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Peter Schmeichel über Dänemarks Sieg bei der EURO '92

"Nach einem Mythos waren wir alle am Strand." Peter Schmeichel erzählt, wie es zum sensationellen Triumph der Dänen bei der EURO '92 kam und welche Rolle Richard Møller Nielsen spielte.

Dänemark wurde 1992 sensationell Europameister
Dänemark wurde 1992 sensationell Europameister ©Getty Images

Dänemark wurde von Albanien daran gehindert, sich direkt für die UEFA EURO 2016 zu qualifizieren, aber sie wissen, wie es ist, mal nicht sofort qualifiziert zu sein, um dann umso härter zurückzuschlagen.

Die Dänen verpassten einen der acht Plätze bei der EURO '92, doch aufgrund der Krise auf dem Balkan durften sie den Platz von Jugoslawien einnehmen. Was sie mit Bravour taten, wurde doch der Pokal gewonnen, obwohl sie das zweite Gruppenspiel gegen Gastgeber Schweden im alten Råsundastadion verloren hatten. Ganz in der Nähe, in der Friends Arena in Solna, treffen beide Teams erneut aufeinander, wenn nun das Play-off-Hinspiel auf dem Programm steht.

Peter Schmeichel war 1992 der Torhüter, der im Halbfinale gegen die Niederlande der entscheidende Mann im Elfmeterschießen war. Er erinnert sich an jene Wochen, die als Sensation in die Geschichte dieses Turniers eingingen.

Wie es Dänemark geschafft hat ...

Wir haben Menschen in Dänemark, die eingetretene Wege verlassen und international enorme Ergebnisse erzielen. Nicht viele, aber ein paar. Die Zahl dieser Leute ist - verglichen mit Ländern wie England, Deutschland, Frankreich, Spanien, klein. Wir haben ja nicht viele Menschen. Und das gilt auch für den Fußball.

Wir hatten das Glück, eine Gruppe von Leuten zu sein, die sich wie Pioniere im dänischen Fußball fühlten. Wir hatten die Verantwortung, gegen die Wellen zu kämpfen und jedem zu beweisen, dass wir wettbewerbsfähig waren.

Auf diesem Weg gab es großartige Beispiele. Zum Beispiel den UEFA-Pokal [1990/91] in der ersten Runde in Kopenhagen, als wir [Brøndby] gegen Eintracht Frankfurt spielten, das vier oder fünf deutsche Nationalspieler hatte. Und wir haben sie 5:0 geschlagen. Sie dachten, wir wären eine Mannschaft der Nobodys, aber das waren wir nicht. Wir wurden zwar im Rückspiel mit 4:1 besiegt, aber dennoch waren wir weiter [und erreichten am Ende das Halbfinale].

Über den späten Ruf nach Schweden ...

Dem Mythos nach waren wir alle am Strand. Mythen sind Mythen. In Wirklichkeit hatten wir unsere Saison beendet, die Spieler, die damals im Ausland spielten, und die Spieler, die in Dänemark waren, befanden sich noch in der Saison, als uns mitgeteilt wurde, dass wir dabei sind. Alles, woran wir dachten, waren Ferien.

Wir hatten noch das Spiel gegen die GUS [Nachfolger der Sowjetunion] als deren letztes Vorbereitungsspiel vor uns, ehe es für sie nach Schweden ging. Die Sache war, dass wir zwar noch nicht in den Ferien waren, aber jeder von uns hatte den Schalter schon umgelegt. Nur noch dieses Spiel und dann hätten wir Freizeit gehabt. Aber körperlich waren wir fit, aber wir hatten noch eine Menge mentaler Arbeit vor uns, ehe wir in einer Meisterschaft dieses Kalibers antreten konnten. Die Ferien vor den Augen, aber körperlich noch stark.

Über die Arbeitskleidung ...

©Getty Images

Unser Sponsor, das war damals Hummel, war darauf nicht vorbereitet. Wir hatten nur die U21-Sachen. Hummel musste sehr, sehr schnell neue Fußballkleidung herstellen. Wenn man unser erstes Spiel sieht, gegen England, dann steckte jeder in einem Shirt, das etwas zu eng war. Aber dann bekamen wir neue Sachen und alles lief etwas besser.

Über die Gruppenphase ...

Nach dem 0:0 gegen England war es in der Umkleidekabine wie bei einer Beerdigung – wir konnten nicht glauben, dass wir das Spiel nicht gewonnen hatten. Wir sind natürlich direkt zum Turnier dazugestoßen, ohne richtige Vorbereitung, nicht so wie England, aber wir hatten das Gefühl, dass wir viel besser vorbereitet waren als sie. Körperlich waren wir stärker, haben viel besser gespielt und uns viel mehr Chancen erarbeitet, und dennoch haben wir nicht gewonnen. Das konnten wir nicht glauben.

Aber von diesem Moment an war uns klar, dass wir mithalten konnten. Wir haben nie daran gedacht, dass wir auch Spiele verlieren könnten. Bis wir das nächste Spiel bestritten, gegen Schweden, und 0:1 verloren! Wieder ein Spiel, in dem wir fünf oder sechs große Chancen hatten und hätten gewinnen müssen. Aber wir haben nie den Glauben an uns verloren [und kamen mit einem Sieg gegen Frankreich weiter].

©Getty Images

Über den Erfolg im Halbfinale gegen die Niederlande ...

Wir haben nie einfach nur akzeptiert, dass wir ein kleines Land sind. Wir haben die gleichen Möglichkeiten, weiter zu kommen, besser zu werden und die besten Profis zu sein. Und wenn wir auf die richtigen Umstände treffen, können wir jeden Job erledigen, den wir erledigen wollen. Das ist eine Frage der Mentalität. Und das ist mehr als alles andere der Grund, warum wir Europameister geworden sind.

Über das Finale gegen Deutschland ...

Es war magisch und unerwartet. Das war schön, denn bislang hatte Dänemark in anderen Sportarten niemals gute Ergebnisse erzielt. Diese Europameisterschaft ist nicht vergessen, wenn die Leute sie wieder zum Thema machen.

©Getty Images

Es gibt einen Film [Sommeren 92, im August gezeigt], dessen eigentliche Idee es war, ihn rund um den "magischen Sieg der Mannschaft, die nicht dabei war" zu drehen, und wie das alles passiert ist. Aber weil Trainer Richard Møller Nielsen krank wurde und unglücklicherweise starb [im vergangenen Jahr], wurde der Film zu einem Tribut an ihn. Das ist eine weitere seltsame Sache an Dänemark, weil Richard Møller Nielsen zweifellos der erfolgreichste Fußballtrainer ist, den wir jemals hatten. Aber er wird nicht als guter Trainer gesehen. Das ist seltsam. Wir sollten uns deshalb schämen. Aber dieser Film ist ein Tribut an ihn.

Ich bin sehr erfreut über dieses Projekt, weil es die Europameisterschaft zurück ins Gedächtnis von Dänemark und der dänischen Bevölkerung gebracht hat.