EURO-Kulthelden: 2004 – Traianos Dellas

Traianos Dellas holte mit Griechenland bei der UEFA EURO 2004 sensationell den Titel und verkörperte wie wohl kaum ein anderer Spieler den Teamspirit der Griechen.

Traianos Dellas jubelt nach dem Siegtor im Halbfinale der UEFA EURO 2004 gegen Tschechien mit seinen Teamkollegen
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"Wir hielten dem Druck in der regulären Spielzeit stand und als es in die Verlängerung ging, schlugen wir zurück", schrieb Traianos Dellas in einem Tagebuch zur UEFA EURO 2004, das von einer griechischen Zeitung veröffentlicht wurde. "Unsere Gegner waren müde und wir hatten eine Ecke. Ich schaute auf die Anzeigetafel: 14:36 - jetzt oder nie. Und wir haben das Tor gemacht, ich habe das Tor gemacht. Ich habe solche Gefühle noch nie erlebt. Ich bin zum Jubeln losgerannt und kann mich an nichts mehr erinnern, nur noch an den Schlusspfiff von Pierluigi Collina."

'Rehhakles', AKA Otto Rehhagel
'Rehhakles', AKA Otto Rehhagel©Getty Images

Das letzte Silver Goal in der Geschichte der UEFA EURO brachte Griechenland im Halbfinale gegen Tschechien ins Endspiel, wo die Hellenen gegen Portugal für die vielleicht größte Sensation in der Turniergeschichte sorgten. Der 1,96 Meter große Dellas schoss zwar im Endspiel nicht den Siegtreffer - diese Ehre gebührte Angelos Charisteas - aber mit seiner Ausdauer und seiner Hingabe verkörperte er die Tugenden der Mannschaft von Otto Rehhagel.

Der Fels in der Brandung
Zur Zeit der UEFA EURO 2004 spielte Dellas für die AS Roma. Für Rehhagel war er einer der wichtigsten Eckpfeiler in seiner Defensivstrategie und der Coach hauchte ihm neues Selbstvertrauen ein. In einer Teambesprechung bezeichnete er Dellas als Koloss von Rhodos, in Anlehnung an die berühmte Statue des Gottes Helios, die einst den Eingang zum Hafen von Rhodos überthronte. "So solltest du sein", sagte der deutsche Trainer. "Die Gegner sollten wissen, dass es kein Vorbeikommen gibt." In einer anderen Teamsitzung nannte er Dellas einen Leuchtturm. "Du bist der letzte Mann, du hältst nach deinen Teamkameraden Ausschau wie ein Leuchtturm, der nach Schiffen auf dem Meer Ausschau hält."

Die Spieler setzten Rehhagels Strategie in die Tat um und standen, auch dank Dellas, defensiv sehr stabil. In der K.-o.-Phase kassierten die Griechen in drei Spielen kein einziges Tor - und das gegen Spieler wie Zinédine Zidane, Thierry Henry, David Trézeguet, Jan Koller, Milan Baroš und Cristiano Ronaldo.

Der Glaube an den Hype 
Als Dellas Anfang Juni in Portugal ankam, war er entsetzt über das, was auf dem griechischen Mannschaftsbus geschrieben stand. "Dort war ein Motto drauf: 'Früher hatte Griechenland zwölf Götter, das moderne Griechenland hat elf.' Ich war schockiert darüber. Ich dachte, dass das zu weit geht. Man konnte doch nicht solche Erwartungen schüren. Aber Tag für Tag sind wir mit diesem Motto gewachsen und am Ende liebten wir es."

Die Griechen waren eine eingeschworene Gemeinschaft. Bei den teaminternen Backgammon-Turnieren kamen die Spieler auf andere Gedanken. Außerdem gab es vor den Spielen bestimmte Rituale, die die Truppe zusammenschweißten. So hatte beispielsweise jemand aus dem Betreuerteam vor dem 2:1-Sieg im Eröffnungsspiel gegen Portugal französische Pommes frites bestellt. Gesund oder nicht, die Griechen machten dies zu einem Ritual und aßen vor jeder Partie auf ihrem Weg zum Titel französische Pommes frites.

Das Märchen
Die Vereinskarriere von Dellas war dagegen nicht sehr ruhmreich. Er begann seine Laufbahn bei Aris Thessaloniki und reiste dann über die Stationen England, Italien und Zypern quer durch Europa, bevor er nach Griechenland zu AEK Athen zurückkehrte, wo er später auch Trainer war. Insgesamt brachte es Dellas trotz vieler Verletzungen auf 53 Länderspiele für Griechenland. 2012 beendete der Verteidiger seine Karriere.

"Für mich werden diese 40 Tage mit der Nationalmannschaft im Sommer 2004 immer die schönste Erinnerung an meine Karriere bleiben", schrieb er. "Und ich werde sie meinen Kindern als Gutenachtgeschichte erzählen."

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