Mannschaft des Turniers der EURO 2008

Auch bei der Mannschaft des Turniers hatte Spanien, Gewinner der UEFA EURO 2008, klar die Nase vorn: Iker Casillas, Carles Puyol, Carlos Marchena, Marcos Senna, Xavi Hernández und David Villa waren eine Klasse für sich.

TW: Iker Casillas (Spanien)
Casillas, der über Jahre herausragende Leistungen bei Real Madrid und der spanischen Nationalmannschaft ablieferte, war bei der Endrunde 2008 einer der entscheidenden Akteure. Der Torhüter, der 2000 in der Nationalmannschaft debütiert hatte, erbte kurz vor dem Turnier die Kapitänsbinde. Er führte den späteren Gewinner in tadelloser Art und Weise und kassierte weder im Viertelfinale, wo er im Elfmeterschießen gegen Italien sogar zwei Elfmeter parieren konnte, noch im Halbfinale und im Endspiel einen Gegentreffer. Casillas absolvierte 2009 sein 100. Länderspiel und war auch bei den Triumphen bei der FIFA-WM 2010 und der UEFA EURO 2012 ein Leistungsträger.

AW: Philipp Lahm (Deutschland)
Lahm, einer der effektivsten Offensiv-Außenverteidiger seiner Generation, gab 2004 sein Debüt in der Nationalmannschaft und überzeugte sowohl auf der linken als auch auf der rechten Seite. Der Abwehrspieler erzielte das erste Tor bei der FIFA-Weltmeisterschaft 2006 und spielte beim Erreichen des dritten Platzes eine tragende Rolle. Zwei Jahre später lief es sogar noch besser - auch dank Lahm, der im EM-Halbfinale gegen die Türkei in der 90. Minute den 3:2-Siegtreffer für Joachim Löws Mannen erzielen konnte. 2010, im Alter von 26 Jahren, wurde der Verteidiger vom FC Bayern München der jüngste deutsche Nationalmannschaftskapitän aller Zeiten, als er bei der WM in Südafrika sein viertes großes Turnier in Folge absolvierte. Vier Jahre später führte er die DFB-Elf zum WM-Titel und trat anschließend aus der Nationalmannschaft zurück.

AW: Carles Puyol (Spanien)
Die spanische Mannschaft, die nach dem Erfolg bei der UEFA EURO 2008 zwei Jahre später auch bei der FIFA-Weltmeisterschaft triumphieren konnte, wurde völlig zurecht für ihr gekonntes und technisch anspruchsvolles Kurzpassspiel gerühmt. Aber in jedem Team braucht es auch einen eisenharten Akteur - hervorragend verkörpert vom robusten Puyol. Bei der EURO 2008 kam er in fünf der sechs spanischen Spiele zum Einsatz und trug maßgeblich dazu bei, dass die Truppe von Luis Aragonés in den letzten drei Spielen gegen Italien, Russland und Deutschland keinen Gegentreffer kassierte. Der Lockenkopf kämpfte um jeden Ball und ging keinem Zweikampf aus dem Weg. Der frühere Kapitän von Barcelona hat alle großen Vereins- und Nationalmannschaftstitel gewonnen.

AW: Carlos Marchena (Spanien)
Marchena, der 1999 neben Iker Casillas und Xavi Hernández die FIFA-U20-Weltmeisterschaft gewinnen konnte, spielte eine elementare Rolle beim Gewinn der UEFA EURO 2008. Mit Carles Puyol harmonierte er perfekt in der Innenverteidigung. Während er zumeist den gefährlichsten Stürmer des Gegners ausschaltete, kümmerte sich sein Partner um den Rest. Marchena, der bei Sevilla ausgebildet worden war, wechselte 2010 nach neun Jahren bei Valencia zu Villarreal. Bevor er seinen Platz Gerard Piqué überlassen musste, stellte er einen neuen Weltrekord auf, als er 50 Länderspiele in Folge keine Niederlage einstecken musste.

AW: Yuri Zhirkov (Russland)
Russlands Einzug ins Halbfinale der UEFA EURO 2008 mag für einige verwunderlich gewesen sein, aber niemand in der Heimat war über Zhirkovs dynamische Auftritte auf der linken Abwehrseite überrascht. Zhirkov war 2005 als Flügelflitzer beim UEFA-Pokal-Triumph von ZSKA Moskau erfolgreich und erzielte auch zehn Tage später im russischen Pokalfinale einen Treffer. Sein schönstes Tor machte er jedoch in der UEFA Champions League gegen den Hamburger SV, als er nach einem Solo über das halbe Feld erfolgreich war. Als er 2009 für 18 Millionen Euro zu Chelsea wechselte, wurde er Russlands teuerster Spieler aller Zeiten. Zwei Jahre später kehrte er nach Russland zurück.

