Mit dem Außenrist in die Weltelite

Mit seinem Tor gegen Argentinien hat sich Benjamin Pavard bei dieser WM endgültig in den Fokus geschossen, nun steht der 22-Jährige vor einem weiteren Karrierehöhepunkt.

Pavard bejubelt seinen Treffer gegen Argentinien
Pavard bejubelt seinen Treffer gegen Argentinien ©Getty Images

Manchmal kann ein Tor Signalwirkung für eine ganze Karriere haben - im Guten wie im Schlechten. Während Mario Götze 2014 im WM-Finale letzteres erlebte, könnte Benjamin Pavard nun den entgegengesetzten Weg gehen. Nach seinem Traumtor gegen Argentinien ist der 22-Jährige in aller Munde und steht - wenn man dem kicker glauben darf, kurz vor der Erfüllung seines Traumes. 

"Ich will Champions League spielen, ganz klar", hatte Pavard noch vor der WM gegenüber Sky erklärt. "Wenn ich verspreche, dass ich in Stuttgart bleibe und es dann nicht tue, werden mich die Fans auf dieser Welt nicht mehr mögen."

Wechsel an die Isar?

Angeblich hat der FC Bayern mit dem VfB Stuttgart bereits eine Einigung über den Wechsel im Sommer 2019 erzielt, allerdings sollen auch andere europäische Topklubs schon Interesse am französischen Shootingstar angemeldet haben, der mit seinem Treffer gegen die Argentinier für reichlich Schlagzeilen sorgte. "Mir fehlen die Worte, ich bin noch völlig überwältigt", beschrieb der Abwehrspieler kurz nach dem dramatischen Achtelfinalsieg seine Emotionslage.

Als ihm nach der Partie eine Videobotschaft seiner Eltern überbracht wurde, kämpfte der Shootingstar sogar mit den Tränen. "Ich werde ihnen niemals genug dafür danken können, was sie für mich getan haben", betonte der Franzose beim Interview mit dem Fernsehsender "Telefoot".

Früh auf sich alleine gestellt

Pavard im Trikot vom OSC Lille
Pavard im Trikot vom OSC Lille©Getty Images

Bereits mit zehn Jahren verließ Pavard sein Zuhause, um sich im Internat des OSC Lille seinen Traum vom Profifußball zu erfüllen. "Es war schwer für mich, aber auch für meine Eltern, weil ich ihr einziger Sohn bin", erinnert sich der bodenständige Mann mit der Lockenmähne an die schwierige Zeit zurück. Trotzdem – oder erst recht aus diesem Grund – pflegt er mit seinen Eltern, die zu jedem VfB-Heimspiel aus Nordfrankreich anreisen, ein enges Verhältnis.

Nur 18 Monate nach seinem Profidebüt in der Ligue 1 wechselte der damals 20-Jährige ins "Schwabenländle". Gegenüber "Le Figaro" erzählte Pavard, dass viele Leute ihm von einem Wechsel abgeraten hatten: "Man sagte mir, dass ich eine schlechte Entscheidung getroffen hatte." Stand heute hat der gelernte Innenverteidiger alles richtig gemacht.

Von Stuttgart in die Nationalelf

Pavard entwickelte sich beim VfB Suttgart zum Stammspieler
Pavard entwickelte sich beim VfB Suttgart zum Stammspieler©Getty Images

In seinen zwei Jahren beim VfB entwickelte sich der junge Franzose zu einem unangefochtenen Stammspieler, der sowohl im Abwehrzentrum als auch auf der rechten Seite auflaufen kann. Besonders Hannes Wolf, der den VfB von September 2016 bis Januar 2018 trainierte, hat laut Pavard einen großen Anteil daran: "Er hat mir deutsche Disziplin beigebracht. [...] Er ist ein sehr großer Trainer und eine sehr große Persönlichkeit für mich [...] Ich verdanke ihm, dass ich heute hier bin."

Als er im November 2017 von Didier Deschamps erstmals in die französische Nationalmannschaft berufen wurde, war der Abwehrallrounder für viele ein Unbekannter. Doch der Dauerbrenner der Stuttgarter – er verpasste in dieser Bundesliga-Saison keine einzige Spielminute – machte sich durch starke Auftritte auch bei der "Equipe Tricolore" unverzichtbar.

Auf den Spuren von Thuram

Pavard mit Frankreichs Nationaltrainer Deschamps
Pavard mit Frankreichs Nationaltrainer Deschamps©Getty Images

Deschamps habe ihm gesagt, "dass ich ihn an Lilian Thuram erinnert habe", erzählte Pavard noch vor dem Turnier. Letztendlich dürfte auch seine Vielseitigkeit bei der Kadernominierung für die Weltmeisterschaft ein schlagkräftiges Argument gewesen sein.

Nach der WM wird der Defensivspezialist höchstwahrscheinlich seine herausragenden Leistungen noch ein Jahr in Stuttgart bestätigen müssen, bevor er im kommenden Sommer den nächsten Schritt in die europäische Elite wagt. Doch im Moment lässt Pavard diese Aussicht kalt, derzeit zählt für ihn nur die WM und das anstehende Viertelfinale gegen Uruguay. Sollten Les Bleus auch hier triumphieren, wäre der Traum vom WM-Titel für Pavard und Co. in der Tat greifbar nahe - nicht zuletzt dank des wunderbaren Tores gegen die Gauchos. 

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