Teufelskerl im Tor
Dienstag, 20. September 2005
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Nach seinen Gala-Vorstellungen in Champions League und Meisterschaft spricht ganz Belgien derzeit von Brügges jungem Ersatztorhüter Stijn Stijnen.
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Druck auf Butina
Sollte der 24-jährige Stijnen jedoch am Mittwochabend beim eminent wichtigen Ligaspiel bei R. Standard de Liège ähnlich glänzen können, wie bei seinen letzten beiden Auftritten, könnte der kroatische Nationaltorhüter Butina noch andere Sorgen bekommen als die Lungenentzündung, die seinem Ersatzmann überhaupt erst den Sprung zwischen die Pfosten ermöglich hatte.
Keine Erfahrung
Vor der 1:2-Niederlage am letzten Mittwoch in der UEFA Champions League gegen Juventus FC, brachte es Stijnen, der im Juni 2000 vom SC Hasselt nach Brügge gekommen war, auf gerade mal zwölf Einsätze in der ersten Mannschaft von Club Brugge. Doch kaum war der Anpfiff gegen Juve ertönt, sorgte er für ehrfurchtsvolles Staunen auf der Tribüne.
Immer wieder Stijnen
Juventus zielte 25 Mal auf das Tor der Belgier, traf davon zwölf Mal, bejubelte aber, vor allem dank des überragenden Keepers, nur die Tore von Pavel Nedvěd und David Trezeguet. "Stijnen hat im Tor von Brügge wahre Wunder vollbracht", staunte Juventus-Trainer Fabio Capello nach der Partie. "Er hat eine phänomenale Leistung gezeigt."
Ibrahimovic verzweifelt
Vor allem den schwedischen Nationalspieler Zlatan Ibrahimovic brachte der junge Belgier ein ums andere Mal zur Verzweiflung. "Ich hätte einen Hattrick erzielen können, hätte ich das Glück auf meiner Seite gehabt", erzählte er gegen uefa.com. "Der Grund dafür, dass das nicht geklappt hat, war dass dieser Torhüter richtig gut gespielt hat und zudem auch noch das Glück gepachtet zu haben schien."
"Irgendwie war er wieder da"
Seine wohl spektakulärste Parade zeigte Stijnen, nachdem Ibrahimovic ihn an der Strafraumkante schon ausgespielt zu haben schien. Doch die bisherige Nummer zwei des belgischen Meisters setzte nochmals nach und fischte Juves Torjäger den Ball in letzter Sekunde noch vom Fuß. Ibrahimovic grübelte: "Meine beste Chance an diesem Abend war dieser Schuss in Richtung kurzer Pfosten, aber irgendwie war er plötzlich wieder da und hat ihn pariert."
Nicht nervös
"Ich muss mich wirklich über nichts ärgern", meinte Stijnen nach dem Spiel. "Die Leute haben mir nicht geglaubt, als ich sagte, dass ich nicht nervös gewesen sei. Ehrlich, ich brauche mich über das Resultat nicht zu grämen, ich hatte das Glück, das man für ein gutes Spiel braucht. An den Toren konnte ich rein gar nichts machen."
Ceulemans zufrieden
Ceulemans stimmte dem zu: "Dank Stijnen haben wir bis in die zweite Halbzeit ein 0:0 gerettet. Danach wurden wir von Minute zu Minute stärker." Der Trainer war jedenfalls so zufrieden, dass er seinen jungen Torhüter auch im Spiel gegen Beveren zwischen die Pfosten ließ und Stijnen dankte es ihm mit einer weiteren grandiosen Vorstellung.
Echter Härtetest
Einen echten Härtetest muss Brügges neuer Hoffnungsträger nun allerdings bei Tabellenführer Standard Lüttich bestehen, das einen Punkt vor dem noch ungeschlagenen Brügge rangiert. Angesichts der verheerenden Verletzungsmisere bei Club Brugge prophezeien viele Experten einen klaren Standard-Sieg. Doch Stijnen könnte da etwas dagegen haben.