Was bringt Jorge Sampaoli mit nach Sevilla?

Richard Martin erklärt, worauf sich Sevilla, Gewinner der UEFA Europa League, bei Jorge Sampaoli, ehemaliger Chile-Trainer, einstellen muss. Sampaoli unterschrieb einen Zweijahresvertrag, er folgt Unai Emery nach.

Jorge Sampaoli bei der WM 2014 in Brasilien
Jorge Sampaoli bei der WM 2014 in Brasilien ©AFP/Getty Images

Jorge Sampaoli, der neue Sevilla-Trainer, verlässt Südamerika, um erstmals in Europa seine Brötchen zu verdienen. Einen Namen als Trainer hat er sich in Peru, Ecuador und Chile gemacht.

Die Hoffnungen des damals 19-jährigen Argentiniers, als Spieler Karriere zu machen, wurden durch einen doppelten Beinbruch zerstört. Doch er blieb dem Fußball treu und verdingte sich als Trainer zunächst bei Amateurvereinen. Zu einer lokalen Berühmtheit wurde er durch ein Foto, als er auf einem Baum saß und seinen Spielern Anweisungen zurief. Man hatte ihm den Zugang zum Spiel verwehrt.

Nachdem er seine Trainerausbildung mit Jobs in Peru, Chile und Ecuador fortgesetzt hatte, wurde er zu Höherem berufen. Als Coach von Universidad de Chile holte er zweimal in Folge die Meisterschaft, außerdem die Copa Sudamericanam, und er erreichte das Halbfinale der Copa Libertadores. Dies schaffte er mit ansehnlichem und offensivem Fußball.

2012 war er der natürliche Kandidat auf den Posten des chilenischen Nationaltrainers, und schon bald war dort seine Handschrift zu erkennen. In der Gruppenphase der FIFA-WM 2014 wurde Spanien besiegt, später scheiterte er mit seiner Mannschaft im Achtelfinale an Brasilien - allerdings erst im Elfmeterschießen. Genau anders herum lief es bei der Copa América, als er im Elfmeterschießen im Finale in Santiago sein Heimatland Argentinien bezwang.

Nun stellt er sich einer nächsten großen Aufgabe als Nachfolger von Unai Emery, der mit Sevilla das Kunststück fertiggebracht hat, dreimal in Folge die UEFA Europa League zu gewinnen. Was kann der andalusische Klub von seinem neuen Trainer erwarten. UEFA.com verrät es Ihnen.

Angriff, Angriff, Angriff
Sampaoli wuchs in der Provinz Sante Fe auf, rund 50 Kilometer entfernt von Marcelo Bielsa, ehemaliger Trainer von Argentinien und Chile, von dem er ein bekennender Anhänger ist. "Er hat eine angriffsorientierte Herangehensweise, mit der ich mich immer identifiziert habe. Ich teile die Ideen und die Philosophie hinter dieser Spielweise", sagte er.

Marcelo Bielsa während seiner Zeit als Trainer von Marseille
Marcelo Bielsa während seiner Zeit als Trainer von Marseille©AFP/Getty Images

Sampaoli und Emery haben unterschiedliche Ansichten, denn der scheidende Coach hat oft konservativ spielen lassen, vor allen in Auswärtspartien. In der kommenden Saison wird Sevilla versuchen, jedes Spiel zu dominieren.

Enge Verbindung zum Kader
Sampaoli hat kein Interesse daran, seine Spieler herumzukommandieren, er sorgt lieber für eine angenehme Atmosphäre. In der Umkleidekabine von Chile hatten Egos keinen Platz, Sampaoli hatte engen Kontakt zu seinem Kader, besonders zu Arturo Vidal.

"Man kann nicht gegen Egos kämpfen", sagte der 56-Jährige einst. "Wenn du Messi trainierst, musst du dafür sorgen, dass Messi dich liebt, du musst ihn für dich gewinnen." Sampaoli warnt auch vor allzu komplexen Mannschaftsbesprechungen, lieber schaut er sich mit den Spielern einen Film an, um vor Spielen zu entspannen.

Taktische Flexibilität
Sampaoli gehört zu jenen Trainern, die je nach Anlass, zwischen den Formationen hin- und herwechseln. So geschehen bei Chile. Oft spielte er mit drei Verteidigern, um den Außenverteidigern mehr Freiheiten zu geben, aber auch das 4-4-2 ist ihm lieb. Aber er mag es auch, zwischen Konterspiel und langen Perioden des Ballbesitzes zu wechseln.

"Zuerst habe ich Bielsa geliebt, dann habe ich von [Josep] Guardiola Dinge übernommen", sagte er. "Ich liebe die Mischung, und ich liebe es, nicht so dogmatisch zu sein. Wenn es zehn Religionen gibt und man hat nur eine, dann fehlen einem die anderen neun."

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