Inter wie vor 45 Jahren

Das Inter Mailand von heute und das aus den 60er-Jahren, als zweimal die europäische Vereinskrone geholt wurde, unterscheiden sich gar nicht so sehr voneinander, sagt Ex-Star Sandro Mazzola.

Das Inter Mailand von heute und das aus den 60er-Jahren, als zweimal die europäische Vereinskrone geholt wurde, unterscheiden sich gar nicht so sehr voneinander, sagt Ex-Star Sandro Mazzola.

Als der FC Internazionale Milano zuletzt Vereinseuropameister wurde, da gab es noch ausschließlich Schwarz-Weiß-Fernseher. Die Technologie hat sich seitdem dramatisch entwickelt, aber glaubt man dem großen Nerazzurri-Ex-Star Sandro Mazzola, ist das Team, das damals mit ihm 1964 und 1965 den großen Pokal holte, mit dem vergleichbar, das am 22. Mai in Madrid im Endspiel der UEFA Champions League gegen den FC Bayern München antritt. Eine Ähnlichkeit, wie er gegenüber UEFA.com sagte, die schon mit den Trainern beginnt: mit Helenio Herrera und José Mourinho.

"Ich denke, dass Mourinho auf vielerlei Weise Herrera ähnelt", sagte Mazzola, der 1964 beim 3:1 von Inter gegen Real Madrid zweimal traf. "Zunächst, weil er den Ball gleich wieder ins Training zurückgebracht hat - an vielen Orten Italiens ist der Ball ein wenig vergessen worden, aber er ist das wichtigste Werkzeug, das man als Spieler braucht. Herrera machte das gleiche, als er nach Italien kam. Man trainierte nicht viel mit dem Ball, aber als er ankam, hat er sofort damit angefangen."

"Eine andere Parallele ist ihre Beziehung zu den Spielern", sagte der 67-Jährige. "Sie sagen: 'Ich bin der Trainer, ich höre dir zu, aber ich entscheide.' Und sie ähneln sich auch, was den Umgang mit der Presse beginnt. Wir reden über verschiedene Generationen, deshalb war es auch ein wenig anders, aber nicht viel. Als Herrera nach Italien kam, kannte niemand wirklich den Namen des Trainers, niemand machte sich um die Trainer Gedanken, weil sie wirklich kaum in der Presse erschienen, sie arbeiteten nur in der Umkleidekabine und auf dem Platz. Aber er hat die Dinge geändert. Mourinho ist auf seine Weise ein wenig wie er."

Eine andere Verbindung zwischen den Mannschaften von damals und heute ist der Name des Präsidenten. Angelo Morrati, Präsident von Inter zu Mazzolas Zeiten, ist der Vater des gegenwärtigen Vereinschefs Massimo Moratti. "Angelo war der erste moderne Präsident, der etwas vom Fußball verstand", sagte Mazzola. "Er führte den Verein mit eindeutigen Ideen, mit einem Auftrag. Ich denke, dass er der erste große Präsident im italienischen Fußball war."

Viele Beobachter vergleichen die Taktik, die Mourinho im Halbfinalrückspiel gegen den FC Barcelona spielen ließ, mit jenem Catenaccio, mit dem die Mannschaft von Herrera berühmt wurde. Die Nerazzurri, die nach dem Hinspiel im eigenen Stadion 3:1 führten, verloren zwar mit 0:1 gegen den Titelverteidiger, zeigten aber trotz numerischer Unterlegenheit - sie mussten eine Stunde mit einem Spieler weniger auskommen - ein Meisterstück an Defensivleistung. Der Lohn war das Erreichen des Endspiel im Santiago Bernabéu. Doch Mazzola besteht darauf, dass das siegreiche Team der 60er-Jahre nicht nur hinten gut stand, sondern entgegen allen Unkenrufen, sich meistens im Vorwärtsgang befand.

"Wenn ich höre, dass Inter Catenaccio spielt, dann muss ich sagen, dass wir sechs Spiele Catenaccio gespielt, aber in 40 Partien angegriffen haben", sagte der ehemalige italienische Nationalstürmer. "Ich erinnere mich daran, dass meine Mannschaftskollegen [Armando] Picchi und [Aristide] Guarneri, zwei Innenverteidiger, während der Spiele im San Siro 60 Minuten lang in die Zuschauerreihen versucht haben, ein Mädchen zu finden, mit dem sie am Abend ausgehen konnten, weil der Gegner nur in der eigenen Hälfte spielte. Aber wenn wir auswärts antraten, haben wir uns sehr sicher gefühlt und standen mehr hinten."

"La Grande Inter" schlug in zwei aufeinaderfolgenden Finals Madrid und SL Benfica, wobei Mazzola gern an "großartige Spieler" wie Alfredo di Stéfano und Eusébio denkt. An die anschließenden Feierlichkeiten erinnert er sich noch immer voller Freude. "Fantastisch - überall Autos, das war sehr schön, weil es wohl das erste Mal war, das so gefeiert wurde. Es war das erste Mal, dass die Leute zum Flughafen kamen, in Bereiche, wo es eigentlich nicht erlaubt war - einfach nur fantastisch."

Seitdem sind 45 Jahre vergangen. Mazzola, der auch 1967 bei der 1:2-Finalniederlage gegen Celtic FC traf und der 1972 beim 0:2 gegen den AFC Ajax dabei war, glaubt, dass Inter nun reif ist für einen weiteren Triumph im wichtigsten Vereinswettbewerb Europas. "Inter war nah dran an Halbfinals oder gar Endspielen, doch jetzt, nach 45 Jahren, scheint es lange her zu sein. Aber ich habe es erlebt, deshalb ist es für mich näher. Aber die Zahl 45, eine vier und eine fünf - das macht zusammen neun - , und neun ist, wenigstens für mich, eine Glückszahl, deshalb könnte es ein gutes Jahr werden."

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