MF: Luka Modrić (Kroatien)
Angesichts seiner bärenstarken Leistungen bei der UEFA EURO 2008 scheint es ganz und gar falsch zu sein, wenn man Modrić für Kroatiens Ausscheiden verantwortlich macht. Doch es war der kleine Spielmacher, der beim Elfmeterschießen im Viertelfinale gegen die Türkei patzte. Kurz zuvor hatte es noch so ausgesehen, als könnte Modrić wieder der entscheidende Faktor sein, als er kurz vor Ende der Verlängerung für Ivan Klasnićs Führungstreffer auflegte, doch der Türkei gelang nahezu postwendend der Ausgleich. Der frühere Akteur von Dinamo Zagreb, der kurz vor der EM für 21 Millionen Euro zu Tottenham gewechselt war, hellte die Endrunde mit seinen gekonnten Sololäufen sowie raffinierten Pässen auf und erzielte den ersten Treffer des Turniers gegen Österreich. Mittlerweile spielt er bei Real Madrid.

MF: Marcos Senna (Spanien)
Der in Brasilien geborene frühere Mittelfeldspieler von Corinthians feierte im März 2006 seine Länderspielpremiere, nachdem er bereits vier Jahre lang für Villarreal gespielt hatte. Nach seinen hervorragenden Leistungen für Villarreal auf dem Weg ins Halbfinale der UEFA Champions League wurde er 2006 in den spanischen Kader für die FIFA-Weltmeisterschaft berufen. Obwohl er in den ersten beiden Partien in der Startformation gestanden hatte, musste Senna zwei weitere Jahre warten, ehe er sich endgültig etablieren konnte. Der laufstarke, taktisch versierte defensive Mittelfeldspieler hielt seinen offensiveren Kollegen beim EM-Triumph immer wieder gekonnt den Rücken frei.

MF: Xavi Hernández (Spanien)
Xavi kam bereits im Alter von elf Jahren zum FC Barcelona, holte sich 1999 seine erste Meisterschaft und debütierte 2000 in der Nationalmannschaft, doch es sollte noch ein paar Jahre dauern, ehe sein Talent weltweite Anerkennung fand. Seine intelligente und ausnahmslos schnörkellose Ballbehandlung ragt immer wieder heraus, außerdem gibt es keinen Zweifel am immensen Beitrag des Mittelfeldspielers an den großen Erfolgen des FC Barcelona und der spanischen Nationalmannschaft. Barças Rekordspieler wurde Stammspieler bei der FIFA-Weltmeisterschaft 2006 und avancierte zwei Jahre später zu Spaniens Schlüsselfigur. Seine Fähigkeit, ein Spiel exakt lesen zu können, war elementar beim spanischen Triumph - und machte ihn zum Spieler des Turniers.

MF: Hamit Altıntop (Türkei)
Fatih Terims Entscheidung, Altıntop nach zwei Spielen bei der UEFA EURO 2008 vom rechten Außenverteidigerposten ins defensive Mittelfeld zu verschieben, war zweifellos der Wendepunkt für die Türkei, die im dritten Spiel unbedingt gegen die Tschechische Republik gewinnen musste, um weiterzukommen. Nach einem 0:2-Rückstand gab Altıntop in der letzten Viertelstunde die Vorarbeit zu drei Treffern und sorgte somit für eine atemberaubende Wendung. Altıntop, der Abwehrreihen mit einem tödlichen Pass oder einem herausragenden Dribbling aushebeln kann, zählte auch gegen Kroatien zu den herausragenden Spielern und verwandelte den entscheidenden Versuch im Elfmeterschießen. Altıntop konnte dann im verlorenen Halbfinale gegen sein Geburtsland Deutschland allerdings nicht nachlegen.

ST: Andrey Arshavin (Russland)
Arshavin war so wichtig für die Mannschaft, dass Guus Hiddink den Angreifer für die Endrunde nominierte, obwohl er für die ersten beiden Partien gesperrt war. In seiner Abwesenheit verlor Russland mit 1:4 gegen Spanien und gewann gegen Griechenland. Im Anschluss schlug die große Stunde des Flügelflitzers: Arshavin, der Zenit einen Monat zuvor zum Erfolg im UEFA-Pokal geführt hatte, legte beim Sieg gegen Schweden einen Treffer auf und erzielte ein Tor selbst, ehe er im Viertelfinale gegen die Niederlande richtig explodierte: Mit einem eigenen Treffer und zwei Vorlagen. Ein Star war geboren, und sechs Monate später sicherte sich Arsenal die Dienste des Angreifers.

ST: David Villa (Spanien)
Spanien hatte in Fernando Torres einen gleichwertigen Ersatz, aber es war eine Schande, dass der außergewöhnliche Villa aufgrund einer Verletzung nicht im Endspiel der UEFA EURO 2008 auflaufen konnte. Das treffsichere Schlitzohr, das 2005 für die Roja debütiert hatte, erzielte im ersten Spiel gegen Russland gleich drei Tore und wurde am Ende mit vier Treffern Torschützenkönig. Beim Triumph bei der FIFA-Weltmeisterschaft 2010 war er fünf Mal erfolgreich und avancierte zu Spaniens bestem Torschützen aller Zeiten, als er im März 2011 die bisherige 44-Tore-Bestmarke von Raúl González übertreffen konnte. Als er im Mai 2010 von Valencia wegging, zahlte Barcelona 40 Millionen Euro für den Angreifer.

Oben