Emre Mor bereit für weitere Großtaten

Vor ein paar Monaten spielte er noch relativ unbehelligt in Dänemark. Jetzt zeigt er in Frankreich, dass er einmal ein ganz wichtiger Spieler für die Türkei werden kann.

Emre Mor und Cenk Tosun jubeln zusammen nach dem Schlusspfiff
Emre Mor und Cenk Tosun jubeln zusammen nach dem Schlusspfiff ©AFP/Getty Images

Mit dem 2:0-Sieg über die Tschechische Republik haben die Türken nicht nur ihre Hoffnungen auf den Einzug ins Achtelfinale bei der UEFA EURO 2016 am Leben gehalten. Er markierte womöglich auch die Geburtsstunde eines neuen Hoffnungsträgers der Nationalmannschaft - Emre Mor.

In seinem erst vierten Länderspiel - sein erstes von Anfang an - brachte der erste 18-jährige Teenager das Stade Bollaert-Delelis zum Staunen, mit seiner atemberaubenden Geschwindigkeit, seinen schnellen Bewegungen und seinem Gefühl für den richtigen Pass. Nach nur zehn Minuten war er sogar an der Führung seiner Mannschaft beteiligt, als er das Tor von Burak Yılmaz vorbereitete.

"Ja, ich habe gut gespielt. Das tat aber auch die ganze Mannschaft. Das war ich nicht alleine", sagte der gebürtige Däne bei EURO2016.com. "Ich würde nicht so gut spielen können, wenn die Mannschaft nicht so gut wäre."

Wer nicht schon auf ihn durch seine Vertragsunterschrift bei Borussia Dortmund aufmerksam wurde, der wurde es spätestens am Dienstagabend. Selbst in der Türkei kannten ihn nur die Wenigsten - bis zum Testspiel im Mai gegen Montenegro.

Die zweite Halbzeit reichte dem damals in der Pause eingewechselten Mor, um seinen Zug zum Tor und sein gutes Spielverständnis zu offenbaren. Er bestimmte schon das Tempo.

Niemand stellte nach dieser Vorstellung die Entscheidung von Fatih Terim, den 18-Jährigen aus Nordsjælland für den EURO-Kader zu nominieren, in Frage. Auch während der Endrunde sprach der türkische Trainer nur in den höchsten Tönen von Mor.

"Emre Mor ist ein außergewöhnlicher Spieler", sagte er: "Ich bin mir sicher, dass ich ihn zurecht in die Nationalmannschaft berufen habe. Ich glaube, er wird einmal ein Weltklasse-Spieler, sobald er den richtigen Stil für sich herausgefunden hat."

Dennoch ließ ihn Terim nicht von Anfang an spielen. Wenn er ihn aber brachte, hat er stets überzeugt. Die Türken hatten gegen Kroatien ihre besten Momente, als er auf dem Platz war. Gegen Spanien verzichtete Terim aber auf ihn. "Er wäre in diesem Chaos wohl untergegangen", sagte der Trainer nach der 0:3-Niederlage gegen den Titelverteidiger.

Eine weise Entscheidung. Die Tschechen waren von Mors Wirbel total überrascht. Neben seiner Torvorlage sorgte er vor allem mit seinem Dribbling durch die gesamte tschechische Hälfte für einen Höhepunkt des Spiels. Er zog dann nach innen und schoss von der Strafraumgrenze aus nur knapp über das Tor. Sein Antritt und der Abschluss erinnerten stark an das Tor von Michael Owen bei der FIFA-WM 1998 gegen Argentinien.

Das riesige Talent ist jedenfalls nicht mehr zu leugnen. "Er ist unsere Blume", sagte Burak. Mehmet Topal fügte an: "Ich habe nicht geglaubt, dass er sich so schnell in der Mannschaft zurecht finden würde. Aber er hat sich dort sehr schnell eingefügt - dank seiner Leistungen auf dem Platz."

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