegend von Sieger Deutschland gebildet wird.

TW: Dino Zoff (Italien)
Zwölf Jahre nach dem Gewinn der UEFA-Europameisterschaft im eigenen Land stand Zoff 1980 immer noch im Tor der Gastgeber. Obwohl Italien diesmal nicht ins Finale kam, musste Zoff kein Gegentor hinnehmen, bis der Tscheche Ladislav Jurkemík ihn im Spiel um den dritten Platz mit einem Distanzschuss überwand. Zwei Jahre später, dann als 40-Jähriger, sollte Zoff Geschichte schreiben, indem er die Azzurri als Kapitän zum Sieg bei der FIFA-WM in Spanien führte und dabei der älteste Weltmeister der Geschichte wurde. Der Juventus-Schlussmann, dessen elf Jahre in diesem Klub mit einer Niederlage im Pokal der europäischen Meistervereine gegen den Hamburger SV endete, spielte 112 Mal für die Italiener und wurde später Trainer. Er führte Italien zum zweiten Platz bei der UEFA EURO 2000.

AW: Claudio Gentile (Italien)
Gentile war ein kompromissloser Verteidiger, der Diego Maradona und Zico 1982 bei der FIFA-WM an die Kette legte und in der Vorbereitung darauf 1980 bei der UEFA-EM Italien dabei half, in der Gruppenphase drei Mal zu Null zu spielen. Dort meldete er unter anderem Ballon-d'Or-Sieger Kevin Keegan ab. Von 1973 bis 1984 musste Gentile trotz seines kampfbetonten Spiels nie einen Platzverweis hinnehmen, bestritt 283 Spiele in der Serie A für Juventus und gewann sechs Mal den Scudetto. Der 71-fache Nationalspieler führte die Azzurrini 2004 als Trainer bei der UEFA-U21-Europameisterschaft zum Titel.

AW: Gaetano Scirea (Italien)
Scirea war ein einzigartiger und ruhiger Verteidiger, der sowohl bei Italiens Europameisterschaft 1980 als auch zwei Jahre später beim WM-Gewinn eine entscheidende Rolle spielte. In beiden Turnieren stand er jede Minute auf dem Feld und erinnerte mit seinen eleganten und starken Darbietungen als Libero an den großen Franz Beckenbauer. Scirea, der seine Karriere 1986 nach seinem 78. Länderspiel und nach seiner dritten WM beendete, konnte alle drei großen Europapokale sowie sieben Serie-A-Titel während seiner Zeit mit Juventus gewinnen. Tragischerweise starb er im Alter von gerade einmal 36 Jahren bei einem Autounfall in Polen, während er sich auf Scouting-Tour für die Bianconeri befand.

AW: Karlheinz Förster (Deutschland)
Karlheinz war zwar der jüngere der beiden Förster-Brüder, war aber in seiner ganzen Karriere erfolgreicher als Bruder Bernd und galt als einer der stärksten Verteidiger weltweit. Damals neutralisierte der erst 21-jährige Förster im Endspiel der EURO '80 den belgischen Angreifer Jan Ceulemans. Er bestritt 81 Länderspiele und wurde zwei Mal WM-Zweiter. 1984 gewann er mit dem VfB Stuttgart die Meisterschaft und wechselte 1986 zu Olympique de Marseille, wo er 1990 nach dem Gewinn des französischen Doubles seine Karriere beendete.

AW: Hans-Peter Briegel (Deutschland)
Die UEFA-Europameisterschaft 1980 war der Durchbruch für diesen ehemaligen Zehnkämpfer, der als "Walz aus der Pfalz" auf 72 Länderspiele kommen sollte und zwei Mal Vizeweltmeister wurde. Briegel bestritt bei der EM 1980 jedes Spiel und wurde in der zweiten Halbzeit des Endspiels, als er verletzt vom Feld musste, schmerzlich vermisst. Vier Jahre später kehrte er nach Italien zurück und schloss sich nach einem Jahrzehnt bei seinem Heimatverein 1. FC Kaiserslautern Hellas-Verona FC an, mit denen er die italienische Meisterschaft gewann und der erste im Ausland aktive Spieler wurde, der trotzdem zu Deutschlands Fußballer des Jahres gewählt wurde. Briegel trainierte von Dezember 2002 bis Mai 2006 das albanische Nationalteam.

MF: Marco Tardelli (Italien)
Das allen bekannte Bild Tardellis ist jenes, wo er mit freudigen Augen und wackelndem Kopf den von ihm erzielten zweiten Treffer Italiens im Endspiel der FIFA-WM 1982 feiert. Das war allerdings nicht das erste wichtige Tor, das dem dynamischen Mittelfeldspieler für die Azzurri gelang. Zwei Jahre zuvor sorgte er für Italiens einzigen Treffer in der Gruppenphase der UEFA-Europameisterschaft, den späten 1:0-Siegtreffer gegen England. Den erzielte er in Turins Stadio Communale, wo er ein Jahrzehnt lang mit Juventus Titel sammelte, darunter den Pokal der europäischen Meistervereine 1985, bevor er dann zum FC Internazionale Milano wechselte. Später trainierte er Inter und Italiens U21 und ist jetzt Co-Trainer der Republik Irland unter Giovanni Trapattoni.

