Liverpool will wieder Beton anrühren
Mittwoch, 27. April 2005
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Die starke Defensivleistung von Liverpool FC in Turin sollte für Chelsea FC eine Warnung sein.
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Von Matthew Spiro
Über viele Jahre waren die italienischen Klubs die Meister in der Verteidigung eines kleinen Vorsprungs. Doch als Liverpool FC beim Viertelfinalrückspiel gegen Juventus FC in Turin ein torloses Remis erreichte, war dies zugleich eine Warnung an Chelsea FC.
Große Leistung
Bisher hat die Mannschaft von Rafael Benítez alle drei bisherigen Saisonspiele gegen Chelsea verloren. Deshalb ist es jetzt für die Reds eine große Herausforderung, in der Heimat von Mourinhos Mannschaft, an der Stamford Bridge, zu bestehen. Ihre große Leistung im Stadio delle Alpi hat gezeigt, dass sie durchaus in der Lage sind, eine stärkere Elf zur Verzweiflung zu bringen.
Zuversichtliches Juventus
Nachdem Juventus schon im Achtelfinalrückspiel einen 0:1-Rückstand gegen Real Madrid CF umdrehen konnte, waren die Italiener voller Zuversicht, dieses Kunststück auch im Viertelfinale zu schaffen. Zuvor hatte die Alte Dame an der Anfield Road mit 1:2 verloren. Doch Liverpool war perfekt vorbereitet und bestach mit einer hervorragenden Defensivleistung. Deshalb blieb Juve nichts anderes übrig, als mit weiten Bällen zu agieren.
Lob von Capello
In anderen Teilen Europas wäre Liverpool für diese defensive Ausrichtung vom Gegner kritisiert worden, aber nicht so in Italien. Juventus-Trainer Fabio Capello, selbst ein gewiefter Taktiker, war der erste Gratulant. "Man muss Benítez gratulieren", sagte Capello. "Er hat seine Mannschaft auf ein Unentschieden vorbereitet, und die Spieler haben es auch erreicht."
Umstellungen in der Abwehr
Liverpool hatte unter Benítez immer mit einer Viererkette gespielt. Doch für die Partie in Turin stellte der Trainer, der mit Valencia CF in der letzten Saison den UEFA-Pokal gewinnen konnte, das System um. Djimi Traore rückte an die Seite von Sami Hyypiä und Jamie Carragher ins Abwehrzentrum, während John Arne Riise und Stephen Finnan auf den Außenpositionen verteidigten. "Wir haben uns sehr hart auf diese Begegnung vorbereitet und sind dafür belohnt worden", meinte ein glücklicher Benítez.
Harte Arbeit
Liverpools defensive Mittelfeldspieler Xabi Alonso und Igor Bišcan arbeiteten unermüdlich daran, Pavel Nedved und Alessandro Del Piero von der eigenen Abwehr fern zu halten. Flügelspieler Mauro Camoranesi war gegen Riise und Traore meist auf verlorenem Posten.
Frustrierter Ibrahimovic
Wenn alles nichts nützen sollte, hat Juventus mit Zlatan Ibrahimovic noch eine Geheimwaffe. Der schwedische Stürmer ist immer für ein Tor gut. Doch jedes Mal, wenn er sich gegen einen Abwehrspieler durchgesetzt hatte, stellte sich ihm bereits der nächste in den Weg.
Große Chance
In der elften Minute konnte sich der frühere AFC Ajax-Angreifer einmal entscheidend durchsetzen, doch dann strich sein Schuss über die Latte. "Wenn Zlatan diese Chance genutzt hätte, wäre es ein ganz anderes Spiel geworden", sagte Capello. Danach konnten sich die Bianconeri keine einzige weitere Möglichkeit aus dem Spiel heraus erarbeiten. Ibrahimovic verarbeitete seine ganze Frustration vier Tage später mit einem Dreierpack gegen US Lecce.
"Das hat uns genervt"
Laut Juventus-Torhüter Gianluigi Buffon war der unerbittliche Einsatz von Liverpool der Grund, warum die Italiener nicht ihr gewohntes Spiel aufziehen konnten. "Es war von Beginn an nicht leicht", so Buffon. "Sie haben sehr gut verteidigt, und das hat uns genervt. Deshalb haben wir angefangen, lange Bälle zu schlagen. Doch das war zu leicht für sie, denn sie sind sehr kopfballstark." Der routinierte Angreifer Alessandro Del Piero fügte frustriert hinzu: "Liverpool ist absolut kein Risiko eingegangen."
Taktisch geprägt
"Die Partie war total von der Taktik geprägt", sagte Riise nach dem Spiel. "Nachher habe ich gedacht, dass es doch nicht so hart war wie wir vorher angenommen haben. Der Grund dafür war unsere tolle Organisation." Wenn Liverpool in London noch einmal Beton anrühren kann, scheint eine Reise nach Istanbul durchaus in Reichweite.