Die wunderbare Welt der EM-Maskottchen

Nach der Vorstellung des Maskottchens der UEFA EURO 2020 am Dienstag schauen wir auf frühere Talismane zurück: Vom Holzspielzeug bis hin zu Zwillingen, die niemals still sitzen konnten.

Seit dem berühmten "World Cup Willie" von 1966 haben Maskottchen die Zuschauer der großen Turniere zum Schmunzeln gebracht. Dabei reicht die Palette von Spielfiguren mit großen Nasen bis hin zu einer Mischung aus Löwe und Teufel. Bei UEFA-Europameisterschaften gibt es Maskottchen erst seit 1980. Fortan präsentierten sich auch bei den EM-Endrunden kuriose Gestalten, bei der UEFA EURO 2012 waren Slavek und Slavko im Einsatz. UEFA.com lädt Sie ein zu einer Reise in die wundersame Vergangenheit.

EURO '80, Italien: Pinocchio
Wie unsere Kinder wissen auch wir um die Gefahr, die uns blüht, wenn wir lügen. Dann wächst uns eine Nase, so groß wie eine Karotte. Sagen wir die Wahrheit, tauschen wir das Leben als Holzspielzeug für eine normale Kindheit ein. Zur Zeit der Endrunde war "Pinocchio" eines der beliebtesten Bücher und damit die perfekte Figur für das erste Maskottchen einer EURO.

EURO '84, Frankreich: Peno
Dieses Maskottchen liebte Action. Es stand ganz im Zeichen der Nationalfarben Frankreichs: Schuhe, Ball, alles in der Trikolore. Peno - benannt nach dem französisch-umgangssprachlichen Begriff für Elfmeter - brachte den Franzosen letztendlich Glück, sie konnten im eigenen Land den Titel holen.

EURO '88, Bundesrepublik Deutschland: Berni
Nur wenige hätten vorher wohl auf einen Hasen getippt, und noch weniger auf einen Hasen namens Berni. Allerdings stand hinter diesem Wahnsinn tatsächlich Methode. Der Deutsche Fußball-Bund nannte ihn "einen liebenswerten und enthusiastischen Fußball-Fan". Er war benannt nach der Stadt Bern. Einerseits wegen des damaligen Sitzes der UEFA in der schweizerischen Stadt, andererseits wegen des dortigen Triumphs der deutschen Mannschaft bei der FIFA-Weltmeisterschaft 1954. Er hatte an jedem Handgelenk und um die Stirn herum ein hübsches Band und sah aus, als ob er wirklich Spaß an seinem Job hat. Leider gab es bei der WM 2006 in Deutschland kein Berni-Revival.

EURO '92, Schweden: Kaninchen
Als vierte Gastgeber-Nation lag der Druck nun auf den Schweden, einen einfallsreichen, lustigen und originellen Talisman für das bedeutendste Fußball-Turnier Europas zu entwerfen. Sie hatten sozusagen die Chance, ein Kaninchen aus dem Hut zu zaubern. Und das taten sie auch: ein Kaninchen mit schwedischem Trikot, das sich auch noch Kaninchen nannte. Und... es sah Berni zum Verwechseln ähnlich.

EURO '96, England: Goaliath
Er war zwar alles andere als furchteinflößend, aber zumindest setzte er dem bunten Treiben von Hasen und Kaninchen ein Ende. 30 Jahre nachdem mit dem "World Cup Willie" in seiner flotten "Union-Jack"-Weste alles begann, trat Goaliath ein schweres Erbe an. Die Nation mit den drei Löwen auf dem Trikot hätte sich gar nichts anderes einfallen lassen können als diesen Löwen. In seiner eleganten weiß-marineblauen Kombination war Goaliath der sanfte Riese, den wir nach Schweden so sehnsüchtig erwartet haben.

UEFA EURO 2000, Niederlande und Belgien: Benelucky
Insgesamt 5 000 Entwürfe standen zur Auswahl und am Ende bewiesen die ersten Co-Gastgeber des Wettbewerbs ein feines Näschen. Bei der Namensfindung bediente man sich offensichtlich an der Sammelbezeichnung für die drei Länder Belgien, Niederlande und Luxemburg, aber neben den Beneluxstaaten kommt hier ein weiteres Wortspiel zur Geltung, denn es beinhaltet das lateinische Wort "bene" und das englische Wort für Glück. Das Maskottchen war zur Hälfte ein Teufel, schließlich wird die belgische Nationalmannschaft oft auch "Rote Teufel" genannt, außerdem war es zur Hälfte ein Löwe, wodurch das Nationalsymbol der niederländischen Auswahl eine Verwendung fand.

UEFA EURO 2004, Portugal: Kinas
Seit Frankreich hatte keine Mannschaft mehr im eigenen Land gewonnen, doch Kinas brachte der portugiesischen Auswahl immerhin so viel Glück, dass man erst im Endspiel scheiterte. Die überraschende Finalniederlage gegen Griechenland konnte auch Kinas, ein kleiner Junge im Outfit der Nationalmannschaft, nicht verhindern. Abgeleitet wurde der Name des Maskottchens vom portugiesischen Nationalwappen und der mit Superkräften ausgestattete Kinas sorgte mit spektakulären Auftritten vor und nach dem Spiel vielerorts für Aufsehen.

UEFA EURO 2008, Österreich und Schweiz: Trix und Flix
Doppelter Auftritt, doppelter Spaß: Trix und Flix, die mysteriösen Geschwister aus den Alpen, sorgten gleichermaßen für Freude und Verwirrung. Jedes Maskottchen war Repräsentant für eines der beiden Co-Gastgeber und so bekam das Duo sogar einen offiziellen Soundtrack. Die Einlaufmusik der beiden, "Feel the Rush" von Shaggy, sorgte immer für gute Stimmung und hat den beiden tanzwütigen Geschwistern jedes Mal so viel Schwung verliehen, dass sie - anders als alle Vorgänger - nicht einmal einen Fußball benötigten.

UEFA EURO 2012, Polen und Ukraine: Slavek und Slavko
Es ist immer wichtig, die Zustimmung von lokalen Würdenträgern zu haben. Grzegorz Lato, der Präsident des Polnischen Fußballverbands (PZPN), hieß Slavek und Slavko umgehend herzlich willkommen. "Ich mag vor allem ihre Haare - vor 40 Jahren hatte ich auch so eine Frisur", sagte er. Die Haare des Duos stehen steil nach oben und sind in den Nationalfarben der Gastgeber gefärbt, zudem tragen sie das Trikot ihres Nationalteams. Nach Aussage von Andriy Shevchenko können die beiden sogar ein bisschen kicken.

UEFA EURO 2016, Frankreich: Super Victor
Nie zuvor war ein verzogener Freistoß so produktiv. Ein Fehlschuss im Garten führte Super Victor - zu diesem Zeitpunkt wohl nur Victor, könnten wir uns vorstellen - zu einem magischen Umhang, Schuhen und einem Ball. Plötzlich konnte er von Austragungsort zu Austragungsort fliegen - eine besonders nützliche Superkraft für ein EURO-Maskottchen.

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