Frankfurt im Höhenflug

Leipzig, Köln, Hoffenheim - keine Frage, es gibt viele Überraschungsteams in der diesjährigen Bundesligasaison, aber am wenigsten ganz oben erwartet hätte man wohl die Frankfurter Eintracht.

Auch Dortmund bekam die neue Frankfurter Qualität zu spüren
Auch Dortmund bekam die neue Frankfurter Qualität zu spüren ©Getty Images

"Wir haben genau die Leidenschaft, Einstellung und Präsenz gezeigt, die man bringen muss. Deswegen stehen wir da, wo wir stehen, nicht, weil wir so viele Einzelkönner haben." Mit dieser Meinung steht Eintracht Frankfurts Coach Niko Kovač keineswegs alleine da, dennoch bleibt nach 12 Spieltagen festzuhalten, dass wohl keiner den Hessen Platz 4 zugetraut hätte, nur 3 Punkte hinter dem FC Bayern.

Niko Kovac ist für viele der Vater des Erfolgs
Niko Kovac ist für viele der Vater des Erfolgs©AFP/Getty Images

Auf der Suche nach den Gründen für den besten Saisonstart der Eintracht seit 26 Jahren landet man – egal, wen man fragt – immer wieder beim Trainer. Seit Kovač im März als Nachfolger des glücklosen Armin Veh das Zepter schwingt, ging es mit Frankfurt steil bergauf.

Kein Wunder, dass die die Euphorie in Frankfurt und Umgebung riesig ist. Über 47.000 Zuschauer strömen im Schnitt zu den Heimspielen und nicht wenige Fans träumen schon vom Europapokal. Umso erstaunlicher ist es, dass sich im Team kein wirklich namhafter Spieler findet, dafür Akteure wie Jesús Vallejo, Marco Fabián, Lukas Hradecky oder Szabolcs Huszti, die ihr schon immer vorhandenes Potenzial nun endlich regelmäßig abrufen.

Selbst zahlreiche Verletzte konnten die Eintracht bisher nicht vom Kurs abbringen. Kovač setzte notgedrungen auf den Nachwuchs – und hatte Erfolg! So erzielte zum Beispiel der erst 18-jährige Aymane Barkok am 10. Spieltag in Bremen als Joker den Siegtreffer. Was die Einwechslungen betrifft, verfügt Kovač sowieso über ein glückliches Händchen. Bei den letzten beiden Duellen trafen die Joker jeweils zum 2:1-Erfolg, einmal rettete der eingewechselte Spieler ein Unentschieden.

Musste Kovač anfangs vor allem das darniederliegende Selbstvertrauen seiner Spieler aufbauen, steht nun das Gegenteil an, er muss versuchen, seine Himmelsstürmer am Boden zu halten: "Ich verstehe die Euphorie, die bei allen herrscht, aber wir wissen nur zu gut, wo wir herkommen. Wir müssen realistisch sein und dürfen nicht irgendwo hinfliegen." Und realistisch gesehen, ist die Eintracht noch kein Spitzenteam, meint Kovac: "Es ist erst ein Saisondrittel gespielt. Das müssen wir bestätigen. Und das dann viele Jahre lang."

So sah man die Eintracht zuletzt ziemlich oft
So sah man die Eintracht zuletzt ziemlich oft©Getty Images

Dennoch verbietet er seinen Spieler nicht, das Wort "Europapokal" in den Mund zu nehmen. "Träume gehören dazu, wer nicht träumt, verschläft sein Leben. Ich bin aber lange genug dabei und weiß, dass sich das im Nu wieder drehen kann, wenn man ein, zwei Spiele verliert und die Lockerheit nicht mehr da ist."

Die nächste Nagelprobe steht für Frankfurt am Sonntag beim FC Augsburg an.

 

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