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Alessandria will Pokal-Geschichte schreiben

Veröffentlicht: Dienstag, 26. Januar 2016, 15.00MEZ
Drittligist Alessandria trifft im Halbfinale der Coppa Italia auf den AC Mailand. UEFA.com nimmt das zum Anlass, um die Erfolgsgeschichten der Außenseiter in den nationalen Pokalwettbewerben genauer unter die Lupe zu nehmen.
von Paul Saffer
Alessandria will Pokal-Geschichte schreiben
Alessandria schaltete auf dem Weg ins Halbfinale Palermo aus ©Getty Images

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Veröffentlicht: Dienstag, 26. Januar 2016, 15.00MEZ

Alessandria will Pokal-Geschichte schreiben

Drittligist Alessandria trifft im Halbfinale der Coppa Italia auf den AC Mailand. UEFA.com nimmt das zum Anlass, um die Erfolgsgeschichten der Außenseiter in den nationalen Pokalwettbewerben genauer unter die Lupe zu nehmen.

Alessandria ist der letzte noch im Wettbewerb verbliebene Vertreter von 36 Teams, die nicht in der ersten oder zweiten Liga spielen. Das Team startete am 2. August mit einem 2:0-Heimsieg gegen den Serie-D-Klub Altovicentino in den Wettbewerb. In den folgenden zwei Wochen schalteten sie Pro Vercelli aus der Serie B und Juve Stabia aus. Im Dezember wurden dann die beiden Erstligisten US Palermo und FC Genua geschlagen. Den Halbfinaleinzug machte ein Sieg gegen La Spezia perfekt.

Am Dienstag empfängt Alessandria den AC Mailand im Olympiastadion von Turin im Halbfinal-Hinspiel der Coppa Italia. In der Saison 1935/36 verlor der Klub das Pokal-Endspiel gegen den FC Turin, nach einem 1:0-Sieg im Halbfinale gegen den AC Mailand.

Alessandria hat eine glorreiche Historie. Der Verein brachte unter anderem Gianni Rivera hervor, der 1960 zu Milan wechselte. Nur wenigen unterklassigen Teams gelang es bislang, einen ähnlichen Siegeszug wie den von Alessandria zu starten.

In dieser Statistik sind der Liechtensteiner Pokal und (bis 1992) der Walisische Pokal nicht mit einbezogen, da es in diesen Ländern keine nationale Liga gibt bzw. gab.

  • Drittliga-Klubs, die bedeutende nationale Verbandspokale gewannen

©GEPA

Pasching gewann als Drittligist den österreichischen Pokal

Österreich: Pasching (2012/13) - der Klub spielte in der Saison 2012/13 in den Play-offs zur UEFA Europa League, nachdem der Klub in die zweite Liga aufgestiegen war.

England: Tottenham Hotspur (1900/01) – die Spurs waren das einzige Team außerhalb der English Football League, das nach ihrer Gründung im Jahr 1888 den FA Cup gewinnen konnte. Tottenham spielte in der Southern League, die unterhalb der zweiteiligen National League angesiedelt war. Damals waren noch keine Auf- und Abstiege möglich.

Luxemburg: Jeunesse Hautcharage (1970/71) – das Team spielte nach dem nationalen Pokalsieg 1971/72 im Pokal der Pokalsieger, wo die Luxemburger in der ersten Runde mit dem Rekord-Gesamtergebnis von 0:21 gegen den FC Chelsea verloren. Der Verein schaffte den Aufstieg in die zweite Liga und verschmolz 1997 mit US Bascharage. Heute ist der Verein als Käerjéng bekannt.

Niederlande: RCH (1917/18), CVV (1919/20), Schoten (1920/21) - das unterlegene Team in den Finals kam jeweils aus der unterklassigen Regionalliga. Von 1916/17 bis 1924/25 erreichte kein Top-Team das niederländische Pokalfinale – auch weil damals nicht alle Spitzenteams teilnahmen.

Polen: Lechia Gdańsk (1982/83) – in der ersten Runde des Pokals der Pokalsieger ging es in der folgenden Saison gegen den späteren Sieger Juventus Turin. Lechia gelang zudem der Aufstieg in die zweite Liga.

Schweden: Råå (1948) – Råå besiegte Kenty im europaweit einzigen nationalen Pokalfinale zwischen zwei Drittliga-Klubs. Davor und danach erreichte kein anderes Team außerhalb der ersten beiden schwedischen Ligen je ein nationales Pokalendspiel.

