Watzke: "Wir spielen nicht gegen Barfuß Kairo"

Ein "absolutes Topfinale" erwartet Bayern-Kapitän Philipp Lahm, wenn sich im Endspiel um den DFB-Pokal am Samstagabend in Berlin der Meister sowie Vizemeister Dortmund duellieren werden.

Mats Hummels trifft letztmals auf Thomas Müller, ehe er zu den Bayern wechselt
Mats Hummels trifft letztmals auf Thomas Müller, ehe er zu den Bayern wechselt ©AFP/Getty Images

Vielleicht gebührt der Losfee, Handball-Europameister Andreas Wolff, an dieser Stelle erst einmal ausreichend Dank. Denn dank ihr kommt es am Samstagabend im Finale des DFB-Pokals 2016 in Berlin zum absoluten Showdown zweier Mannschaften, die zumindest deutschlandweit ihrer Konkurrenz längst entrückt sind: Bayern München gegen Borussia Dortmund.

In Statistiken ausgedrückt bedeutet das auch: Rekordmeister gegen den besten Vizemeister aller Zeiten, beste Defensive (Bayern) gegen beste Offensive der Liga (Dortmund) oder auch das Team mit der besten Passquote (Bayern) gegen die Mannschaft mit dem besten Zweikampfverhalten (Dortmund). Wo man auch hinsieht: Bayern und Borussen sind in nahezu jeder Statistik ganz vorne. Selbst die drei besten Torjäger dieser Spielzeit tragen entweder rot (Robert Lewandowski und Thomas Müller) oder schwarz-gelb (Pierre-Emerick Aubameyang).

Dabei sind es nicht nur die zahlreichen Erfolgsmomente, die sich wie ein roter Faden durch die Spielzeit der beiden Klubs ziehen. In Europa mussten beide Mannschaften auch herbe Enttäuschungen hinnehmen. Der BVB schied in einem herzzerreißenden Finish gegen Ex-Trainer Jürgen Klopp und Liverpool aus, die Bayern – nach dem Barcelona-Aus wohl heißester Titel-Anwärter – scheiterten im Halbfinale unglücklich an Atlético Madrid. Umso größer ist nun der Wunsch, die Spielzeit 2015/16 mit dem Double bzw. mit einem Titelgewinn abzuschließen.

Ein "absolutes Topfinale", meint Bayern-Kapitän Philipp Lahm dazu, und Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge spricht bereits von einem "Highlight für Fußball-Deutschland". Wer möchte da schon widersprechen. Mit wettbewerbsübergreifend 51 Siegen liegt der FC Bayern im direkten Duell mit dem BVB obenauf, der auf 30 Erfolge kommt. Auch den direkten DFB-Pokal-Vergleich gewinnen die Münchner, in der Liga gab es zuletzt einen 5:1-Sieg (zu Hause) und ein 0:0-Remis (in Dortmund).

Obwohl die Borussia das letzte Aufeinandertreffen im DFB-Pokal für sich entscheiden konnte (Halbfinale 2015 in München, 2:0 n. E.), hat BVB-Coach Thomas Tuchel "große Sorge", wie er im Vorfeld des Endspiels zu berichten wusste. "Wir sind von unserer Topform so weit entfernt wie vielleicht noch nie in dieser Saison", mahnte er angesichts der jüngsten Ergebnisse (0:1 in Frankfurt, 2:2 gegen Köln) an. "Deshalb wird die Aufgabe nun doppelt und dreifach schwer – daran sind wir selber schuld."

Vielleicht kann sich Tuchel ja ein bisschen Optimismus bei seinem Geschäftsführer borgen. Hans-Joachim Watzke habe jedenfalls das "Gefühl, dass wir am Samstag dran sind", auch wenn er weiß, dass es nicht "gegen Barfuß Kairo" geht, wie er im selben Atemzug betonte.

In Berlin werden (fast) alle Augen auf Innenverteidiger Mats Hummels gerichtet sein, der den BVB im Sommer nach achteinhalb Jahren, 308 Bundesligaspielen, zwei Meisterschaften und einem DFB-Pokalsieg gen München verlassen wird. Laut BVB-Präsident Reinhard Rauball wäre es sein innigster Wunsch, dass Hummels am Samstag "volltrunken mit dem Pokal in der Hand einschlafen wird". Eine Vorstellung, der der BVB-Star durchaus etwas abgewinnen kann. "Wenn es soweit ist, werde ich Herrn Rauball mal fragen, ob ich ihn wirklich mit aufs Zimmer nehmen darf", so Hummels.

Oben