Englands nächste Pleite gegen Deutschland

In der Neuauflage des Halbfinals der FIFA-WM 1990 hoffte England, den Elfmeter-Fluch ablegen zu können, aber stattdessen kam es zu einem Déjà-vu, als Andreas Köpke gegen Gareth Southgate parierte.

Andreas Möller nach seinem entscheidenden Elfmeter im Wembley-Stadion
Andreas Möller nach seinem entscheidenden Elfmeter im Wembley-Stadion ©Getty Images

Deutschland - England 1:1, 6:5 n.E.
(3. Shearer, 16. Kuntz)
Wembley-Stadion, 26. Juni 1996

In einem spannenden Halbfinale konnten die Engländer aus der frühen Führung durch den Kopfballtreffer von Alan Shearer kein Kapital schlagen, da Stefan Kuntz bereits eine knappe Viertelstunde später den Ausgleich für die Deutschen erzielte. Beide Teams hatten sowohl in der regulären Spielzeit als auch in der Verlängerung die Chance, das Spiel zu gewinnen. Die Gastgeber jedoch, allen voran Gareth Southgate, konnten die anschließende Elfmeter-Lotterie abermals nicht gewinnen und schieden unglücklich aus.

Nach dem 4:1-Sieg über die Niederlande und einem gewonnen Elfmeterschießen gegen Spanien war die Euphorie in England naturgemäß groß und die Mannschaft strotzte nur so vor Selbstvertrauen. Die Spieler von Terry Venables waren fest davon überzeugt, den großen Rivalen endlich schlagen zu können, nachdem sie sechs Jahre zuvor bei der FIFA-Weltmeisterschaft in Turin noch den Kürzeren gezogen hatten.

Dabei fing alles perfekt an für die Engländer; bereits nach drei Minuten musste Andreas Köpke bei einem Distanzschuss von Paul Ince das erste Mal eingreifen. Paul Gascoignes anschließender Eckball wurde von Tony Adams verlängert, so dass Shearer nur noch einnicken musste. Der Ausgleich ließ aber nicht lange auf sich warten. Nach einer schönen Kombination über Andreas Möller und Thomas Helmer musste Kuntz nur noch vollstrecken.

England war aber keineswegs geschockt. Darren Anderton zeigte nach einer abermals schweren Verletzung, wozu er in der Lage war, und auch Gascoigne spielte auf seine alten Tage noch einmal groß auf. Aber die Deutschen hatten in Form von Dieter Eilts und auch Helmer ihre eigenen Stars, die das Aufbauspiel der Engländer in der zweiten Halbzeit immer wieder zerstörten, wodurch die Three Lions kaum zu Chancen kamen.

Die Verlängerung sollte dieses Spiel dann zu einem unvergesslichen Ereignis machen. Beide Teams hatten klare Torchancen, wobei England das Spiel bereits nach zwei Minuten hätte entscheiden können. David Platt schickte Steve McManaman auf der rechten Seite, aber dessen Flanke konnte Anderton nicht im Tor unterbringen, er traf nur den Pfosten.

Die Engländer mussten weiter zittern, da auch Deutschland nach wie vor mutig nach vorne spielte. Nach einem Eckball von Möller traf Kuntz zum 2:1. Schiedsrichter Sándor Puhl gab den Treffer wegen eines Fouls aber nicht - Glück für England. Im Gegenzug hätte Gascoigne um Haaresbreite eine Flanke von Anderton zur Führung für die Hausherren verwerten können.

Es sollte schließlich erneut zum Elfmeterschießen kommen. Stuart Pearce, der gegen die Bundesrepublik Deutschland bei der WM 1990 in Italien noch verschossen hatte, war vom Punkt erfolgreich, nachdem er auch schon davor gegen Spanien getroffen hatte. Platt und Häßler trafen, wie bereits in Turin. Die Deutschen zeigten sich unbeeindruckt, behielten die Nerven und es stand 5:5.

Köpke hielt danach den entscheidenden Elfmeter von Southgate, und Möller - der wusste, dass er wegen einer Sperre das Finale verpassen würde - sorgte für den Sieg und für die entsetzten Gesichter auf den Rängen.

Was passierte danach?
Im Vergleich zur EURO 1992 sollte die deutsche Nationalmannschaft gegen den vermeintlichen Außenseiter diesmal nicht den Kürzeren ziehen. Nachdem sie vor vier Jahren noch mit 0:2 gegen Dänemark verloren hatten, behielten sie dieses Mal nach dem 0:1-Rückstand die Nerven und schlugen dank zweier Tore von Oliver Bierhoff die Tschechische Republik mit 2:1. Bierhoff erzielte dabei das erste Golden Goal der Fußballgeschichte. Zwei Jahre später schnitten die Deutschen bei der WM eher mäßig ab, fanden aber bald wieder zu ihrer Turnierstärke zurück und zogen bei der UEFA EURO 2008 sowie bei der WM 2002 ins Finale ein und belegten bei den Weltmeisterschaften 2006 und 2010 einen Platz unter den besten Vier.

England hingegen konnte nicht mehr an die Leistungen von Wembley anknüpfen und schied bei der UEFA EURO 2004 sowie den Weltmeisterschaften 2002 und 2006 jeweils bereits im Viertelfinale aus.

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