Mannschaft des Turniers der EURO '96

Aus dem Archiv: Deutschlands Andreas Köpke, Matthias Sammer und Dieter Eilts stehen als Defensivspieler stellvertretend für eine in der Abwehr äußerst solide Elf in der Mannschaft des Turniers.

Davor Šuker (Kroatien)
Davor Šuker (Kroatien) ©Getty Images

TW: Andreas Köpke (Deutschland)
Obwohl er bereits 1993 zu Deutschlands Fußballer des Jahres gewählt wurde, war Köpke lange Zeit hinter Bodo Illgner nur die Nummer zwei und verbrachte sowohl die FIFA-Weltmeisterschaften 1990 und 1994 als auch die EURO '92 auf der Bank, bevor bei der EURO '96 im Alter von 34 seine Stunde schlug. In der Gruppenphase musste er keinen einzigen Gegentreffer hinnehmen und parierte im letzten Gruppenspiel gar einen Elfmeter von Italiens Gianfranco Zola. Auch im Halbfinale gegen England wehrte er den Elfmeter von Gareth Southgate ab, wodurch er seiner Elf den Finaleinzug ermöglichte. Köpke, der für Nürnberg, Frankfurt und Marseille spielte, beendete seine Länderspielkarriere 1998 bei der WM nach 59 Länderspielen und wurde durch Oliver Kahn beerbt, den er später als Torwarttrainer der Nationalmannschaft unter sich hatte.

AW: Laurent Blanc (Frankreich) 
Blanc stand drei UEFA-Europameisterschaften hintereinander in der Mannschaft des Turniers der UEFA (1992 bis 2000). Bei der UEFA EURO 2000 beendete er seine Länderspielkarriere nach 97 Einsätzen mit einem Endspielsieg. 1998 bei Frankreichs erstem WM-Sieg hatte er aufgrund einer Sperre im Finale gegen Brasilien noch zuschauen müssen. Aufgrund seiner Dominanz, Eleganz und seinen Führungsfähigkeiten wurde ihm der Spitzname "Le Président" verliehen. Seine Karriere begann bei Montpellier als Mittelfeldspieler, bevor er für neun verschieden Klubs, darunter Barcelona, Inter Mailand und Manchester United als eleganter Innenverteidiger agierte. Später wurde er Trainer von Bordeaux, ehe er Frankreich zur UEFA EURO 2012 führte und danach Paris Saint-Germain übernahm.

AW: Marcel Desailly (Frankreich)
Desailly war über ein Jahrzehnt lang ein internationaler Topspieler und seine Leistungen bei den Endrunden der EUROs 1996 und 2000 ließen ihn jeweils in der Mannschaft des Turniers auftauchen. Mit Marseille gewann er die UEFA Champions League und wiederholte dieses Kunststück in der folgenden Saison mit dem AC Milan. Frankreich verhalf er ins Halbfinale der EURO '96 und zum WM-Sieg 1998 im eigenen Land, obwohl er im Finale des Feldes verwiesen wurde. Bei der UEFA EURO 2000 war er der einzige Franzose, der alle sechs Spiele über die volle Distanz bestritt und wohl der beständigste Innenverteidiger des ganzen Turniers. In seinen Vereinen Milan und Chelsea (wo er sechs Jahre spielte) gilt er als Legende. Er bestritt 116 Länderspiele, bevor er seine Karriere im Nahen Osten beendete und UNICEF-Botschafter wurde.