  • Drittligisten, die sich nach einer Niederlage im nationalen Pokalfinale für den Europapokal qualifizieren konnten

Pokal der Pokalsieger: 
Deutschland: Stahl Eisenhüttenstadt (1991/92) –
erste Runde; der Klub erreichte 1990/91 das letzte DDR-Pokalfinale, spielte in der folgenden Saison aber in der dritten Liga.

Frankreich: Nîmes Olympique (1996/97)  zweite Runde, nachdem Honvéd ausgeschaltet wurde

UEFA-Pokal/UEFA Europa League:
Portugal: Leixões SC (2002/03) –
 erste Runde, nachdem Belasica ausgeschaltet wurde

Litauen: FBK Kaunas (2009/10) – zweite Qualifikationsrunde

Estland: Santos Tartu (2014/15) – erste Qualifikationsrunde

  • Andere Leistungen in nationalen Pokalwettbewerben, die zur Qualifikation zum Europapokal führten

©Getty Images

Randers hat eine beeindruckende Pokalbilanz

Dänemark: Randers ist das einzige Team in Europa, das als Zweitligist zwei nationale Pokalfinals in Folge gewinnen konnte. 1966/67 und 1967/68 gelang dieses Kunststück. 2005/06 feierte Randers einen weiteren Pokalsieg als Zweitligist.

England
FA Cup:
Mehrere Zweitligisten konnten sich den FA-Cup-Titel sichern. In jüngster Vergangenheit glückte dies West Ham United in der Spielzeit 1979/80. Für die Drittligisten war immer spätestens im Halbfinale Endstation. Wycombe Wanderers (2000/01), York City (1954/55), Norwich City (1958/59) und Chesterfield (1996/97) zwangen ihre Gegner allesamt im Halbfinale ins Wiederholungsspiel.

League Cup: Zwei Drittligisten konnten den Pokal gewinnen - Swindon Town in der Saison 1966/67 und die Queens Park Rangers 1968/69. Viertligist Bradford City erreichte 2012/13 das Halbfinale, genauso wie Rochdale in der Saison 1961/62. Es spielten aber 1961/62 nicht alle englischen Top-Klubs mit.

©Getty Images

Quevilly sorgte 2011/12 für Furore

Frankreich
Coupe de France: Viertligist Calais erreichte 1999/2000 das Finale. Im Endspiel führte Calais sogar zur Halbzeit gegen Nantes, verlor das Spiel allerdings durch einen Elfmeter in der 90. Minute mit 1:2. In jüngster Vergangenheit erreichte in der Saison 2011/12 mit Quevilly ein Drittligist das Finale. Nîmes vollbrachte die gleiche Leistung 1995/96 und konnte sich somit für den UEFA-Pokal qualifizieren, verlor aber das nationale Pokalendspiel gegen Double-Sieger Auxerre. Lediglich zwei Zweitligisten konnten den Coupe de France gewinnen, Guingamp in der Saison 2008/09 und Le Havre 50 Jahre zuvor.

League Cup: Mit Ausnahme von Gueugnon (1999/2000) gewannen immer Erstliga-Klubs den Pokal (als Reims 1990/91 gewann, durften nur Ligue-2-Teams teilnehmen).

Deutschland: Drei Drittligisten erreichten das DFB-Pokal-Finale - die Amateure von Hertha BSC Berlin (1992/93), Energie Cottbus (1996/97) und Union Berlin (2000/01). Zweitligist Hannover 96 holte sich den ersten Pokalsieg nach der Wiedervereinigung (1991/92). Die Norddeutschen sind damit das einzige Nicht-Bundesligateam, das den DFB-Pokal nach der Wiedervereinigung gewinnen konnte  –  die Kickers Offenbach holten sich 1969/70 in der Bundesrepublik Deutschland als Zweitligist den Pokal.

Italien: Im Finale des Pokals standen nur Erst- und Zweitligisten. Der SSC Neapel ist das einzige Team aus der Serie B, das den Titel gewinnen konnte. Mit Ancona stand in der Saison 1993/94 letztmals ein Team aus der zweithöchsten Spielklasse Italiens im Finale. Alessandria ist das erste Team seit Bari 1983/84, das den Sprung ins Halbfinale schaffte (Bari schaltete damals unter anderem Titelverteidiger Juventus aus).

