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Mannschaft des Turniers 1972

Aus den Archiven: Die Bundesrepublik Deutschland dominierte 1972 mit nicht weniger als sieben Spielern die Mannschaft des Turniers bei der UEFA-Europameisterschaft.

TW: Evgeni Rudakov (Sowjetunion)
Rudakov kam zur UEFA-Europameisterschaft 1972 als amtierender Fußballer des Jahres der Sowjetunion. Obwohl er in Moskau zur Welt gekommen war, spielte der Torhüter nahezu seine gesamte Karriere beim Dynamo Kyiv und gewann sechs sowjetische Meisterschaften sowie zweimal den Pokal. Insgesamt kassierte er nur 205 Tore in 297 Spielen. Rudakov, der bei der FIFA-Weltmeisterschaft 1970 nur Ersatz war, wurde 1972 Stammtorhüter und zeigte in Belgien starke Leistungen - bemerkenswert war vor allem sein spät gehaltener Elfmeter im Halbfinale gegen Ungarn. Dadurch siegte die Sowjetunion mit 1:0, hatte beim 0:3 im Endspiel gegen die Bundesrepublik Deutschland jedoch nicht den Hauch einer Chance.

AW: Revaz Dzodzuashvili (Sowjetunion)
Der zuverlässige Dzodzuashvili machte sich international 1970 bei der FIFA-Weltmeisterschaft in Mexiko und 1972 bei der UEFA-Europameisterschaft einen Namen. Der starke Außenverteidiger konnte mit der Sowjetunion wenige Monate nach der EM-Endrunde 1972 auch die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in München gewinnen. Dzodzuashvili war ein stolzer Georgier und ein nahezu unbezwingbarer Verteidiger beim FC Dinamo Tbilisi, den er später auch trainierte. Zusammen mit David Kipiani war er auch Trainer der georgischen Nationalmannschaft sowie Trainer von Lettland. Außerdem führte er den neu gegründeten FC Olimpi Rustavi 2006/07 zur georgischen Meisterschaft.

AW: Franz Beckenbauer (Bundesrepublik Deutschland)
Beckenbauer, einer der großartigsten Fußballer aller Zeiten, führte die Bundesrepublik Deutschland 1972 als Kapitän zum ersten Europameister-Titel. In seiner neuen Rolle als Libero konnte er zusammen mit seinem Team die Endrunde 1972 nach Belieben dominieren. Zwei Jahre später folgte dann auch noch der Triumph bei der FIFA-Weltmeisterschaft auf eigenem Boden. Zusätzlich zu diesen Erfolgen gewann Beckenbauer mit Bayern München dreimal in Folge den Pokal der europäischen Meistervereine (1974-76) und wurde 1972 sowie 1976 zu Europas Fußballer des Jahres gewählt. Der umgängliche Bayer triumphierte als Trainer mit der Bundesrepublik Deutschland zudem bei der FIFA-Weltmeisterschaft 1990.

AW: Murtaz Khurtsilava (Sowjetunion)
Khurtsilava, der zum besten georgischen Spieler im Zeitraum von 1954 bis 2004 gewählt wurde, war ein stämmiger und engagierter Innenverteidiger, der die Sowjetunion 1972 als Kapitän zur Endrunde der UEFA-Europameisterschaft führte, nachdem er sechs Jahre zuvor mit dem Team bei der FIFA-Weltmeisterschaft in England Vierter geworden war. Er spielte auch 1970 bei der WM in Mexiko und 1972 bei den Olympischen Spielen in München, wo er die Bronzemedaille gewann. Insgesamt kam er auf 70 Länderspiele. Mit seinem geliebten Dinamo Tbilisi konnte er zwar niemals die sowjetische Meisterschaft gewinnen, dafür führte er den Klub als Trainer 1998 und 1999 zur georgischen Meisterschaft. Zudem war er eine Zeitlang Assistent von Aleksandr Chivadze bei der georgischen Nationalmannschaft.

AW: Paul Breitner (Bundesrepublik Deutschland)
Breitner, der außerhalb des Platzes nie verlegen war, seine Meinung zum Besten zu geben, rückte 1972 bei der UEFA-Europameisterschaft erstmals richtig ins Rampenlicht. Der offensivfreudige Linksverteidiger, mit seinem Bart und seinem Wuschelkopf ein richtiger Hingucker, war auch zwei Jahre später eine treibende Kraft beim deutschen Triumph bei der FIFA-Weltmeisterschaft 1974. Im Endspiel erzielte er gegen die Niederlande per Elfmeter den Ausgleichstreffer. 1974 wechselte er von Bayern München zu Real Madrid, kehrte jedoch 1978 zurück. Beim verlorenen WM-Endspiel 1982 gegen Italien bestritt Breitner, der jetzt als Mittelfeldspieler agierte, sein 48. und letztes Länderspiel. Wie 1974 war er im Endspiel per Elfmeter erfolgreich, doch dieses Mal war es nur der Ehrentreffer.

MF: Uli Hoeneß (Bundesrepublik Deutschland)
Hoeneß musste mit 27 Jahren seine Karriere beenden, und auch wenn seine Zeit als Spieler recht kurz war, konnte er viele Erfolge feiern. Zwischen 1971 und 1976 wurde er mit dem FC Bayern München dreimal deutscher Meister, außerdem gewann er dreimal den Pokal der europäischen Meistervereine. 1972 wurde er zudem UEFA-Europameister und 1974 FIFA-Weltmeister. Ein zweiter Europameister-Titel war ebenfalls in Reichweite, hätte er seinen Versuch im Elfmeterschießen im Endspiel 1976 gegen die Tschechoslowakei nicht in den Nachthimmel von Belgrad befördert. Wenig später beendete eine Knieverletzung seine Karriere.

