EURO-Sieger: In eigenen Worten

Sieben von insgesamt 173 Spielern - darunter Marco van Basten und Luis Suárez - erinnern sich an ihren Triumph im Finale einer UEFA-Europameisterschaft zurück.

Marco van Basten machte im EM-Finale 1988 ein sensationelles Tor für die Niederlande
Marco van Basten machte im EM-Finale 1988 ein sensationelles Tor für die Niederlande ©Getty Images

Millionen haben davon geträumt, doch nur 173 Spieler haben ein Finale bei einer UEFA-Europameisterschaft gewinnen können*. Viele haben aber kaum etwas anderes gemeinsam. Pietro Anastasi war gerade erwachsen geworden, als er mit den Italienern im Jahr 1968 den Titel auf heimischem Boden holte.

Arnold Mühren war dagegen bereits 37 Jahre alt, als die Niederlande zwei Jahrzehnte später erfolgreich waren. Antonín Panenka hat im Jahr 1976 einem 120-minütigen Marathon auf sensationelle Art und Weise ein Ende gesetzt, Oliver Bierhoff drehte bei der EURO '96 in 26 Minuten mit zwei Toren das Spiel. Was sie aber dennoch vereint, ist der Triumph bei einer EURO.

Eine Auswahl von Spielern blickt nun auf die Vergangenheit zurück.

DER ERSTE: Viktor Ponedelnik (UdSSR, 1960)
Erzielte in der Verlängerung im ersten Finalspiel den Siegtreffer
Ich erinnere mich daran immer gerne zurück. Durch den Sieg gegen Jugoslawien wurden wir der erste Europameister. So etwas kann keiner vergessen, sei es die Öffentlichkeit, die Spieler oder die Fans. Der Treffer in der 113. Minute war der wichtigste in meiner Karriere. Ich habe viele Treffer erzielt für meine Klubs und die Nationalmannschaft, aber dieser war etwas ganz Besonderes. Das war der beste Moment in meinem Leben.

DER HEIMSIEGER: Luis Suárez (Spanien, 1964)
Spaniens Mittelfeldstratege, als der Gastgeber die UdSSR schlug
Ich erinnere mich vor allem an die Atmosphäre im Santiago Bernabéu - das Stadion war voll. Die Fans haben sich mit uns identifiziert, vielleicht weil wir ein sehr junges Team waren. Das nahm uns etwas Druck. Wir haben gut gespielt - die UdSSR hatte ebenfalls ein gutes Team. Am Ende haben wir verdient gewonnen. Es gab spanische Mannschaften, in denen ich gespielt habe, die besser als das Team von 1964 waren, aber wir haben nie etwas gewonnen.

DER INTELLIGENTE: Antonín Panenka (Tschechoslowakei, 1976)
Verwandelte beim 5:3-Sieg im Elfmeterschießen gegen die Bundesrepublik Deutschland den entscheidenden Elfmeter
Ich habe nach dem Training immer Elfmeter geübt und ich habe mit unserem Torwart immer um eine Tafel Schokolade oder um ein Glas Bier gespielt. Doch irgendwann wurde es teuer für mich. Ich musste mir etwas überlegen und habe mir gedacht, den Schuss zu verzögern und dann nur zu lupfen. Ich habe das im Training dann ein paar Mal geübt und habe es dann in Testspielen, Ligaspielen und schließlich auch bei der Europameisterschaft gemacht.

DER SPÄTZÜNDER: Horst Hrubesch (Bundesrepublik Deutschland, 1980)
Wurde kurzfristig in den Kader berufen und schoss Deutschland mit zwei Treffern im Finale zum Titel
Mein Platz war in Gefahr und ich wäre Jupp Derwall nicht böse gewesen, wenn er mich nicht aufgestellt hätte. Ich habe dann die Führung erzielt, doch die starken Belgier kamen verdient zum Ausgleich. Es war sehr heiß an diesem Tag, eine Verlängerung wäre da tödlich gewesen. Ich war so müde, dass ich den Pokal am Ende kaum in die Höhe heben konnte. Mein zweites Tor, nach einer Ecke von Karl-Heinz Rummenigge, war entscheidend.

DER MAGIER: Marco van Basten (Niederlande, 1988)
Der Stürmer erzielte im Finale '88 nach 54 Minuten DAS Volleytor schlechthin
Als der Ball von Arnold Mühren kam, dachte ich mir: "Entweder ich stoppe ihn oder ich versuche es mit Risiko und ziehe einfach ab." Man braucht dabei so viel Glück, aber das hatte ich in diesem Moment. Das war ein fantastisches Gefühl und wir wussten beim Stand von 2:0, dass wir nun gewinnen können. Ich habe das gar nicht so realisiert, das kann man an meiner Reaktion ganz gut sehen, glaube ich. Ich habe gefragt, 'was passiert da?'

DER JOKER: David Trezeguet (Frankreich, 2000)
Einer von zwei Einwechselspielern, die das Spiel gegen Italien drehten
Nach dem Ausgleich in der 94. Minute [durch Sylvain Wiltord] hatten wir einen unbändigen Siegeswillen - und wir haben unsere Chance genutzt. Der Ball kam von Robert Pirès und ich habe ihn getroffen, als er gerade auf dem Boden aufkam. Ich habe all meine Kraft in diesen Schuss gelegt. Es war bis dahin kein leichtes Turnier für mich, ich hätte gerne öfter gespielt. Ich habe mich für mein Team, meine Familie und dann auch für mich unglaublich gefreut. Der Traum vom WM- und EM-Titel wurde wahr.

DER AUSSENSEITER: Theodoros Zagorakis (Griechenland, 2004)
Führte Außenseiter Griechenland als Kapitän sensationell zum Titelgewinn in Lissabon
Nachdem wir in Führung gegangen sind, war es für Portugal unglaublich schwer, denn wir haben alle Elf leidenschaftlich verteidigt. Wer auch immer auf dem Platz stand, er hat hingebungsvoll gekämpft und alles für die Mannschaft gegeben. Das Wichtigste war, dass wir nicht in Panik verfallen sind. Wir sind nicht müde geworden und haben uns stattdessen gesteigert. Es wurde mit der Zeit offensichtlich, dass wir den Titel mehr wollten. Wir standen unter Druck, vor allem in den letzten Minuten. Aber wir haben uns nicht aus der Ruhe bringen lassen und haben nicht aufgegeben. Als der Schiedsrichter das Spiel abgepfiffen hat, war es, als ob die Lichter ausgegangen sind ... ein schwarzer Fleck in meinem Gedächtnis. Ich hatte das dauerhafte Grinsen eines Idioten in meinem Gesicht, und ich weiß nicht, für wie lange. Das waren unglaubliche Momente.

*Zu den 173 Spielern zählen nicht die fünf Italiener, die 1968 im ersten Finalspiel auf dem Platz standen, vor dem Sieg der Azzurri im Wiederholungsspiel

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