Festung Stamford Bridge soll es richten

Chelsea FC will nach dem 1:0-Hinspielerfolg bei SL Benfica mit seinem fünften Heimsieg in der laufenden Saison der UEFA Champions League den Einzug ins Halbfinale perfekt machen.

Chelsea feiert seinen Sieg bei Benfica
Chelsea feiert seinen Sieg bei Benfica ©AFP/Getty Images

Chelsea FC steht in der UEFA Champions League dicht vor seinem sechsten Halbfinal-Einzug in den letzten neun Spielzeiten, wenn es an der Stamford Bridge gegen SL Benfica geht.

• Die Londoner haben definitiv Anlass zur Hoffnung, dass es mit dem Halbfinale klappt, schließlich konnten sie im diesjährigen Wettbewerb alle Heimspiele für sich entscheiden. Doch auch die Truppe von Jorge Jesus ist nach dem 0:1 im Hinspiel noch nicht aus dem Rennen um den ersten Halbfinal-Einzug seit mehr als 20 Jahren, konnten sie in der Gruppenphase doch bereits ein Unentschieden bei Manchester United FC ergattern.

• Ein Remis wäre für Benfica im Rückspiel allerdings zu wenig, da Chelsea dank Salomon Kalou am 27. März mit 1:0 in Lissabon gewinnen konnte.

Hintergrund
• Die Stamford Bridge war in dieser Saison der UEFA Champions League bislang eine Festung. Mit dem 4:1-Erfolg gegen SSC Napoli in der letzten Runde konnte Chelsea alle vier Partien gewinnen. Dabei erzielten die Londoner 14 Treffer und kassierten nur ein Gegentor.

• Die letzte Spielzeit eingeschlossen, musste sich Chelsea in seinen letzten neun Europapokal-Heimspielen nur einmal geschlagen geben, gegen Manchester United im Viertelfinale 2010/11.

• Benfica war unterdessen bei seinen Gastspielen durchaus erfolgreich. Von der dritten Qualifikationsrunde an konnten die Portugiesen von sechs Auswärtsspielen zwei gewinnen, drei Spiele endeten unentschieden. Die einzige Niederlage gab es im Achtelfinal-Hinspiel beim FC Zenit St Petersburg.

• Benfica hat in dieser Saison bereits Bekanntschaft mit einem Team aus der Premier League gemacht. Gegen ManU gelangen den Portugiesen in der Gruppenphase der UEFA Champions League zwei Unentschieden, was anschließend zum Gruppensieg führte, während United mit Platz drei in die UEFA Europa League abstieg.

• Das 2:2-Remis von Benfica im Old Trafford in November war das erste Remis der Portugiesen in England, wo sie drei Partien gewinnen konnten und neun Spiele verloren gingen. Der Klub aus Lissabon verlor zudem zwei Endspiele im Pokal der europäischen Meistervereine auf englischem Boden. Sowohl 1963 gegen den AC Milan als auch 1968 gegen United setzte es Pleiten im Londoner Wembley-Stadion.

• Benfica stand bereits 15 Mal in einem Europapokal-Viertelfinale, dabei gab es acht Siege und sieben Niederlagen - die drei Duelle mit englischen Teams gingen allerdings verloren. Benfica war zudem in der Gruppenphase der letzten acht Teams in der Saison 1991/92 vertreten. 

• Benfica erreichte nach den letzten beiden Viertelfinal-Erfolgen in den Jahren 1988 und 1990 auch das Finale.

• Auch wenn Benfica eine beeindruckendere Geschichte im europäischen Klubfußball vorzuweisen hat, ist doch eindeutig Chelsea das Team, das in den letzten Jahren die größeren Erfolge in der UEFA Champions League feiern konnte. Die Blues stehen zum achten Mal in den letzten 13 Jahren im Viertelfinale der Königsklasse. In fünf der sieben Fälle war Chelsea dabei siegreich.