©UEFA.com

Eschen/Mauren konnte als letztes Vaduz in Liechtenstein entthronen

Liechtenstein ist das einzige UEFA-Mitglied, das keine eigene Liga besitzt, die Klubs spielen im Schweizer Ligasystem. Es gibt aber seit der Saison 1992/93 einen nationalen Pokalwettbewerb, der zur Teilnahme am Europapokal berechtigt. Vaduz ist im nationalen Pokal die dominierende Mannschaft. In der Spielzeit 2011/12 wurden sie letztmals entthront. Der Pokalsieger hieß damals Eschen/Mauren.

Niederlande: Seit Gründung der Eredivisie, die es seit 1956/57 gibt, gewannen nur Mannschaften aus der ersten Liga den niederländischen Pokal. Lediglich acht Teams aus der zweiten Liga schafften den Sprung ins Finale – in jüngster Vergangenheit NEC Nijmegen in der Saison 1993/94.

Polen: Ruch II Chorzów. Die zweite Mannschaft von Ruch Chorzów erreichte 1992/93 als Fünftligist das Pokalfinale und verlor erst im Elfmeterschießen gegen GKS Katowice. Nie qualifizierte sich ein Klub aus einer niedrigeren Spielklasse in Europa für ein Pokalfinale.

Portugal: Leixões war in der Saison 2001/02 der erste Drittliga-Verein, der das Finale des portugiesischen Pokals erreichte. Den Titel holten sich immer die portugiesischen Spitzenklubs.

Russland: Nach der Auflösung der Sowjetunion gab es nur ein Team aus der zweiten Liga, das den nationalen Pokal gewinnen konnte. Terek Grozny schaffte dies in der Saison 2003/04.

Schottland: Drittligist Gretna erreichte in der Spielzeit 2005/06 das Pokalfinale und scheiterte erst im Elfmeterschießen gegen Hearts. East Fife gewann 1937/38 als einziger Klub, der nicht in der ersten Liga spielte, den Pokal. Die Amateure von Queen's Park nahmen 1892/93 nicht an der schottischen Liga teil, gewannen aber den nationalen Pokal.

©Getty Images

Real Madrids Reserveteam Castilla traf nach der Niederlage im Pokalfinale in Europa auf West Ham

Spanien: Mit Real Betis (1931), Sabadell (1935) und Real Madrid Castilla (1979/80) scheiterten drei drittklassige Vereine im nationalen Pokalfinale. Real Madrid Castilla verlor dabei mit 1:6 gegen die erste Mannschaft von Real Madrid. Außerdem standen drei weitere Drittligisten im Halbfinale - Deportivo Logroño (1931), Figueres (2001/02) und Mirandés (2011/12).

Türkei: Ankaragücü war der einzige nicht erstklassige Klub, der das Pokalfinale erreichte und dort Boluspor in der Saison 1980/81 mit 2:1 im Gesamtergebnis nach Hin- und Rückspiel bezwang.

Ukraine: Nach der Auflösung der Sowjetunion schafften es nur Erstliga-Mannschaften ins Pokalfinale. Kaparty Lwiw war 1969 das einzige Nicht-Erstliga-Team, das den nationalen sowjetischen Pokal gewinnen konnte.

Wales: Vor der Gründung der walisischen Liga zur Saison 1992/93 wurde der walisische Pokal größtenteils unter einheimischen Klubs ausgespielt, die in unterklassigen englischen Ligen spielten. Zur damaligen Zeit berechtigte der walisische Pokal auch noch zur Teilnahme am Pokal der Pokalsieger. 1986/87 gewann mit Merthyr Tydfil ein Klub aus der siebten englischen Liga den walisischen Pokal. Nie nahm ein Team aus einer niedrigeren Spielklasse an einem Europapokal teil. Allerdings scheiterte die Mannschaft aus Wales in der Saison 1987/88 im Pokal der Pokalsieger in der ersten Runde am Serie-B-Klub Atalanta, der das Halbfinale in diesem Wettbewerb erreichte. Atalanta ist damit zusammen mit Cardiff City der Verein, der es aus einer unteren Spielklasse im Europapokal am weitesten geschafft hat – Cardiff erreichte 1967/68 als Zweitligist ebenfalls das Halbfinale des Pokals der Pokalsieger. Zwei walisische Mannschaften, nämlich Wrexham (1975/76) und Newport County (1980/81), erreichten zudem als Drittligist das Viertelfinale des Pokals der Pokalsieger.

Letzte Aktualisierung: 26.01.16 12.17MEZ

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