Nedved führt Tschechische Republik ins Viertelfinale

Eine überragende Vorstellung von Pavel Nedved führte die Tschechische Republik nach furioser Aufholjagd ins Viertelfinale.

Die tschechischen Fans und Spieler feierten noch lange, nachdem der Schlusspfiff des Schiedsrichters das bislang beste Spiel dieses Turniers beendet hatte. Durch Tore von Jan Koller, Milan Baroš und, zwei Minuten vor dem Ende, Vladimír Šmicer, drehten die Tschechen einen 0:2-Rückstand gegen die Niederländer noch in einen denkwürdigen Sieg um.

Niederländische Dominanz
Die überwiegend in rot-weiß gekleidete Anhängerschar der Tschechen ließ Karel Brückner und seine Mannen immer wieder hochleben, ganz still und traurig dagegen die große Fangemeinde der Niederländer. Wie schon im Spiel gegen die Deutschen stellten sie die Mehrzahl der Zuschauer, doch diesmal verließen sie mit hängenden Köpfen die Arena. Nur ein Sieg gegen Lettland und ein gleichzeitiger Punktgewinn der Tschechen gegen Deutschland würde den Oranjes nun noch zum Einzug ins Viertelfinale verhelfen.

Tabellenführer
Die Tschechische Republik steht in jedem Fall schon als Gruppensieger fest und trifft in einer Woche im Estádio do Dragão in Porto auf den Zweiten der Gruppe C. Und in der Form der letzten 90 Minuten scheint die Mannschaft um Pavel Nedved durchaus in der Lage zu sein, den Triumph der Tschechoslowakei von 1976 zu wiederholen.

Antreiber Nedved
Pavel Nedved, Europas Fußballer des Jahres, wirkte auf seine Mannschaft inspirierend, während seine Kollegen durch Kurzpassspiel zu überzeugen wussten. Hinzu kam, dass Spieler wie Tomáš Rosický, Baroš und Oldie Karel Poborskyý - wie Nedved Mitglied jener Mannschaft, die 1996 das Finale erreichte – ständig in Bewegung waren.

“Fantastisches Spiel“
Nedved, der zum Carlsberg-Mann des Spiels gewählt wurde, sagte: “Es war eine fantastische Begegnung, ein fantastischer Abend. Wir haben den Sieg verdient. Wir haben zu Beginn wieder ein wenig geschlafen, so wie gegen Lettland, und dann von hinten zu kommen, hat eine Menge Energie gekostet. Der Unterschied war, dass die Niederlande offensiv gespielt haben, so dass die Fans ein großartiges Spiel gesehen haben. Aber das ist nur der erste Schritt.”

“Tolle Fans“
“Und vergessen Sie nicht unsere tollen Fans. Sie waren in der Minderheit, aber sie waren großartig. Ich bin sicher, dass unser Trainer eine schlagkräftige Truppe aufs Feld schicken wird, und so müssen wir uns voll auf das kommende Spiel gegen Deutschland konzentrieren.“

Nervöser Beginn
Baroš, der mit einem Gewaltschuss den Ausgleich erzielte, sagte: “Wir haben zu nervös begonnen und wir waren nach den beiden Toren total am Boden. Aber am Ende war es ein fantastisches Spiel, das beste, das ich bis jetzt gespielt habe.“

Abwehrprobleme
Brückner sagte: “Aus unserer Sicht lief es am Anfang sehr schlecht, als wir in der Abwehr Fehler gemacht haben. Wir kassierten seit beinahe drei Jahren erstmals wieder ein Tor aus einer Standardsituation, und ich war gezwungen, Änderungen vorzunehmen. Es war nicht so riskant, weil unsere Dreimann-Abwehr gut gearbeitet hat.“

Robben ausgewechselt
Arjen Robben, der bis zu seiner Auswechslung einer der besten Niederländer war und von Paul Bosvelt ersetzt wurde, sagte: "Das ist eine große Enttäuschung. Ich bin natürlich nicht gerne raus gegangen, weil ich mich gut gefühlt habe, aber das ist die Entscheidung des Trainers, damit muss man klarkommen."

Advocaat konsterniert
Der niederländische Trainer Dick Advocaat, dessen Mannschaft die Partie nach der Gelb-Roten Karte für John Heitinga mit zehn Mann beenden musste, meinte: "Es war Robbens erstes Spiel nach drei Monaten. Ich habe ihn raus genommen, damit sich jemand um [Tomáš] Galásek im Mittelfeld kümmert, und zu diesem Zeitpunkt waren wir 2:1 vorne. Aber der Schuss ging nach hinten los. Ich denke, es war ein Spiel, in dem wir alles gegeben haben. Wir haben mehr verdient, als das nackte Ergebnis aussagt."

Sieg lebensnotwendig
"Sogar nach der Auswechslung von Robben hätten wir das Ergebnis ausbauen können. Wir haben es nicht geschafft, und auf diesem hohen Niveau wird man für das Auslassen von Torchancen bestraft. Die Rote Karte war nicht notwendig. Wir müssen jetzt Lettland schlagen, und ich erwarte, dass die Tschechen ihre Pflicht erfüllen und so spielen, als würde es um alles gehen."

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