AW: Matthias Sammer (Deutschland)
Seine Art, den Libero bei der EURO '96 zu interpretieren, bei der er jede Minute auf dem Feld stand und auf dem Weg zum Titel Siegtore gegen Russland und Kroatien erzielte, erinnerte an Franz Beckenbauer und brachte ihm die Auszeichnung als Europas Fußballer des Jahres ein. Er war der erste Ostdeutsche, der im gesamtdeutschen Team stand und erzielte sechs Tore in 23 Länderspielen für Ostdeutschland und deren acht in 51 Länderspielen nach der Wende. Mit Dynamo Dresden gewann er zwei Mal die DDR-Meisterschaft, bevor er drei Bundesligatitel mit Stuttgart und Borussia Dortmund hinzufügte. 1997 feierte er mit dem BVB den Gewinn der UEFA Champions League. Nachdem er aufgrund einer Knieverletzung im Alter von 30 Jahren frühzeitig seine Karriere beenden musste, wurde er sowohl beim VfB als auch BVB Trainer, mittlerweile ist er Sportdirektor beim FC Bayern.

AW: Paolo Maldini (Italien)
Maldini, der über 1 000 Spiele für seinen Verein und die Nationalmannschaft bestritt und mit 126 Einsätzen zwischen 1988 und 2002 Italiens Rekordnationalspieler ist, ist einer der besten Verteidiger jemals. Maldini konnten in mehreren Turnieren glänzen, von seinem ersten (EURO '88) bis zu seinem letzten (FIFA-WM 2002). Einem großen internationalen Titel kam er 1994 bei der WM am nächsten, als man im Endspiel gegen Brasilien erst im Elfmeterschießen unterlag. Auch bei der UEFA EURO 2008 war man ganz dicht dran, als man sich durch ein Golden Goal dem damaligen Weltmeister Frankreich geschlagen geben musste. Etwas ironisch mutet es schon an, dass Italien die WM 2006 dann ohne Maldini gewinnen konnte, doch dieser stand 1996 und 2000 jeweils in der Mannschaft des Turniers und konnte fünf Mal die UEFA Champions League und sieben Mal die Serie A gewinnen.

MF: Paul Gascoigne (England)
Nachdem er 1990 bei der FIFA-WM weltweit bekannt wurde, stagnierte Gascoignes Karriere durch lange Auszeiten ein wenig. Unter anderem riss er sich das Kreuzband und brach ein Bein, doch bei der EURO '96 im eigenen Land präsentierte er sich wieder in Bestform. Der Ex-Mittelfeldspieler von Newcastle United, Tottenham und Lazio hatte eine tolle Premierensaison bei den Rangers hinter sich, als es zum Turnier ging. Sollten Restzweifel an seiner Form bestanden haben, waren diese nach seinem Traumtor gegen Schottland, als er den Ball mit der Hacke mitnahm und dann Volley versenkte, endgültig ausgelöscht. Nur Sekunden zuvor hatten die Schotten einen Elfmeter vergeben. Gegen die Niederlande im nächsten Spiel erzielte er beim beeindruckenden 4:1-Sieg zwei Tore und im Halbfinale gegen Deutschland fehlten ihm nur Zentimeter, um das Golden Goal zu machen.

MF: Dieter Eilts (Deutschland)
Eilts hatte zwar vor der EURO '96 einen guten Ruf als Arbeiter bei Werder Bremen, doch es war sein erstes großes internationales Turnier und so war die Leistung des Ostfriesen doch ein wenig eine Überraschung. Durch sein gutes Stellungspiel und die Bereitschaft, dem oft nach vorne stoßenden Libero Matthias Sammer den Rücken freizuhalten, trug er dazu bei, dass Deutschland in England nur drei Gegentore hinnehmen musste. Eines davon kam erst, nachdem Eilts im Endspiel verletzt vom Feld musste. Sechs seiner 31 Länderspiele bestritt er bei der EURO '96, ehe er bis 2002 Bremens Kapitän war und in 17 Jahren 390 Bundesligaspiele komplettierte. Zu seinen Erfolgen zählen außerdem zwei deutsche Meisterschaften, drei DFB-Pokalsiege und der UEFA-Pokal-der-Pokalsieger 1992 mit Werder. Später war er auch als Nationaltrainer von Deutschlands U19 und U21 tätig, heute leitete er die Jugendakademie von Bremen.

