Rot-weiß-rote Jagd auf den Dorfklub

Wer hätte das gedacht: Der SCR Altach überwintert auf dem obersten Tabellenplatz in der österreichischen Bundesliga. Es ist das Resultat eines verrückten Herbstdurchgangs.

Wo ist der Ball? Der SCR Altach wusste es stets
Wo ist der Ball? Der SCR Altach wusste es stets ©GEPA

Auf diesen Zwischenstand hätte wohl niemand getippt: In der österreichischen Bundesliga ist zur Winterpause noch alles offen. Der FC Salzburg, Austria Wien, Sturm Graz und Rapid Wien blasen nach einem turbulenten Herbst zur Jagd auf einen Klub, den niemand auf der Rechnung hatte. 

Altach, eine Gemeinde mit 6 500 Einwohnern am westlichsten Ende Österreichs: Eine Gemeinde, die den Winterkönig der Bundesliga stellt! 42 Punkte hat der Tabellenführer aus Vorarlberg am Konto. Und das, obwohl der Cheftrainer im November vom SK Rapid abgeworben wurde.

Bei Altach übernahm interimistisch Werner Grabherr, der bisherige Assistent – und setzte den Erfolgslauf fort. "Altach ist auf dem besten Weg, das neue Leicester City zu werden", meinte der nunmehrige Ex-Trainer Damir Canadi nach der Niederlage von Rapid in der letzten Herbstrunde bei seinem ehemaligen Team.

Aus der Zwischenlösung Grabherr konnte aufgrund der fehlenden UEFA-Pro-Trainerlizenz keine Dauerlösung werden. "Meine Zeit als Trainer hat richtig Spaß gemacht. Der neue Trainer muss ein Arbeiter sein, der sich nicht zufrieden geben darf, Woche für Woche die Mannschaft weiterentwickeln muss", meinte der 31-Jährige. Der Neue ist nun Martin Scherb, der zuletzt drei Jahre TV-Experte und davor Trainer beim SKN St. Pölten war.

Der Ex-Altach-Trainer Damir Canadi bei seiner Vorstellung bei Rapid
Der Ex-Altach-Trainer Damir Canadi bei seiner Vorstellung bei Rapid©UEFA.com

Wieder erstarkt ist der SK Sturm Graz, der lange Zeit an der Tabellenspitze zu finden war. Mit Neuzugang Deni Alar gelang Sportdirektor Günter Kreissl ein absoluter Volltreffer. 13 Tore erzielte der Stürmer bislang und war mit Uroš Matić die Speerspitze der Grazer Renaissance. Den Bruder von Chelsea-Star Nemanja zog es nach einem starken halben Jahr in Österreich gleich wieder fort, der Serbe nahm das Angebot des FC København an.

"Sportlich und menschlich tut es weh, dass er weggeht. Aber es wird bei Sturm immer so sein, dass andere Vereine mehr zahlen", hat sich Trainer Franco Foda damit abgefunden. Man darf gespannt sein, wie sein Team diesen Abgang verkraften wird. 

International war die Bundesliga mit drei Klubs in der Gruppenphase der UEFA Europa League vertreten, und alle verpassten den Aufstieg nur knapp. Im Sommer fehlten dem FC Salzburg zum Einzug in die Königsklasse nur drei Minuten, dann holte Junior Fernandez von Dinamo Zagreb mit seinem Treffer die Mozartstädter jäh auf den Boden der Tatsachen zurück.

Zum Ende des Jahres fand Salzburg wieder in die Spur - und gewann in der UEL gegen Schalke
Zum Ende des Jahres fand Salzburg wieder in die Spur - und gewann in der UEL gegen Schalke©AFP/Getty Images

Davon sichtlich aus der Bahn geworfen, verlor der österreichische Meister die ersten drei Spiele in der Europa League, holte aber dann doch noch sieben Punkte - drei davon zum Abschluss gegen den FC Schalke. "Der Aufstieg wäre mehr als möglich gewesen", musste Óscar Garcia zerknirscht zugeben. Dennoch zeigt die Formkurve klar nach oben, auch in der Liga. "Mit uns ist zu rechnen", gab sich Christian Schwegler selbstbewusst.

Im internationalen Geschäft wäre auch für die Wiener Austria mehr möglich gewesen. Gegen Astra Giurgiu und Viktoria Plzeň vergaben die Violetten zwei Matchbälle zum Aufstieg. "Wir haben uns am Ende selbst geschlagen", wusste Trainer Thorsten Fink. Dennoch bleibt die junge Mannschaft positiv. Highlights wie das 3:3 nach 1:3-Rückstand beim AS Rom und die Nominierung von Raphael Holzhauser ins Team der UEFA-Europa-League-Gruppenphase lassen die Truppe wachsen. "Meine Mannschaft hat insgesamt nicht enttäuscht, wir haben vom spielerischen her Respekt errungen", so Fink.

Nicht vergessen darf man den SK Rapid, der sich 2016 sportlich unter Wert geschlagen hat. Unter dem neuen Trainer Damir Canadi werden die Hütteldorfer aber sicherlich im Frühjahr nicht wiederzuerkennen sein. 2017 wird für die österreichische Bundesliga ein spannendes Jahr - der Ausgang ist noch völlig offen.

Austria Wiens Raphael Holzhauser
Austria Wiens Raphael Holzhauser©Getty Images
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