Rösler träumt von Wembley

Mit einem Sensationssieg bei Manchester City hat Zweitligist Wigan Athletic in England das Halbfinale des FA Cups erreicht, für den deutschen Trainer Uwe Rösler war es ein ganz besonderer Triumph.

Uwe Rösler eilt bei Wigan von Erfolg zu Erfolg
Uwe Rösler eilt bei Wigan von Erfolg zu Erfolg ©Getty Images

Einer der ganz Großen seiner Branche war er nicht, aber immerhin brachte es Uwe Rösler in seiner aktiven Zeit auf fünf Länderspiele für die DDR und einige Bundesligatore für Dynamo Dresden, den 1. FC Nürnberg und den 1. FC Kaiserslautern. Doch jetzt sorgt der inzwischen 45-jährige Thüringer in England als Trainer für Furore.

Der Triumph von Zweitligist Wigan Athletic FC im Viertelfinale des FA Cups bei Manchester City FC war zu allererst ein Triumph des Deutschen, der erst am 7. Dezember vergangenen Jahres vom Drittligisten Brentford FC als Nachfolger von Owen Coyle zu den "Latics" geholt worden war. Wigan hatte letztes Jahr sensationell – gegen ManCity - den FA Cup gewonnen, war aber aus der Premier League abgestiegen und hatte in dieser Saison als Zweitligist an der UEFA Europa League teilgenommen, wo man allerdings schon in der Gruppenphase gescheitert war.

Nun soll Rösler den Betriebsunfall Abstieg reparieren und er scheint auf einem guten Weg zu sein. Unter dem Regiment des ehemaligen Stürmers verlor Wigan nur zwei von bisher 21 Pflichtspielen und hat als Siebter der First Division durchaus noch Chancen auf einen Relegationsplatz.

Bei der Rückkehr aus Manchester wurden Rösler und seine Spieler von Hunderten von Fans begeistert gefeiert. "Ich bin so stolz auf die Mannschaft", erklärte Rösler mit einem breiten Lächeln und genoss seinen bisher größten Erfolg als Trainer in vollen Zügen. Im Halbfinale geht es für den Titelverteidiger nun am 13. April im Wembley-Stadion gegen Arsenal FC.

Dass er ausgerechnet bei ManCity triumphierte, für das er selbst von 1994 bis 1998 in 153 Ligaspielen 50 Tore erzielte, unterstrich die Bedeutung dieses Sieges für Rösler, der mit seiner Familie in Manchester wohnt und dessen ältester Sohn in der Jugendakademie der Citizens trainiert.

Auf die Frage, wie er sich fühle, antwortete Rösler denn auch: "Leer, aber glücklich. Letzte Saison hat diese Mannschaft unter [Trainer] Roberto Martínez Unglaubliches geleistet, sie haben Wigan mit dem Sieg im FA Cup auf die Fußballlandkarte gezaubert", so Rösler und fuhr fort: "Aber jetzt im Halbfinale zu stehen ist fast ebenso großartig."

"Wir haben versucht, so zu spielen wie letztes Jahr, aber mit unserer eigenen Identität, starkem Pressing und schnellen Kontern. Ich denke, dass wir Manchester City überrascht haben, weil wir so gar keinen Respekt vor ihnen gezeigt haben."

Wie es aussieht, haben sich Rösler und Wigan gefunden. Der Altenburger fühlt sich in der Industriestadt im Nordwesten Englands pudelwohl und bereut es nicht, Klubs aus seiner Heimat einen Korb gegeben zu haben. "Es gab Anfragen von Zweitligisten. Aber die Familie fühlt sich hier wohl, für meine Karriereplanung wäre das nicht die richtige Entscheidung gewesen. Ich möchte an meiner Aufgabe in Wigan wachsen und auf Top-Niveau kommen - in die Premier League."

Nachdem er bei seinen ersten Klubs in Norwegen schon eine Talentprobe abgegeben hat, scheint Rösler jetzt drauf und dran, im Mutterland des Fußballs seine Feuertaufe als Coach zu bestehen. Man kann sicher sein, noch einiges von ihm zu hören, bei Wigan oder anderswo.

 

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