MF: Karel Poborský (Tschechische Republik)
Poborský war eine der großen Entdeckungen der EURO '96 - unvergessen bleibt sein genialer Lupfer im Viertelfinale gegen Portugal. Die Tschechen sollten schließlich bis ins Endspiel gegen Deutschland vordringen. Bei der FIFA-WM 2006 gegen Italien bestritt er sein 118. und letztes Länderspiel (8 Tore). Seine dritte Teilnahme bei einer UEFA-Europameisterschaft im Jahr 2004 war fast so eindrucksvoll wie seine Premiere acht Jahre zuvor. Verdorben wurde das ein wenig dadurch, dass man im Halbfinale nach Silver Goal gegen den späteren Europameister Griechenland unterlag. Poborský spielte für Manchester United, Benfica und Roma - aber vor allem seine Leistungen mit der Nationalmannschaft machten ihn bekannt.

ST: Alan Shearer (England)
Shearers Traumsommer 1996 begann damit, dass er mit 31 Treffern zum zweiten Mal in Folge Torschützenkönig der Premier League wurde und endete mit einem 15-Millionen-Pfund-Transfer (damals der Weltrekord) von Blackburn zu Newcastle. Dazwischen fand die EURO '96 statt, die er nach einer zuvor 21-monatigen Durststrecke im Nationaltrikot durch Tore gegen die Schweiz, Schottland, die Niederlande (2) und Deutschland als Torschützenkönig beendete. Zwar verwandelte er seine Elfmeter bei den Elfmeterschießen gegen Spanien und Deutschland, doch gegen die DFB-Elf verlor England im Halbfinale schließlich trotzdem. Als Englands Kapitän steuerte er zwei weitere Tore beim Vorrundenaus bei der UEFA EURO 2000 bei, beendete seine internationale Karriere aber nach 63 Länderspielen (30 Tore) im Alter von nur 29. Sechs weitere Jahre spielte er noch für Newcastle, das er sogar kurz trainierte, bevor er zum TV-Experten wurde.

ST: Hristo Stoichkov (Bulgarien)
Bulgarien musste bei der EURO '96 zwar bereits nach der Gruppenphase nach Hause reisen, doch der Mann, der 1994 an der Spitze der Mannschaft stand, die bei der FIFA-WM bis ins Halbfinale kam und im Viertelfinale Titelverteidiger Deutschland ausschaltete, war auch in England wieder der Star und traf in allen drei Gruppenspielen. Stoichkov gewann 1994 den Ballon d'Or und 1992 die Königsklasse mit Barcelona, nachdem er zwei Jahre zuvor den ZSKA Sofia verlassen hatte. 1996/97 kehrte er ins Camp Nou zurück und holte den Pokal-der-Pokalsieger. Zwei Mal trat er aus der Nationalmannschaft zurück, ehe er 1998 bei der WM doch wieder für Bulgarien spielte. Letztendlich brachte er es auf 83 Länderspiele und 37 Tore. Nach Stationen in Saudi-Arabien, Japan und den USA war er als Nationaltrainer Bulgariens und bei verschiedenen Vereinen im Einsatz.

ST: Davor Šuker (Kroatien)
Der Höhepunkt der Länderspielkarriere Šukers kam bei der FIFA-WM 1998, als er mit sechs Toren den Goldenen Schuh gewann und Kroatien zum dritten Platz führte. Es war allerdings die EURO '96, bei der er sich einen Namen machte. Mit zwölf Toren hatte er damals in der Qualifikation bereits einen Rekord erzielt - in der Endrunde sollten drei weitere folgen, zwei davon bei einer Glanzleistung gegen Dänemark. Kurz danach schnappte ihn sich Real Madrid von Sevilla, wo er mit 24 Treffern Torschützenkönig und Meister wurde. Ein weiteres Jahr später gewann er die UEFA Champions League und die tolle Weltmeisterschaft. Šuker, der auch für Arsenal spielte, verabschiedete sich nach der WM 2002 mit 45 Länderspieltoren.

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