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Champions League Performance Insights: Wie sich der taktische Ansatz der Finalisten auszahlte

Anhand der Einschätzungen der Technischen Beobachter der UEFA, Rui Faria und Ange Postecoglou, analysiert die UEFA-Abteilung für Leistungsanalyse, wie sich Arsenal und Paris Saint-Germain den Einzug ins Champions-League-Finale gesichert haben.

Luis Enrique und Mikel Arteta stehen sich im Finale gegenüber
Luis Enrique und Mikel Arteta stehen sich im Finale gegenüber AFP via Getty Images

Was braucht es, um das Finale der UEFA Champions League zu erreichen? Die Faktoren können vielfältig sein, aber dazu gehören auf jeden Fall individuelle Glanzleistungen, hervorragende Teamarbeit und das Glück, bei den entscheidenden Kleinigkeiten auf der richtigen Seite zu stehen.

Im Falle von Arsenal und Paris Saint-Germain kommt noch etwas hinzu – nämlich die beeindruckende und erfolgreiche Umsetzung eines taktischen Plans in den jeweiligen Halbfinal-Rückspielen der vergangenen Woche.

Mit ihrer Herangehensweise reagierten beide Teams auf eine besondere Herausforderung, die sich im Hinspiel ergeben hatte – nämlich den organisierten Block von Atlético Madrid bzw. die Gefahr durch die Flügelspieler der Bayern. Arsenals Antwort waren Läufe in den Rücken der Abwehr, während Paris auf eine kollektive Defensivleistung setzte, auf die wir im Folgenden mit Unterstützung der Technischen Beobachter der UEFA, Rui Faria und Ange Postecoglou, näher eingehen werden.

Arsenals Läufe hinter die Kette

"Sie wollen das Spiel vor sich haben", sagte der Technische Beobachter der UEFA, Edin Terzić, bei der Analyse der Spielweise von Atlético im Hinspiel. Arsenal reagierte am vergangenen Dienstag darauf, indem man darauf achtete, dass man jeden freien Raum hinter dem Block von Atlético mit Vorstößen in den Rücken der Abwehr ausnutzte, um die Abwehrreihe vor Probleme zu stellen.

Wie die obige Grafik zeigt, gab es im Hinspiel insgesamt 35 Läufe hinter die Abwehr von Arsenal-Spielern, im Rückspiel waren es 63. Allein Stürmer Viktor Gyökeres absolvierte 29 davon – und legte dabei insgesamt 722 Meter in Sprints zurück.

Ein großer Teil der Torchancen von Arsenal beim 1:0-Sieg ergab sich aus Läufen hinter die Abwehr – 1,3 ihres gesamten xG-Werts von 1,6.

Tactical Insights: Arsenals Läufe hinter die Kette

Das Video oben zeigt eine Reihe von Beispielen: Im ersten sind Ben White, Bukayo Saka und Eberechi Eze zu sehen, im zweiten wird verdeutlicht, wie sich Saka mit einer cleveren Bewegung hinter Matteo Ruggeri schiebt.

Faria stellte fest: "Läufe hinter die Kette gehören zu den wichtigsten Spielzügen im Fußball, da sie es einem Team ermöglichen, die gegnerische Abwehrreihe auseinanderzuziehen, Räume zwischen den Linien zu schaffen und Ballbesitz in Torchancen umzuwandeln."

Der Rest des Videos konzentriert sich auf Gyökeres, dessen Laufwege nach Farias Ansicht dazu beitrugen, dass Atleti zeitweise davon abgehalten wurde, aggressiv zu pressen.

"Anstatt darüber nachzudenken, nach vorne zu rücken, um den Raum zu verengen und das Pressing zu unterstützen, konzentrieren sich die Verteidiger von Atlético darauf, den Raum hinter sich zu sichern und ihr eigenes Tor zu verteidigen", erklärte er.

"Seine Einsatzbereitschaft und sein Beitrag für das Team sind einfach unglaublich", sagte Arsenal-Trainer Mikel Arteta, und wie der letzte Clip zeigt, war es ein Lauf des Schweden hinter die Abwehr, der zu Sakas Siegtreffer führte. "Diese Gefahr zwingt die Abwehr von Atlético dazu, sich zurückzuziehen und näher am eigenen Tor zu verteidigen", fügte Faria hinzu, und Arsenal bestrafte sie dafür.