MF: Jan Ceulemans (Belgien)
Ceulemans spielte zwischen 1977 und 1990 insgesamt 96 Mal für Belgien und stellte damit einen Rekordwert auf, wobei er 23 Tore erzielte. Der offensive Mittelfeldspieler konnte auch als Stürmer eingesetzt werden, was bei der UEFA-Europameisterschaft 1980 oft der Fall war. Seine physische Spielweise bereitete jedem gegnerischen Verteidiger außer Deutschlands Karlheinz Förster große Probleme, der ihn im Finale aber aus dem Spiel nehmen konnte. Ceulemans gelang bei der Endrunde ein Tor gegen England, doch er war der beste Spieler der Belgier in der Gruppenphase. Obwohl das Turnier 1984 enttäuschend verlief, spielte der Akteur von Club Brugge KV bei drei FIFA-Weltmeisterschaften mit und führte Belgien 1986 dort sogar bis ins Halbfinale.

MF: Bernd Schuster (Deutschland)
Das 20-jährige Wunderkind bestritt nur zwei von vier Spielen Deutschlands 1980, gegen die Niederlande und Belgien, aber der schillernde blonde Mittelfeldspieler glänzte in beiden. Sein Können brachte ihm einen Transfer vom 1. FC Köln zum FC Barcelona sowie einen zweiten Platz bei der Wahl zu Europas Fußballer des Jahres ein. Es war das einzige große Turnier, das Schuster bestreiten sollte, denn 1982 bei der FIFA-WM fehlte er verletzt, eher er im Alter von 24 Jahren aus der Nationalmannschaft zurücktrat. Schuster gewann 1985 die spanische Meisterschaft mit Barça und wechselte dann zu Real Madrid, wo er zwei weitere Meistertitel gewann. Im Juli 2007 kehrte er kurze Zeit als Trainer nach Madrid zurück, nachdem er Getafe CF in den Europapokal geführt hatte.

MF: Hansi Müller (Deutschland)
Müller war ein eleganter Spielmacher mit einem starken linken Fuß und der aufsteigende 22-jährige Star des Bundesligisten VfB Stuttgart, als es 1980 zur UEFA-Europameisterschaft ging. Bei der FIFA-WM 1978 war er ebenfalls kurz zum Einsatz gekommen und bestritt in Italien alle vier Partien, wobei er das Spiel seiner Mannschaft steuerte. Das Turnier 1980 sollte Müllers internationaler Höhepunkt sein, denn 1982 bei der WM enttäuschte er. Nach einer Station beim FC Internazionale Milano bestritt er im Folgejahr sein 42. und letztes Länderspiel. Seine Karriere ließ er beim FC Tirol Innsbruck ausklingen, was dazu führte, dass er später als Botschafter dieser Stadt bei der UEFA EURO 2008 tätig wurde.

ST: Karl-Heinz Rummenigge (Deutschland)
Rummenigge ging 1980 mit einem guten Ruf in die UEFA-Europameisterschaft, nachdem er gerade erst mit 26 Treffern Torschützenkönig und Meister beim FC Bayern München geworden war. Er konnte diesen Ruf bestätigen und erzielte gegen die Tschechoslowakei das entscheidende Tor, ehe er im Endspiel die Ecke für das späte Siegtor von Horst Hrubesch hereinbrachte. Rummenigge wurde 1980 zu Europas Fußballer des Jahres gewählt und sicherte sich 1981 den Ballon d'Or, nachdem er wieder mit den Bayern Titel gesammelt hatte. In 95 Länderspielen traf er 45 Mal, zum letzten Mal im WM-Endspiel 1986 und ist nun eine Führungsfigur im Vorstand des FC Bayern.

ST: Horst Hrubesch (Deutschland)
Hrubesch war Deutschlands Matchwinner im Endspiel der UEFA-Europameisterschaft 1980 in Rom, als er zwei Mal traf. Das zweite Tor, ein wuchtiger Kopfball in der 89. Minute, war charakteristisch für ihn. Dieser Tag war Genugtuung für den Stürmer des Hamburger SV, der ein paar Wochen zuvor im Santiago Bernabéu mit einer Knöchelverletzung herumhüpfte, als sein HSV das Endspiel im Pokal der europäischen Meistervereine gegen Nottingham Forest FC verlor. Das Kopfballungeheuer, das spät zum Nationalspieler wurde, war nur im Kader, da Klaus Fischer sich das Bein brach und sollte lediglich 21 Länderspiele absolvieren. Der dreifache deutsche Meister führte Hamburg als Kapitän zum Sieg in der Königsklasse 1983 gegen Juventus und war 2009 Trainer der DFB-Auswahl, die die UEFA-U21-Europameisterschaft in Schweden gewann.

Letzte Aktualisierung: 28.03.16 15.52MEZ

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