Albanien nach erstem Sieg auf Wolke 7

"Das ist nicht nur ein Sieg für die Mannschaft, sondern für alle Albaner auf der ganzen Welt", sagte Abwehrspieler Mërgim Mavraj nach dem ersten Endrunden-Sieg seines Teams am Sonntag.

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Man musste nur ins Gesicht des Torschützen Armand Sadiku schauen, als der das am Ende entscheidende Tor gegen Rumänien schoss. Schon daran wurde deutlich, was dieser Treffer für seine Mannschaft und auch für das ganze Land bedeutete.

Die Feierlichkeiten, die dann nach dem Schlusspfiff in Lyon einsetzten, waren kaum zu beschreiben. Diese Szenen sollten aber erst der Anfang sein. Noch um Mitternacht, als der Mannschaftsbus der Albaner aus dem Stade de Lyon fuhr, sangen sie "Ti Shqipëri më jep nder" ("Albanien, schenke mir Ehre"). Während die Spieler nach ihrer Heimkehr ins Bett gingen, blieben Fans und Team-Betreuer noch auf, um über das Spiel zu sprechen.

Lorik Cana, dessen Hereinnahme in der Schlussphase noch etwas Zeit von der Uhr nahm, brachte mit einem Wort auf den Punkt, was seine Mannschaft bei diesem Turnier auszeichnet. "Begierde", sagte er. "Das Herz, das wir haben, die Aufopferung. Das steckt in unserer Mannschaft. In manchen Bereichen sind wir anderen Teams vielleicht unterlegen. Aber mit unserer Leidensfähigkeit machen wir viel von dem wett, was uns fehlt."

Auf den Straßen äußerte sich die Leidenschaft anders. Bis in die Morgenstunden sangen die Fans in Lyon "Shqipëri-Shqipëri" ("Albanien-Albanien"), während es in Tirana - und einigen albanischen Gemeinschaften in der ganzen Welt - zu spontanen Hup-Konzerten kam.

Die vielen Fans, die die Mannschaft bei der UEFA EURO 2016 begleiten, sind sehr verschieden. Einige kommen aus Albanien und dem Kosovo. Eine große Anzahl aber kommt aus unterschiedlichen Gegenden aus Europa, Nordamerika und wo sich albanisch-stämmige Menschen sonst noch niedergelassen haben. Diese Vielfalt, die sich auch in der Nationalmannschaft widerspiegelt, erklärt die internationale Dimension der Feierlichkeiten.

"Diese Momente kann man nicht beschreiben. Es ist schwierig, die richtigen Worte zu finden", sagte Abwehrspieler Mërgim Mavraj. "Das ist nicht nur ein Sieg für die Mannschaft, sondern für alle Albaner auf der ganzen Welt. Heute haben wir nicht nur für uns selbst gespielt, sondern für alle Albaner, die uns auf unserem Weg bis hierher begleitet haben. Dieser Sieg ist für sie."

Ob dieser Erfolg auch reicht, um sich für das Achtelfinale zu qualifizieren, muss man abwarten. Doch was immer auch passiert: Lyon kann den Albanern niemand mehr nehmen.

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