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Dänemark gewinnt die EURO 1992: Brian Laudrups Blick zurück

Heute vor 28 Jahren triumphierte Dänemark sensationell bei der EURO 1992. Brian Laudrup, damals einer der Schlüsselspieler der Dänen, blickt auf diesen denkwürdigen Tag zurück.

Brian Laudrup mit dem Pokal
Brian Laudrup mit dem Pokal

Eigentlich hatte Dänemark die Qualifikation für die EURO 1992 verpasst, doch aufgrund der Disqualifikation Jugoslawiens durften Brian Laudrup und Co. doch noch kurzfristig nachrücken und das achtköpfige Feld bei der Endrunde in Schweden komplettieren. Noch nie ist ein Team als größerer Außenseiter in eine EURO gestartet und noch nie hat ein Team die Experten so sehr Lügen gestraft...

UEFA.tv blickt zurück: Dänemarks Triumph von 1992


Dänemarks Weg ins Finale

Bedenkt man, dass die Dänen erst eine Woche vor Turnierbeginn von ihrer Teilnahme erfuhren und keinerlei Vorbereitungszeit hatten, ist es wenig erstaunlich, dass sie eher verhalten ins Turnier gestartet sind. Nach einem 0:0 gegen England folgte eine 0:1-Pleite gegen Gastgeber Schweden. Nur ein Sieg im letzten Gruppenspiel gegen Frankreich würde den Einzug ins Halbfinale garantieren.

Highlights: Die schönsten Tore der EURO '92
Highlights: Die schönsten Tore der EURO '92

Wir wussten, dass wir einen ganz besondere Leistung zeigen mussten. [Frankreich] hatte einige Stars in seinem Team, zum Beispiel [Éric] Cantona oder Jean-Pierre Papin, um nur zwei zu nennen. Wir wollten möglichst schnell ein Tor erzielen, das wäre fantastisch.

Dann traf Henrik Larsen. Unglaublich. Das hat die Franzosen definitiv geschockt! Wir haben plötzlich an unsere Chance geglaubt, dieses Tor hat den Rhythmus des Spiels völlig verändert. [Trainer Richard Møller Nielsen] hat mich vom Platz geholt, ich war völlig fertig. Für mich kam Lars Elstrup und er erzielte mit seiner ersten Ballberührung das Siegtor. Das hatte etwas Magisches.

Durch den 2:1-Sieg gegen die Franzosen erreichten die Dänen als Gruppenzweiter das Halbfinale gegen Titelverteidiger Niederlande.

Sie waren der amtierende Europameister, eine phänomenale Mannschaft. Wieder waren wir krasser Außenseiter, aber inzwischen fühlten wir uns in dieser Rolle pudelwohl.

Nach fünf Minuten schlug ich eine Flanke in den Strafraum der Niederländer und Henrik Larsen gelang das 1:0. Wir wussten, dass das vermutlich nicht reichen würde, weil die Holländer eine Mannschaft sind, die sich immer wieder Chancen erspielt.

Dennis Bergkamp glich in der 23. Minute aus, aber die Dänen hielten auf Augenhöhe mit.

Schon vor der Pause traf Henrik Larsen erneut und dieses Tor beflügelte uns enorm. Doch vier Minuten vor dem Schlusspfiff schafften sie das 2:2 und ich dachte mir nur, "Tja, das war's jetzt wohl", weil wir total erschöpft waren. Uns war aber auch klar, dass wir in einem möglichen Elfmeterschießen eine gute Chance hätten, weil Peter Schmeichel dort den Unterschied ausmachen würde und genau so kam es ja auch.

Im Elfmeterschießen parierte Schmeichel den Strafstoß von Marco van Basten und Dänemark stand im Finale, in dem es in Göteborg gegen Deutschland ging.

Das Finale: Dänemark - Deutschland 2:0

Highlights: Dänemark triumphiert im Finale
Highlights: Dänemark triumphiert im Finale

Wenn wir die Franzosen und Holländer geschlagen hatten, warum sollten wir dann nicht auch die Deutschen schlagen können. Aber wir hatten sehr viele verletzte Spieler, ich selbst war nach all diesen Spielen völlig fertig, weil ich im Vorfeld der EURO aufgrund einer Verletzung nur sehr wenig Spielpraxis hatte.

Wir schüttelten uns vor dem Anstoß die Hände und dachten nur, "wenn wir dieses Spiel gegen die Deutschen verlieren, und das erwarteten alle, dann wollten wir wenigstens unser Land stolz machen."

Wir hatten im Finale kaum noch Energie, aber sehr viel Adrenalin. Vor diesem Endspiel hatte John Jensen einige gute Chancen, aber er hatte sie alle liegen lassen. Ich dachte mir nur, "ok, sollte er zum Schuss kommen, können wir das getrost vergessen". Dann gelang ihm dieses Traumtor. Obwohl wir nicht unser bestes Spiel zeigten, war uns ab diesem Moment klar, dass wir es schaffen konnten. In der 78. Minuten gelang Kim Vilfort ein wunderbares Tor, absolut aus dem Nichts heraus.

EURO 1992: Alles, was Ihr wissen müsst


Wir spürten, dass die Deutschen kapitulierten. Sie hatten an diesem Tag einfach kein Glück, wir dagegen sehr viel. Sie waren viel besser als wir, aber Peter Schmeichel war einfach nicht zu bezwingen. Einmal parierte er mit einer Hand und ich dachte nur, "oh mein Gott, was macht er denn da?"

Das Unmögliche wurde möglich

EURO '92 Highlights:  Peter Schmeichel
EURO '92 Highlights: Peter Schmeichel

Wir haben eine fantastische Mannschaftsleistung gezeigt, aber auch Richard Møller Nielsen hat einen Klasse-Job gemacht. Er hat uns großartig eingestellt und einen Funken in uns gezündet. Er schaffte es, dass wir an unsere Chance geglaubt haben. Er ließ uns glauben, dass das Unmögliche möglich sei.

Ein einzigartiger Triumph

Als wir danach [nach Dänemark] zurückgekehrt sind, stand das ganze Land Kopf, es war verrückt. Ich bekomme noch immer eine Gänsehaut, wenn ich nur daran denke. Wir hatten etwas Einzigartiges geschafft, obwohl wir uns nicht einmal für dieses Turnier qualifiziert hatten, das machte alles noch unglaublicher. Wir waren nicht qualifiziert, wir waren nicht hundertprozentig fit und dann trafen wir bei der EURO auf so viele großartige Teams und besiegten sie fast alle.

Wir waren während des Turniers sehr entspannt und hatten sehr viel Spaß zusammen und trotzdem haben wir diesen Titel geholt. Es war einer der größten Triumphe der dänischen Sportgeschichte und diese Geschichte war eigentlich zu gut, um wahr zu sein. Diese Momente kann uns keiner mehr nehmen.

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