Schaafs neue Taktik
Freitag, 8. Oktober 2004
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Eine offensive Aufstellung half Bremen am zweiten Spieltag, Valencia CF zu schlagen.
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Von Alois Urban
Werder Bremens Trainer Thomas Schaaf setzte im UEFA Champions League-Spiel in der Gruppe G gegen Valencia CF auf eine offensive Formation und wurde mit einem 2:1-Sieg über den spanischen Meister belohnt.
System-Änderung
Letzte Saison dominierte Bremen die Bundesliga mit einem 4-4-2-System, als sowohl der Meistertitel als auch der DFB-Pokal geholt wurden. Nach der 0:2-Niederlage beim FC Internazionale am ersten Spieltag der neuen Champions League-Saison änderte Schaaf jedoch seine taktische Ausrichtung aus der erfolgreichen Vorsaison und bot daheim gegen Valencia ein 4-3-3-System auf.
Wechsel zahlt sich aus
Dieser Dreier-Sturm, besetzt mit Miroslav Klose, Nelson Valdez und Ivan Klasnic, wurde nach dem Platzverweis für Valencias Carlos Marchena aus der 55. Minute um einen vierten Mann erweitert, nachdem Schaaf für Verteidiger Christian Schulz den griechischen Nationalspieler Angelos Charisteas in die Partie brachte.
Riskantes Unterfangen
Es war ein riskanter Versuch, gegen ein Team, das bis zu diesem Zeitpunkt in der Saison noch ungeschlagen war. Aufgrund des Gegentors nach nur zwei Minuten hatte Schaaf keine andere Wahl, als sein Heil in der Offensive zu suchen. Valencia zog sich mehr und mehr zurück und mit den Treffern von Klose und Charisteas aus der 60. und 84. Minute holte sich Bremen die drei Punkte.
Angriffsstark
"Wir wussten um Valencias Offensiv-Stärken und deshalb wollten wir sie soweit wie möglich von unserem Tor weg halten", erklärte Schaaf nach dem Sieg im heimischen Weserstadion seine Taktik.
"Die wesentliche Idee war, sie hinten zu beschäftigen und sie nicht zu ihrem gewohnten Offensiv-Spiel kommen zu lassen."
Kalt erwischt
Das frühe Gegentor nach zwei Minuten war kein idealer Start für Bremen und es brauchte seine Zeit, ehe man sich davon erholte. In der zweiten Hälfte jedoch bestimmten sie dann das Spiel. Klose beschäftigte Amadeo Carboni auf der rechten Seite, während Klasnic und Valdez ebenfalls Druck ausübten.
Abwehr stand
Trotz alledem stand Valencias Abwehr zunächst kompakt und erst eine deutliche Tempoverschärfung durch den Deutschen Meister in der zweiten Hälfte machte die Wende gegen das Team von Claudio Ranieri möglich. Während die Bremer alles gaben, konnten 36.000 Fans im Weserstadion sehen, wie der spanische Meister zunehmend ins Wanken geriet.
Rote Karte
Marchenas Platzverweis und die Einwechslung von Charisteas ließen Valencia weiter auseinander fallen. Innerhalb von fünf Minuten nach der Roten Karte erzielte Klose den Ausgleich. "Wir haben den Fehler begangen, bis zur Pause auf unsere Chancen zu warten und als wir in Unterzahl in Rückstand gerieten, war es schwer, zurück zu kommen" gab Ranieri zu.
Kein Bedauern
Schaaf hat keinen Grund, etwas zu betrauern. Während viele möglicherweise behaupten, dass seine taktische Änderung auf den frühen Gegentreffer zurückzuführen sei, hat seine auf totale Offensive ausgerichtete Formation am Ende den Ausschlag für den Bremer Erfolg gegeben.
Lebenswichtiger Sieg
Hätte Bremen daheim verloren, wäre es die zweite Niederlage in Folge gewesen und in einer Gruppe, in der neben Inter auch noch der RSC Anderlecht vertreten ist, hätte dies durchaus das Ende der Hoffnungen auf ein Weiterkommen sein können. So kann Bremen nun am dritten Spieltag gegen die Belgier einen großen Schritt in Richtung Achtelfinale machen.
Alles oder nichts
"Wenn du in der Champions League irgendetwas erreichen willst, musst du deine Heimspiele gewinnen", sagt Klasnic.
"Dafür musst du bereit sein, Risiken in Kauf zu nehmen." Das ist eine Meinung, der sein Trainer zweifelsfrei zustimmen würde.