Wie die Champions-League-Vereine den Menschen während COVID-19 geholfen haben

Trotz Wiederaufnahme des Spielbetriebs im weltweit wichtigsten Klubwettbewerb darf etwas nicht in Vergessenheit geraten: die fantastische Arbeit, die viele Mannschaften auf dem Höhepunkt der Corona-Krise geleistet haben – und die zu einem großen Teil bis heute andauert.

Von Atalanta Bergamo bis Real Madrid brachten alle zwölf in der UEFA Champions League verbliebenen Vereine unzählige Initiativen auf den Weg, um die Fans und Menschen während der langen fußballlosen Zeit zu unterstützen.

Die Aktivitäten umfassten Spendenaufrufe zum Kauf lebensrettender medizinischer Ausrüstung, die Zustellung von Lebensmitteln für ältere und gefährdete Menschen oder die dank der großen Popularität des Fußballs mögliche Verbreitung wichtiger Botschaften zum Schutz der Gesundheit.

„Der Fußball hat wirklich die Fähigkeit, Gutes zu bewirken“, sagt UEFA-Präsident Aleksander Čeferin. „Diese Beispiele verdeutlichen das.“

Atalanta Bergamo

Atalanta und die RadiciGroup, ein Unternehmen aus Bergamo, unterstützten zusammen den von der Associazione Nazionale Alpini, dem Reservistenverband der italienischen Gebirgsjäger, angestoßenen Aufbau eines provisorischen Feldlazaretts. In einer der anfangs am härtesten betroffenen Regionen Europas finanzierten der Fußballklub und das Chemieunternehmen den Kauf der Beatmungsgeräte für 200 Betten mit, die als Reaktion auf die COVID-19-Krise eingerichtet wurden.

Das Feldlazarett entlastete die überforderten örtlichen Krankenhäuser. Eines von ihnen, das Bolognini-Krankenhaus in Seriate bei Bergamo, wurde mit einem mobilen hochauflösenden Computertomografen ausgestattet, der teilweise von Atalanta Bergamo gestiftet wurde. Das Gerät ermöglichte diagnostische Untersuchungen an Patienten mit Atemproblemen, die möglicherweise auf das Coronavirus zurückzuführen waren. Spieler und Vereinsoffizielle spendeten zudem direkt an das Krankenhaus Papa Giovanni XXIII in Bergamo.

Atlético Madrid

Der Champions-League-Finalist der Jahre 2014 und 2016 organisierte virtuelle Pressekonferenzen für Fans und Medien. Diese konnten den Spielern von zu Hause aus Fragen stellen und mit ihnen sprechen. Der Klub wollte seinen Followern auf Social Media und den Medien so ermöglichen, den Kontakt zu den Spielern aufrechtzuerhalten.

„Wir haben alle drei oder vier Tage ein neues Video gepostet“, erklärte Atlético. „Bei den Fans und Journalisten kam das gut an. Wir boten den Fans die Möglichkeit, sich mit den Spielern auszutauschen, was unter normalen Umständen eher schwierig ist.“

Es hat definitiv dazu beigetragen, die menschliche Seite der Spieler zu zeigen – etwas, was die Fans und Medien selten zu sehen bekommen. „Die Spieler haben viele Dinge – einige von sich aus – unternommen, um anderen Menschen zu helfen“, so der Verein weiter. „Unsere Fans sind einer unserer größten Trümpfe, und die Spieler haben sich sehr gefreut, Zeit mit ihnen zu verbringen.“

Abgesehen von diesen neuen Erkenntnissen nutzte Atlético seine Plattform dazu, auf dem Höhepunkt der Pandemie Botschaften zum Schutz der Gesundheit zu verbreiten und „die Menschen daran zu erinnern, wie wichtig es ist, zu Hause zu bleiben und jene Menschen zu unterstützen, die das Virus bekämpfen.“

FC Barcelona

Der FC Barcelona stellte der katalanischen Regierung seine Einrichtungen für den Fall zur Verfügung, dass zusätzlicher Raum benötigt werden sollte, um die Zahl der COVID-19-Patienten zu bewältigen. Über die Barça-Stiftung spendete der Verein außerdem 30 000 Gesichtsmasken an die Gesundheitsabteilung der Generalitat de Catalunya.

Von den Spielern des Klubs spendete Mannschaftskapitän Lionel Messi eine Million Euro, um die Bemühungen zur Behandlung und Eindämmung des Virus in Barcelona und seinem Heimatland Argentinien zu unterstützen. Auch der ehemalige Spieler und Trainer Pep Guardiola bedachte eines der Krankenhäuser der Stadt mit einer Spende.

Darüber hinaus trat der Verein die Titelrechte am Camp Nou für die Saison 2020/21 an die Barça-Stiftung ab, um Geld zu sammeln, das in Forschungsprojekte zur Bekämpfung der Auswirkungen von COVID-19 investiert werden soll.