• Chelsea bestritt in Sachen portugiesische Gegner im letzten Jahrzehnt allein sechs Partien gegen den FC Porto, dabei gab es an der Stamford Bridge drei Siege.

 • In der K.-o.-Phase traf Chelsea bislang nur einmal auf ein portugiesisches Team. Im Champions-League-Achtelfinale 2006/07 setzte sich Chelsea gegen den FC Porto, für den unter anderem der jetzige Chelsea-Akteur Raul Meireles traf, mit einem Gesamtergebnis von 3:2 durch.

• Chelsea konnte sich in allen sieben Fällen durchsetzen, wenn man in einem UEFA-Wettbewerb das Hinspiel auswärts gewinnen konnte, zuletzt im Achtelfinale 2010/11 gegen den FC København (2:0 auswärts, 0:0 zu Hause). Zweimal konnten die Londoner das Auswärtshinspiel 1:0 gewinnen, gegen PFC CSKA Sofia in der zweiten Runde beim Gewinn des Pokals der Pokalsieger 1970/71 (1:0 zu Hause) und gegen den VfB Stuttgart im Achtelfinale der UEFA Champions League 2003/04 (0:0 zu Hause).

• Benfica konnte bereits zweimal Londoner Vereine aus dem Pokal der europäischen Meistervereine werfen - zum einen Tottenham Hotspur FC im Halbfinale der Saison 1961/62, und zum anderen Arsenal FC in der zweiten Runde der Saison 1991/92.

• Was Benfica wenig Mut machen dürfte, ist die Tatsache, dass in der Geschichte der UEFA Champions League nur zwei Teams noch weiterkamen, wenn sie das Hinspiel zu Hause verloren hatten, obwohl das Hinspiel dabei jeweils 0:1 verloren ging: AFC Ajax gegen Panathinaikos FC im Halbfinale 1995/96 (3:0 auswärts) und FC Internazionale Milano gegen den FC Bayern München im letztjährigen Achtelfinale (3:2 auswärts).

• Benfica hat in einem UEFA-Wettbewerb nur viermal das Hinspiel zu Hause verloren, dreimal schied man dabei aus. Nur 1999/2000 in der ersten Runde des UEFA-Pokals gegen den FC Dinamo Bucureşti konnten die Portugiesen nach einer 0:1-Heimniederlage mit einem 2:0-Auswärtstriumph noch weiterkommen.

• Der letzte K.-o.-Phasen-Triumph von Benfica gegen ein Premier-League-Team gelang gegen Liverpool im Achtelfinale der Champions-League-Saison 2005/06. Damals gewann man dank eines Luisão-Treffers mit 1:0 zu Hause und 2:0 in England. Insgesamt gab es gegen englische Teams in K.-o-Phasen-Duellen drei Erfolge und fünfmal ein Ausscheiden.

• Chelseas Bilanz im Elfmeterschießen in einem UEFA-Wettbewerb:
5:6 gegen Manchester United FC, Endspiel der UEFA Champions League 2007/08
1:4 gegen Liverpool FC, Halbfinale der UEFA Champions League 2006/07

• Benficas Bilanz lautet:
4:1 gegen PAOK FC, zweite Runde des UEFA-Pokals 1999/00
5:6 gegen die PSV Eindhoven, Endspiel im Pokal der europäischen Meistervereine 1987/88
4:1 gegen den FC Torpedo Moskva, erste Runde im Pokal der europäischen Meistervereine 1977/78
3:5 gegen FFC Victoria 91, zweite Runde im Pokal der Pokalsieger 1970/71

• Das siegreiche Team trifft im Halbfinale auf den Gewinner des Duells zwischen dem AC Milan und dem FC Barcelona.

Rund um die Teams
• Roberto Di Matteos erste Saison als Spieler auf europäischer Ebene fand gegen Boavista FC ein Ende. In der zweiten Runde des UEFA-Pokals 1993/94 setzten sich die Portugiesen mit einem Gesamtergebnis von 2:1 gegen Di Matteos S.S. Lazio durch.

