Paul Pogba und das wache Auge der Kritiker

Das erste WM-Spiel lief für Paul Pogba ganz ordentlich, aber schafft er es im restlichen Turnierverlauf, seine Kritiker verstummen zu lassen?

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Er kann richtig gut Fußball spielen, aber auch außerhalb des Platzes auffallen. Wenn bei Paul Pobga die Leistungen ausbleiben, wird sein Verhalten abseits des Platzes vor allem von den französischen Medien kritisch unter die Lupe genommen.

Im Vorfeld der FIFA-WM war es mal wieder soweit. Das Magazin "France Football" bat die Fans darum, sich in die Lage des französischen Nationaltrainers zu versetzen. Ergebnis: Knapp 75 Prozent der Anhänger würden Pogba nicht in die Startelf nehmen.

Didier Deschamps schloss sich der Minderheit an und brachte Pogba beim 2:1-Erfolg gegen Australien in einem Dreier-Mittelfeld neben Corentin Tolisso und Ngolo Kante. Es war kein Gala-Auftritt des Akteurs von Manchester United, doch er spielte solide und es war sein Schuss, der in der 81. Minute zum 2:1 hinter der Linie landete. Allerdings wurde der Treffer nachträglich als Eigentor von Aziz Behich gewertet.

Friseur vor Leistung

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Hätte sich Frankreich nicht noch den späten Dreier geschnappt, wäre die Stimmung bei Les Bleus wohl ähnlich wie im deutschen Lager. Die Erwartungshaltung in der Heimat ist riesig und vor allem Pogba muss dabei höchste Ansprüche erfüllen.

"Es ist lustig, denn ich bin vom weltweit größten Transfer zum am meisten kritisierten Spieler der Welt geworden", klagte Pogba und wurde prompt von seinem ehemaligen Teamkollegen Patrice Evra in Schutz genommen. "Es ist immer sein Fehler. Die Menschen reden über seine Haare oder seine Kleidung, aber selten über seinen Fußball."

Vielleicht ist Pogba deshalb - für seine Verhältnisse - mit einer eher unauffälligen Frisur nach Russland gereist. Damit seine fußballerischen Fähigkeiten wieder mehr im Mittelpunkt stehen, braucht sein Spiel mehr Dynamik, meint Schwedens Ex-Nationalspieler Henrik Larsson: "Er ist ein toller Spieler, aber ich will öfter von ihm sehen, wie er den Ball aus dem Mittelfeld nach vorne treibt."

"Ich will der Chef sein"

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Der 25-Jährige reagiert nur manchmal gelassen auf die Kritik, oft lässt er sich davon reizen. "Mir ist es nicht erlaubt, so viele Fehler zu machen wie andere", beschwerte er sich vor kurzem und meinte damit auch die vielen negativen Kommentare nach seiner dürftigen Saison bei United.

Dabei ist er es selbst, der nicht nur mit seinem Auftreten und seiner Körpersprache suggeriert, zu Höherem berufen zu sein. Er tut es auch mit eigenen Worten. Nach dem Spiel gegen Peru meinte er: "Ich will der Chef sein." Ohne Zweifel hat er das Talent dafür, aber er muss dieser Aussage auch konstant Taten folgen lassen, denn seine Kritiker werden wieder genau hingehört haben...

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