Interview mit Roberto Rosetti zur Einführung von Video-Schiedsrichterassistenten

Der oberste UEFA-Schiedsrichterverantwortliche Roberto Rosetti hat das Projekt für die Einführung des VSA in der UEFA Champions League geleitet. Im Folgenden äußert er sich zur Umsetzung des Systems.

Der oberste UEFA-Schiedsrichterverantwortliche Roberto Rosetti.
Der oberste UEFA-Schiedsrichterverantwortliche Roberto Rosetti. ©UEFA.com

Das VSA-System wird zur K.-o.-Phase der laufenden UEFA Champions League eingeführt. Was sind die Gründe dahinter?

Wir sind überzeugt, dass das System einen Mehrwert für unsere Wettbewerbe darstellen wird, indem es den Spielleitern eine nützliche Hilfe bietet und so die Zahl der Fehlentscheidungen verringert.

Wie haben die Schiedsrichter auf diese Veränderungen reagiert?

Sehr positiv. Wir haben in den letzten Monaten zahlreiche Kurse mit unseren Topschiedsrichtern abgehalten und sie begrüßen jegliche Maßnahmen, die letztlich dazu führen, dass korrekte Entscheidungen getroffen werden.

Wie haben die Vorbereitungen ausgesehen?

Wir haben in den letzten Monaten technische Tests durchgeführt, die erfolgreich verlaufen sind, und die Schiedsrichter entsprechend geschult. Danach haben wir das System bei einzelnen Spielen getestet und die letzten operativen Vorbereitungen vorgenommen. Jetzt sind wir für die Einführung des VSA in den Achtelfinalpartien der UEFA Champions League bereit.

Wann und wie genau greift das VSA-Team ein und kommuniziert mit dem Schiedsrichter?

Das International Football Association Board, das auch für die Spielregeln verantwortlich ist, hat das Protokoll zum Einsatz des VSA erstellt. Unsere Richtlinien für die Anwendung dieses Protokolls bei UEFA-Spielen sind klar –  der Video-Schiedsrichterassistent greift nur ein, wenn er den Beweis hat, dass in einer von vier spielentscheidenden Situationen ein klarer und offensichtlicher Fehler begangen wurde: Tore und Vergehen in der Entstehung von Toren, Strafstoßentscheidungen und Vergehen in der Entstehung von Strafstoßsituationen, direkte rote Karten und Spielerverwechslungen. Dies schließt Tore mit ein, die nach einem Foulspiel während der betreffenden Angriffsaktion oder aus einer Abseitsstellung heraus fallen.
Der Video-Schiedsrichterassistent legt mithilfe modernster 3D-Technologie fest, ob eine Abseitsstellung vorliegt oder nicht.
Er greift auch dann ein, wenn ein grobes Foulspiel vorliegt, das in Übereinstimmung mit den Spielregeln mit einer direkten roten Karte geahndet werden muss.

Bei welchen Strafraumsituationen greift der VSA ein?

Auch hier gilt: Der Video-Schiedsrichterassistent greift nur ein, wenn ein klarer Beweis vorliegt – klares Foulspiel im Strafraum, das mit einem Strafstoß zu ahnden ist, bzw. kein elfmeterwürdiger Regelverstoß, aufgrund dessen eine Elfmeterentscheidung rückgängig gemacht wird. So muss der Video-Schiedsrichterassistent beispielsweise bei einem Handspiel eingreifen, wenn dem betreffenden Spieler eine klare Absicht, den Ball mit der Hand oder dem Arm zu spielen, nachgewiesen werden kann. Bei der Beurteilung der Frage, ob ein regelwidriges Handspiel vorliegt, trägt das VSA-Team auch dem Bewegungsablauf, der Distanz und der Positionierung des Arms bzw. der Hand Rechnung, und der Schiedsrichter sollte die Szene am Spielfeldrand überprüfen.

Wann greift der Video-Schiedsrichterassistent nicht ein?

Er greift dann nicht ein, wenn kein klarer Beweis vorliegt, der die Überprüfung einer Spielsituation rechtfertigt.

Wie werden die Fans über Interventionen des VSA informiert?

Die TV-Zuschauer werden während der Überprüfung von den Kommentatoren und durch Einblendungen am Bildschirm auf dem Laufenden gehalten, und auf den Bildschirmen im Stadion werden ebenfalls Grafiken zu sehen sein, damit die Fans über die getroffene Entscheidung informiert werden.

Wie lange dauert eine Überprüfung?

Das VSA-System ist nicht perfekt, wird die Schiedsrichter aber dabei unterstützen, die richtige Entscheidung zu treffen. Korrektheit ist definitiv wichtiger als Tempo. Zeit ist dennoch kostbar und wir wollen das Prozedere so effizient wie möglich gestalten.

Plant die UEFA, VSA in anderen UEFA-Wettbewerben einzuführen?

Das System wird auch beim diesjährigen Endspiel der UEFA Europa League in Baku, bei der Endphase der UEFA Nations League in Portugal und bei der U21-EM-Endrunde in Italien zum Einsatz kommen. Wie bereits beschlossen, wird es anschließend auch in der UEFA Champions League 2019/20 ab den Playoffs sowie beim UEFA-Superpokal 2019 verwendet. Die UEFA plant weiterhin, VSA bei der UEFA EURO 2020, in der UEFA Europa League 2020/21 ab der Gruppenphase sowie bei der Endphase der UEFA Nations League 2021 einzusetzen.

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