• Ashley Cole, Frank Lampard und John Terry standen im Team der Engländer, das im Stadion von Benfica mit 5:6 nach Elfmeterschießen im Viertelfinale der UEFA EURO 2004 gegen Portugal ausschied. Und das, obwohl alle drei Chelsea-Akteure ihre Elfmeter verwandeln konnten. Lampard sorgte damals für den späten Ausgleich, nachdem der heutige Benfica-Sportdirektor Rui Costa die Portugiesen zuvor mit 2:1 in Führung gebracht hatte.

• Eben dieses Chelsea-Trio verlor bei der FIFA-WM 2006 erneut gegen Portugal. Auch diesmal war im Viertelfinale Schluss, auch diesmal nach Elfmeterschießen. Allerdings verschoss Lampard diesmal seinen Elfmeter.

• Chelseas Innenverteidiger Luiz spielte viereinhalb Jahre für Benfica, kam dabei auf 82 Einsätze und erzielte fünf Tore. Im Januar 2011 wechselte er an die Stamford Bridge.

• Ramires spielte nur eine Saison bei Benfica. Vor der Saison 2009/10 kam er von Cruzeiro EC. Er erzielte in 26 Ligaspielen vier Treffer.

• Nemanja Matić kam im Sommer 2009 zu Chelsea, wurde allerdings nur dreimal eingewechselt. Danach wurde er an Vitesse ausgeliehen und landete schließlich im August des vergangenen Jahres in Lissabon. Matić spielt gemeinsam mit Branislav Ivanović für Serbien.

• Vor dem Hinspiel hatte Óscar Cardozo in fünf Spielen gegen englische Klubs ganze sieben Mal getroffen - darunter war der Treffer beim 1:1 gegen ManU im letzten September. Er erzielte in der UEFA Europa League 2009/10 sowohl gegen Everton FC als auch gegen Liverpool FC in Lissabon einen Doppelpack.

• Rodrigo spielte während seiner Zeit auf Leihbasis bei Bolton Wanderers FC in der Saison 2010/11 zusammen mit Gary Cahil. Er lief 21 Mal für Bolton auf - sechs Mal davon von Beginn an - und erzielte einen Treffer.

• Chelseas stolze Ansammlung an Portugiesen umfasst auch Meireles, einen Nationalmannschaftskollegen von Eduardo und Nélson Oliveira. Genau wie Meireles haben José Bosingwa, Paulo Ferreira und Hilário früher für den großen Benfica-Rivalen FC Porto gespielt.

• Benficas Eduardo und Ruben Amorim trafen bei der FIFA-WM 2010 im Spiel der Portugiesen gegen die Elfenbeinküste auf Salomon Kalou und Didier Drogba von Chelsea. Das Spiel endete 0:0, auch Ferreira und Meireles standen damals im Aufgebot Portugals.

 • Axel Witsel erlebte in der Saison 2008/09 Freud und Leid mit englischen Teams. Zwar unterlag er mit R. Standard de Liège in der dritten Runde der Qualifikation zur UEFA Champions League knapp gegen Liverpool, allerdings konnte er in der ersten Runde des UEFA-Pokals beim Sieg über Everton einen Treffer erzielen.

• Joan Capdevila und Fernando Torres standen bei den Triumphen bei UEFA EURO 2008 und WM 2010 beide im Kader der Spanier.

• Torres traf doppelt beim 4:1-Sieg von Liverpool im Rückspiel des UEFA-Europa-League-Viertelfinals 2009/10, als die Engländer ein 1:2 gegen Benfica drehen konnten.

• José Mourinho war bereits bei beiden Klubs Trainer. 2000 stand er für drei Monate bei Benfica unter Vertrag und trainierte Chelsea von 2004 bis 2007. Chelsea hatte mit André Villas-Boas in dieser Saison einen weiteren portugiesischen Trainer, von dem man sich nach sieben Monaten allerdings trennte.

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