FC Bayern München

Die Champions-League-Vereine sagen Danke
Die Champions-League-Vereine sagen Danke

Gemeinsam mit den anderen drei Bundesligisten, welche die Saison 2019/20 in der UEFA Champions League in Angriff genommen haben – Borussia Dortmund, RB Leipzig und Bayer 04 Leverkusen –, beteiligte sich der FC Bayern an einem Solidaritätsfonds in Höhe von 20 Mio. Euro zugunsten von Vereinen der Bundesliga und der 2. Bundesliga, die mit den wirtschaftlichen Folgen der Fußball-Zwangspause zu kämpfen haben.

Die vier Vereine verzichten auf Anteile im Wert von rund 12,5 Mio. Euro aus nicht ausgeschütteten nationalen Medieneinnahmen der DFL für die Saison 2020/21 und schossen selber 7,5 Mio. Euro aus eigenen Mitteln in den Fonds ein. „Diese Kampagne unterstreicht, dass Solidarität in der Bundesliga und der 2. Bundesliga kein Lippenbekenntnis ist“, sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert.

Sobald es für die Fans endlich wieder sicher ist, in die Fußballstadien zurückzukehren, wollen Bayern, Inter Mailand und Real Madrid den „Europäischen Solidaritäts Cup – Fußball für Helden“ ausrichten. Dieses Turnier im Gruppenmodus, bei dem in der Stadt jedes Vereins ein Spiel ausgetragen wird, soll zusätzliche Mittel für die Anschaffung neuer medizinischer Infrastruktur generieren.

Im Rahmen einer eigenen Initiative wird der FC Bayern 5 000 Krankenpflegende und Ärzte in die heimische Arena zum Spiel gegen Real Madrid einladen. „Insbesondere Krankenpflegende und Ärzte leisten in dieser Zeit Herausragendes für die Gesellschaft“, sagte Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender und CEO des FC Bayern. „Dem wollen wir Rechnung tragen, deshalb heißt es ja auch ‚Fußball für Helden‘.“

FC Chelsea

Neben zahlreichen gemeinschaftsorientierten Maßnahmen stellte Chelsea dem medizinischen Personal, das in den Krankenhäusern im Westen Londons arbeitet, sein an das Stamford-Bridge-Stadion angrenzende Hotel (inkl. Parkplatz) zur kostenlosen Nutzung zur Verfügung. Mehrere ehemalige und aktuelle Spieler nahmen an Videoschaltungen mit älteren und gefährdeten Blues-Fans teil, so auch Trainer Frank Lampard, der sich online mit einem Arzt des National Health Service unterhielt.

Spenden flossen unter anderem in die Unterstützung von Bedürftigen, Jugendklubs und Wohltätigkeitsorganisationen gegen häusliche Gewalt. Die Frauenmannschaft des FC Chelsea spendete ihr Preisgeld für den Gewinn des Meistertitels dem Kampf gegen häusliche Gewalt. Jung und Alt profitierten gleichermaßen von Online-Lernmitteln, Übungspaketen und IT-Support. Antonio Rüdiger wiederum zahlte im Berliner Krankenhaus, in dem er geboren wurde, drei Monate lang die Verpflegung der Krankenpflegenden; zudem finanzierte er 60 000 Gesichtsmasken für Sierra Leone.

Juventus Turin

AFP via Getty Images

Italiens Rekordmeister reagierte schnell auf den Ausbruch von COVID-19, zumal der Verein in einer der ersten schwer betroffenen Regionen Europas angesiedelt ist. Der Klub spendete alle Nahrungsmittel, die für das Catering beim verschobenen Pokalhalbfinale gegen den AC Mailand vorgesehen waren, an die Bedürftigsten.

Nur wenige Tage später startete Juventus die Spendenaktion #DistantiMaUniti (Entfernt, aber vereint). Diese sollte zum einen der Region Piemont dabei helfen, medizinische Geräte zu beschaffen, und zum anderen das Gesundheitswesen und das medizinische Personal unterstützen.

Die erste Spende in Höhe von 300 000 Euro stammte vom Verein und seinen Spielern und beinhaltete den Wunsch, eine starke Sensibilisierungsbotschaft auszusenden. Die gesammelten Gelder flossen in die Corona-Nothilfe für die Region Piemont.

RB Leipzig

Die Spieler und der Verein gehörten zur Gruppe von Bundesligisten, die den Solidaritätsfonds in Deutschland ins Leben riefen (siehe Eintrag zum FC Bayern oben), und unterstützten auch die #WirAlle-Kampagne. Diese Kampagne sollte die Leipziger Fans auf dem Laufenden halten, sie aktiv unterstützen und ihnen verschiedene Formen der Unterhaltung bieten. Der Verein spendete zudem an soziale Einrichtungen in seiner Umgebung, und die Spieler verschenkten signierte Ausrüstungsgegenstände.