Paris macht das Zentrum dicht

Um den Fokus auf das Rückspiel zwischen Bayern und Paris zu lenken, hob Ange Postecoglou die defensive Leistung der Gäste hervor, mit der sie die Flügelspieler Michael Olise und Luis Díaz teilweise aus dem Spiel nehmen konnten, nachdem diese im Hinspiel geglänzt hatten. Für Postecoglou war der entscheidende Faktor die Art und Weise, wie die Paris-Spieler die zentralen Bereiche auf dem Platz verteidigten.

Tactical Insights: Paris macht das Zentrum dicht

Postecoglou erklärte: "Wenn man sich Bayern ansieht, entstehen viele ihrer Tore aus Eins-gegen-Eins-Situationen, in denen ihre Flügelspieler entweder nach innen ziehen, quer in den Strafraum passen oder direkt flanken. Dazu hatten sie nie die Gelegenheit, weil Paris diese Räume konsequent dichtgemacht hat."

Er beschrieb es so, dass sich die Franzosen "in den zentralen Bereich zurückzogen", und dies wird im obigen Video deutlich veranschaulicht.

Paris zog sich mit vielen Spielern weit zurück und hatte im Strafraum stets eine numerische Überlegenheit. Das Team verteidigte sehr clever, was das Beispiel von Willian Pacho in Clip drei verdeutlicht: Man beachte, wie er seinen Teamkollegen Nuno Mendes dazu anhält, Olise nach außen zu drängen, anstatt ihn nach innen auf seinen starken Fuß zu lassen. Wenn der Ball dann doch hereinkommt, ist Paris mit zahlreichen Spielern im Strafraum bereit. "Sie haben jedes mögliche Szenario abgedeckt", fügte Postecoglou hinzu.

"Paris hat Flanken unglaublich gut verteidigt. Sie haben die zweiten Bälle immer sehr gut geklärt. Sie waren einfach sehr aktiv, und obwohl wir uns in gefährliche Situationen gebracht haben, haben sie dennoch dafür gesorgt, dass wir den entscheidenden Schuss vielleicht nicht abgeben konnten."

Vincent Kompany, Trainer Bayern

Das letzte Video unten zeigt, wie Paris in einer tiefen Abwehrreihe verteidigt – und den Bayern keine Schussmöglichkeiten lässt. "Normalerweise sind die Bayern hier besonders stark", sagte Postecoglou, "aber diesmal gelang es ihnen einfach nicht, da die Disziplin von PSG dies nicht zuließ."

Tactical Insights: Spielmanagement in Umschaltsituationen

Der letzte Punkt, den Postecoglou anspricht und der auch in diesem Video zu sehen ist, betrifft das Spielmanagement von Paris, wenn sich Konterchancen ergaben. "Sie haben stets darauf geachtet, dass hinter dem Ball genügend Spieler standen“, sagte er. „Angesichts der Situation in diesem Spiel zeigten sie eine wirklich starke defensive Struktur und Mentalität, ohne dabei ihre Fähigkeit zu vernachlässigen, den Gegner im Umschaltspiel zu gefährden."

Aus Sicht der Trainer: Der Star ist das Kollektiv

Paris-Trainer Luis Enrique lobte die hervorragende Defensivleistung seiner Elf im Rückspiel in München, und für Ange Postecoglou war diese Leistung ein Paradebeispiel dafür, wie talentierte Einzelspieler, die sich voll und ganz dem Teamgeist verschreiben, die Mannschaft stärken können. "Wir haben gesehen, wie sich die Mannschaft an diesem Tag geschlossen auf das konzentriert hat, worauf es ankam" sagte Postecoglou.

Nach dem spannenden 5:4-Sieg im Hinspiel zeigte sich nun eine ganz andere Seite von Paris – "eine Seite des Spiels, die sie bisher vielleicht noch nicht zeigen mussten", wie Postecoglou über ein Team sagte, das – für seine Verhältnisse höchst ungewöhnlich – gegen Bayern nur 34 % Ballbesitz hatte.

"Man hatte wirklich kreative Offensivspieler, die verstanden haben, dass die defensiven Grundsätze in dieser Partie besonders wichtig waren, und sie haben sich strikt daran gehalten und waren absolut diszipliniert. Ich denke, das ist der wichtigste Punkt beim Training: Es gibt dieses kollektive Verständnis, dass es gerade in einem Spiel wie diesem, in dem man respektieren muss, was der Gegner mitbringt, keine Rolle spielt, wer man ist oder welche Position man spielt – es wird Momente geben, in denen wir alle verteidigen und die defensiven Grundsätze umsetzen müssen."

"Wenn man diese Unterstützung der Mannschaft hat, ist es wirklich schwer, gegen ein Team wie PSG in Fahrt zu kommen. Diese kollektive Einstellung war entscheidend dafür, dass sie Bayern besiegen konnten."