Europas Wunderkinder: Kai Havertz

Jüngster Bundesligaspieler der Vereinsgeschichte, strategische Anlagen wie Michael Ballack: UEFA.com stellt Leverkusens Senkrechtstarter Kai Havertz vor.

Kai Havertz im Einsatz für Leverkusen
Kai Havertz im Einsatz für Leverkusen ©Getty Images

Bayer Leverkusen hat in jüngster Vergangenheit nicht gerade mit hochbegabten Talenten gegeizt. Mit Kai Havertz hat man einen weiteren Youngster ins Rampenlicht befördert, der sich im Eiltempo des Prädikats "Perspektivspieler" zu entledigen scheint.

Havertz trifft bei der U17-EURO 2016
Havertz trifft bei der U17-EURO 2016

Name: Kai Havertz
Verein: Bayer Leverkusen
Debüt: 15. Oktober 2016 - Werder Bremen
Position: Mittelfeld
Nationalität: Deutscher
Geburtsdatum: 11. Juni 1999
Bevorzugter Fuß: links
Größe: 1,86 Meter

Andere sagen …
"Er ist zwar erst 17 Jahre alt, aber für uns ist er ein vollwertiger Spieler. Wir wollten schauen, wie das auf ihn wirkt, mal in einem vollen Stadion zu spielen. Es war relativ schnell sichtbar, dass ihn nicht so viel aus der Ruhe bringt. Er ist ein exzellenter Fußballer mit einer hervorragenden Technik, mit Geschwindigkeit, robustem Zweikampfverhalten und einem vernünftigen Kopfballspiel."
Leverkusen-Trainer Roger Schmidt

"Wir freuen uns darüber, dass wir mit Kai Havertz den nächsten selbst ausgebildeten Spieler langfristig an unseren Verein gebunden haben. Es unterstreicht unsere Ambition, dass wir vermehrt eigene Talente in die erste Mannschaft einbauen wollen. Wenn sich seine Entwicklung so fortsetzt, werden wir noch viel Freude an ihm haben."
Leverkusens Sportchef Rudi Völler über Havertz' Vertragsverlängerung im August 2016

Havertz in einem Bundesligaspiel gegen Köln
Havertz in einem Bundesligaspiel gegen Köln©Getty Images

Seine Geschichte …
Havertz wuchs an der niederländischen Grenze auf und spielte erstmals in Mariadorf Vereinsfußball. Alemannia Aachen erkannte 2008 sein Talent, konnte den Mittelfeldspieler aber nur zwei Jahre lang halten. Als Elfjähriger wechselte Havertz zu Bayer 04 und nur vier Jahre später debütierte er in der deutschen U16-Nationalmannschaft. 

In der Saisonvorbereitung 2016/17 durfte er mit den Profis ins Trainingslager und nutzte dabei seine Chance. Dabei gehört Havertz eigentlich noch dem jüngeren A-Jugend-Jahrgang an. Momentan spricht aber vieles dafür, dass er dieses Level einfach überspringt. Seit dem Sommer hat ihn Trainer Schmidt schon in zwölf Pflichtspielen eingesetzt, drei Mal ging es für Havertz über die volle Distanz.

Spielstil …
In eine Schublade lässt er sich dank seiner Vielseitigkeit nicht stecken. In den Nachwuchsmannschaften von Bayer glänzte Havertz als Stratege im zentralen Mittelfeld. Bei den Profis wurde er bisher vor allem auf den Außenbahnen eingesetzt, zeigte aber auch dort sein gutes Spielverständnis. Interessant wird nun sein, wie er sich intern gegen die starke Konkurrenz im Zentrum behauptet, oder ob er mittelfristig eher auf den Seiten zum Zuge kommt.

Erinnert an …
Havertz ist kein Spezialist, wie ihn Leverkusen im Mittelfeld mit Flügelflitzer Karim Bellarabi oder mit Kreativzentrale Hakan Çalhanoğlu hat. Dafür ist er ein hervorragend ausgebildeter Mittelfeldstratege, der eine Reihe an Qualitäten mitbringt, mit denen einst Michael Ballack zu einer ganz wichtigen Figur im Spiel der Werkself wurde.

Erstes Ausrufezeichen …
Es ist der Gesamteindruck mehrerer Wochen, der einen aufhorchen lässt. Mit 17 Jahren und 126 Tagen ist er der jüngste Leverkusener Bundesligaspieler aller Zeiten. Es folgten weitere gute Auftritte in der Meisterschaft und er zeigte eine beeindruckende Reife beim Bayer-Sieg im Wembley-Stadion gegen Tottenham.

Havertz jubelt über sein Tor gegen Österreich bei der U17-EURO im Mai 2016
Havertz jubelt über sein Tor gegen Österreich bei der U17-EURO im Mai 2016©Sportsfile

Gute Aussichten …
In den nächsten Monaten muss Havertz zunächst den Balanceakt zwischen Abi-Prüfungen und Profifußball hinbekommen. Zudem kehrt mit Bellarabi ein Schlüsselspieler nach Verletzung zurück. Regelmäßige Einsätze auf der rechten Außenbahn wie in den Wochen vor Weihnachten sind alles andere als selbstverständlich.

Trotzdem ist nicht davon auszugehen, dass Schmidt einen solchen Rohdiamanten nur als Lückenfüller einsetzen wird. Am Ende des Tages hat Havertz aber Zeit, viel Zeit sogar.

Bleibt er dennoch auf der Überholspur, winkt vielleicht eine Berufung in die U21-Nationalmannschaft für die EM in Polen im Sommer. Dies mag momentan noch unwahrscheinlich klingen, doch Teamkollege Benjamin Henrichs hat mit seinem kometenhaften Aufstieg bis hin zum Debüt in der A-Nationalelf ähnliches vollbracht.

Er sagt …
"Im Inneren bin ich schon etwas nervös, aber das gehört im Moment noch dazu. Das ist so, auch wenn es nicht so rüberkommt. Ich habe noch viel Potenzial nach oben. Das merke ich im Training."
Havertz nach seinen ersten Profi-Einsätzen

"Mein Vorbild ist Mesut Özil. Ich glaube, dass sich unsere Spielweisen etwas ähneln und daher versuche ich, mir viel von ihm abzuschauen und dazuzulernen."
Havertz im Interview auf dfb.de

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