Urs Fischer: Besser spät als nie

Basels Trainer Urs Fischer gab beim 1:1-Unentschieden gegen Ludogorets mit 50 Jahren sein Debüt in der UEFA Champions League: "Es war schon speziell."

Urs Fischer holte in seinem ersten Spiel in der Champions League zumindest einen Punkt
Urs Fischer holte in seinem ersten Spiel in der Champions League zumindest einen Punkt ©AFP/Getty Images

Doch, doch, er kennt den Fußball. 545 Spiele bestritt Urs Fischer in der höchsten Schweizer Spielklasse – so viele wie kein anderer sonst. Er brachte es sogar auf vier Länderspiele.

International kickte er auch, mit dem FC Zürich, seinem Stammverein. Siege im UEFA-Pokal gegen Shakhtar Donetsk und das damals übermächtig scheinende Celtic küren seine Bilanz; im Jahr 1998 war das.

Als Trainer schaffte er es zweimal in die Gruppenphase der UEFA Europa League: 2011 übertrumpfte er mit dem FCZ Standard de Liège. Und 2013 warf Fischer mit dem kleinen FC Thun den FK Partizan in den Play-offs aus dem Wettbewerb.

Dennoch haftete seiner Karriere lange ein kleiner Makel an - einer, an den Fischer selbst als Basler Meistertrainer erinnert wurde, bis zuletzt also: UEFA-Champions-League-Luft durfte er nie schnuppern.

Königsklassen-Debüt mit 50 -
Königsklassen-Debüt mit 50 -©AFP/Getty Images

2011 scheiterte er mit dem FCZ in den Play-offs am FC Bayern München; immerhin schlug er sich gegen den nachmaligen Finalisten achtbar, verlor 0:2 und 0:1. Die Gruppenphase blieb für Fischer dennoch bis ins Alter von 50 Jahren ein unerfüllter Traum.

An diesem Dienstag nun, zum Auftakt der diesjährigen Gruppenphase, durfte Fischer die Champions-League-Hymne vom Rasen auf sich wirken lassen, als Trainer, als Direktbeteiligter, als Teil der Show!

Wie es war? Vor dem Spiel wich Fischer allen Fragen zu seiner Feuertaufe in der Königsklasse aus. "Ich hatte da auch genug zu tun." Training, Pressetermine, Spielanalye – all dies stand im Vordergrund. Und für Gefühlsduselei hat er, der Bodenständige, eh nichts übrig. Diesen Eindruck vermittelt Fischer zumindest nach außen.

Und doch: Als er nach dem hart erkämpften 1:1 gegen Ludogorets Razgrad im Medienraum des Basler St. Jakob-Parks sitzt, sagt er: "Es war schon speziell."

Als er am Morgen des Spieltags aufgestanden sei, habe er gespürt, dass eine besondere Atmosphäre in der Luft liege, eine außergewöhnliche Freude. "Eine, die ich in der Form noch nie erlebt habe. Und das, obwohl ich ja nicht mehr grün hinter den Ohren bin."

Die Hymne, das Joggeli im Champions-League-Gewand, die Fans, die sportliche Herausforderung gegen einen internationalen Gegner: "Das hat man nicht alle Tage", so Fischer. 50 musste er werden, um diese Emotionen zu erleben.

Mindestenst zweimal wird er sie noch erleben; gegen Arsenal und Paris St-Germain. "Und wer sagt denn, dass wir gegen diese Gegner nicht was holen können?" Wer weiß, vielleicht wird die Beziehung zwischen Fischer und der Königsklasse gar zu einer innigen Liebe. Besser spät als nie.

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