MF: Günter Netzer (Bundesrepublik Deutschland)
1972 wurde Netzer als einer der besten Mittelfeldspieler der Welt angesehen. Der Spielmacher von Borussia Mönchengladbach, der 1965 sein erstes Länderspiel bestritt, wusste mit seinen technischen Fähigkeiten, seinen Zauberpässen und seiner blonden Mähne zu beeindrucken. 1972 drückte er der UEFA-Europameisterschaft seinen Stempel auf. Im Viertelfinal-Hinspiel beim ersten Sieg der BRD auf englischem Boden lieferte er im Wembley-Stadion eine fantastische Leistung ab, die er im Halbfinale gegen Belgien sowie im Endspiel gegen die Sowjetunion sogar noch steigern konnte. In seiner Zeit bei Real Madrid von 1973 bis 1976 konnte er zwei Meisterschaften gewinnen, doch der Höhepunkt seiner Karriere war zweifellos das Jahr 1972.

MF: Herbert Wimmer (Bundesrepublik Deutschland)
Wimmer, der oft als Günter Netzers Aufpasser bezeichnet wurde, kompensierte als geschickter Balleroberer oft die fehlende Rückwärtsbewegung seines Teamkollegen im Mittelfeld vom VfL Borussia Mönchengladbach. Er verbrachte seine gesamte Karriere in Gladbach und absolvierte 366 Bundesliga-Partien. Er wurde fünfmal deutscher Meister, zudem gewann er 1975 den UEFA-Pokal. Er spielte 36 Mal für sein Land und 1972 bei der UEFA-Europameisterschaft erzielte er im Endspiel gegen die Sowjetunion den zweiten deutschen Treffer. Wimmer, der mit einem außergewöhnlichem Ausdauervermögen gesegnet war, wurde dann jedoch 1974 wie Netzer bei der FIFA-Weltmeisterschaft, als er zweimal eingewechselt wurde, nur sporadisch eingesetzt.

ST: Raoul Lambert (Belgien)
Belgien hatte 1972 bei der der UEFA-Europameisterschaft zwei herausragende Stürmer. Der Kapitän, Anderlechts Paul Van Himst, wurde mehr gefeiert, doch Lambert stellte ihn in den Schatten. Lambert erzielte Belgiens Führungstreffer beim 2:1-Sieg gegen Ungarn im Spiel um Platz drei, insgesamt markierte er 18 Treffer in 33 Spielen für die Roten Teufel. In seinen beiden Partien bei der FIFA-Weltmeisterschaft 1970 war er ebenfalls erfolgreich. 'Lotte' spielte seine ganze Karriere über bei Club Brugge und erzielte 270 Tore in 458 Spielen. 1971/72 war er zudem Belgiens Torschützenkönig mit 17 Treffern.

ST: Jupp Heynckes (Bundesrepublik Deutschland)
Heynckes war auf Klubebene beim VfL Borussia Mönchengladbach, mit dem er viermal deutscher Meister wurde sowie 1975 den UEFA-Pokal gewann, ein äußerst erfolgreicher Goalgetter, dennoch hatte er etwas Pech, zur selben Zeit wie Gerd Müller aktiv zu sein. Angesichts seines einzigartigen Torrekords war 'Der Bomber' immer die Nummer eins im Sturm der Bundesrepublik Deutschland, doch 1972 entschied sich Bundestrainer Helmut Schön, im Gegensatz zu den FIFA-Weltmeisterschaften davor und danach, die beiden eiskalten Vollstrecker zusammen ran zu lassen. Insgesamt erzielte Heynckes 14 Treffer in 39 Einsätzen für die BRD, 220 Tore in 365 Bundesliga-Partien sowie 51 Treffer in 64 Europapokal-Spielen. Nach seiner Spielerkarriere wurde er Trainer und führte Real Madrid CF 1998 zum Triumph in der UEFA Champions League, was ihm 2013 auch mit den Bayern gelang, ehe er in den Ruhestand ging.

ST: Gerd Müller (Bundesrepublik Deutschland)
Müller, der vielleicht großartigste Goalgetter aller Zeiten, erzielte in 427 Bundesliga-Spielen für Bayern München 365 Tore, 66 Treffer in 74 Europapokal-Partien sowie - ganz bemerkenswert - 68 Tore in 62 Länderspielen. Elf davon markierte er während der UEFA-Europameisterschaft 1972, darunter zwei im Endspiel gegen die Sowjetunion. Beide waren klassische Müller-Tore oder "Kleine Tore", wie Bundestrainer Helmut Schön oft Müllers erfolgreiche Beutezüge bezeichnete. Nachdem er zehn Treffer bei der FIFA-Weltmeisterschaft erzielte hatte, wurde er 1970 zu Europas Fußballer des Jahres gewählt. Bei der WM 1974 markierte er weitere vier Treffer, darunter das Siegtor im Endspiel gegen die Niederlande. Dies war der letzte Treffer vom 'Bomber' für sein Land, denn im Alter von 28 Jahren erklärte er "aus persönlichen Gründen" seinen Rücktritt.

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