Manchester City

Da weder Fußballspiele noch Trainings stattfanden, gestaltete Manchester City seinen Campus (Stadion, Trainingsgelände) so um, dass er von den lokalen Gesundheitsbehörden genutzt werden konnte. Das Stadion selbst wurde in eine Ausbildungsstätte für 350 Krankenpflegende verwandelt, zudem bot es verschiedene Dienstleistungen für das Gesundheitspersonal an, darunter Ruhe- und Entspannungsräume sowie ein Fitnessstudio.

Die Parkplätze des Vereins dienten als Drive-Through-Coronavirus-Testgelände. Die Spieler machten Videoschaltungen mit den Fans, teilten ihre Lieblingsrezepte auf Social Media und spendeten signierte Fußballschuhe, um Geld für das Gesundheitswesen zu sammeln. Darüber hinaus schloss sich Manchester City mit dem Stadtrivalen Manchester United zusammen und spendete einen namhaften Geldbetrag an die städtische Lebensmittelausgabe.

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Omar Berrada, Chief Operating Officer von Manchester City, sagte: „Von Beginn der Pandemie an bestand kein Zweifel daran, dass wir helfen würden. Wir wollten aber zuerst ausloten, wo und wie wir dies am effektivsten tun können, um unsere städtischen Dienste, unsere Fans und die breitere Öffentlichkeit in Manchester am besten zu unterstützen.“

SSC Neapel

Im Bestreben, den Kontakt zu den Fans zu wahren und sie bei Laune zu halten, startete die süditalienische Mannschaft ein eigenes Heimtrainingsprogramm: den SSC Napoli Home Workout. Im Rahmen von sechs Video-Lektionen zum Thema Heimfitness halfen Bruno Dominici, Dino Tenderini, Massimo Innocenti und Marco Sangermani den Fans, sich in den eigenen vier Wänden fit zu halten. Die Trainingseinheiten hatten drei Schwierigkeitsgrade – Anfänger, Fortgeschrittene, Experten – und waren kostenlos zugänglich.

Olympique Lyon

Über seine Stiftung stellte Olympique Lyon insgesamt 300 000 Euro bereit: Ein Drittel der Spende war für die Finanzierung von zwei klinischen Forschungsprojekten bestimmt, die von medizinischen Forscherteams des städtischen Universitätsklinikums (Hospices Civils de Lyon) durchgeführt wurden; zwei Drittel wurden für die Notfallbedürfnisse der lokalen Bevölkerung verwendet, d.h. für Krankenhausausstattung und Verbrauchsmaterialien sowie für die Unterstützung der Bedürftigsten.

Der siebenmalige französische Meister kündigte daraufhin die Gründung des Solidaritätsfonds „sOLidaire“ an, der Spenden für den Kampf gegen das Coronavirus sammelt. Dank mehrerer Fangruppen, Sponsoren, Profispieler und 500 Personen aus der Bevölkerung konnten mehr als 166 000 Euro gesammelt werden.

Paris Saint-Germain

Paris Saint-Germain sammelte mehr als 250 000 Euro für das städtische Gesundheitswesen, indem der Verein ein Trikot in limitierter Auflage mit der Aufschrift „Tous Unis“ (Alle zusammen) anstelle des Vereinssponsors sowie Abzeichen zur Unterstützung der Sanitäter herausgab. „Wir können nicht dankbar genug sein für den enormen und mutigen Einsatz, den das Gesundheitspersonal jeden Tag leistet, um diese Notfallsituation zu bewältigen“, sagte der Vorstandsvorsitzende und CEO von PSG, Nasser Al-Khelaïfi.

Über die PSG-Stiftung erhielten verschiedene Verbände und Organisationen 260 000 Gesichtsmasken und Schutzbrillen, um ihre Teams und die von ihnen betreuten Menschen zu schützen.

PSG lieferte 25 000 frische, hausgemachte Mahlzeiten an die Universitätskliniken des Großraums Paris und die Hilfsorganisation „Aktion gegen den Hunger“; zubereitet wurden diese Mahlzeiten in Imbisswagen auf den Parkplätzen des Parc des Princes. Die gesamten Einrichtungen des Vereins, wie der Parc des Princes und seine Wagenflotte, wurden den Universitätskliniken des Großraums Paris und Partnerorganisationen zur Verfügung gestellt.

Real Madrid

Zusammen mit dem Nationalen Sportrat (CSD) startete Real Madrid ein Projekt zum Aufbau eines Zentrums für die medizinische Versorgung im Estadio Santiago Bernabéu.

Die Real-Madrid-Stiftung machte außerdem einen Spendenaufruf, dessen Erlöse für wichtige medizinische Geräte zur Behandlung von Patienten mit COVID-19-Symptomen verwendet wurden. Der Spendenaufruf umfasste eine Auktion handsignierter Erinnerungsstücke von Madrider Spielerlegenden, darunter ein Paar Torwarthandschuhe von Iker Casillas, ein Paar Fußballschuhe von Roberto Carlos und ein Trikot von Fernando Hierro.