Feldspieler im Tor - ein Rückblick

UEFA.com hat sich in ganz Europa umgeschaut und die interessantesten Einsätze von Feldspielern als Aushilfstorhüter zusammengestellt - mit dabei ist auch Michael Tarnat.

Michael Tarnat als Aushilfstorwart
Michael Tarnat als Aushilfstorwart ©Getty Images

Es ist wahrlich kein alltäglicher Anblick, aber es passiert doch immer wieder. Wenn ein Torhüter verletzungsbedingt nicht mehr weiterspielen kann oder vom Platz gestellt wird und das Auswechselkontingent ausgeschöpft ist, dann muss ein Feldspieler zwischen die Pfosten. Die eigene Defensive wird dadurch natürlich nicht verstärkt, doch manch ein Feldspieler konnte sich als Aushilfstorhüter bereits auf beeindruckende Art und Weise für weitere Noteinsätze zwischen den Pfosten empfehlen.

Daniel Pancu (Fenerbahçe SK - Beşiktaş JK 3:4, Mai 2004)
Dieses Istanbuler Derby war schon vor dem Platzverweis für Gäste-Torhüter Óscar Córdoba eine nervenaufreibende Angelegenheit. Córdoba hatte einen Elfmeter verursacht und musste nach drei bereits vollzogenen Auswechslungen das Feld verlassen, ohne dass der Ersatztorhüter selbiges hätte betreten dürfen. Angreifer Pancu stellte sich zwischen die Pfosten, konnte den Strafstoß zum 3:3-Ausgleich für Fenerbahçe zwar nicht parieren, hielt danach aber jeden Ball, der auf sein Tor kam. In Unterzahl sorgte Koray Avcı kurz vor Ende dann sogar noch für den Siegtreffer der Gäste. Großer Held des Abends war nichtsdestotrotz Pancu.

Michael Tarnat (Eintracht Frankfurt - FC Bayern München 1:2, September 1999)
In der 56. Minute prallte Nationaltorhüter Oliver Kahn Ball mit seinem Verteidiger Sammy Kuffour zusammen und musste den Platz mit einer Gehirnerschütterung verlassen. Nur sieben Minuten später folgte ihm sein Ersatzmann Bernd Dreher, der sich das Kreuzband gerissen hatte – bei einem Zusammenprall mit Kuffour. Für die verbleibenden 34 Minuten inklusive Nachspielzeit beorderte Trainer Ottmar Hitzfeld notgedrungen Abwehrspieler Michael Tarnat zwischen die Pfosten, da dieser sich freiwillig gemeldet hatte. Eine gute halbe Stunde hielt der 19-fache Nationalverteidiger seinen Kasten souverän sauber, kurz vor Schluss rettete er mit einem tollen Reflex sogar den 2:1-Sieg seiner Bayern, die bei seiner Einwechslung übrigens noch 0:1 hinten gelegen hatten. Hinterher gestand Tarnat: "Anfangs war ich ganz schön nervös. Hätte die Eintracht mehr aufs Tor geschossen, dann hätte ich ganz schön alt ausgesehen." Vier Tage später in der UEFA Champions League bei den Rangers FC vertraute Hitzfeld statt auf Tarnat doch lieber auf den 20-jährigen Debütanten Stefan Wessels.

Der mächtige Quinn
Der mächtige Quinn©Bob Thomas/Getty Images

Niall Quinn (Manchester City FC - Derby County FC 2:1, April 1991)
Angreifer Niall Quinn konnte in dieser Partie den Führungstreffer für City erzielen und musste noch vor der Pause umschalten auf Torverhinderung. Nach dem Platzverweis für Tony Coton musste er zwischen die Pfosten, konnte erst einen Elfmeter von Dean Saunders parieren und hielt in der Folge den 2:1-Sieg der Gastgeber fest.

Oceano Cruz (FC Porto - Sporting Clube de Portugal 2:2, August 1995)
In diesem Duell um den portugiesischen Superpokal wurde Oceano zehn Minuten vor dem Ende notgedrungen zum Torhüter umfunktioniert und musste durch einen Strafstoß von Porto zum 1:2 hinter sich greifen. Doch in der Folge hielt er alles, was auf seinen Kasten kam und so schaffte Sporting am Ende noch ein 2:2. Damit ging das Duell in eine Entscheidungspartie, die Sporting mit 3:0 für sich entscheiden konnte.

Paris Andralas (Olympiacos FC - Levadiakos FC 4:0, Dezember 2007)
In dieser einseitigen Partie musste Levadiakos-Torhüter Nikos Karakostas bereits vier Mal hinter sich greifen, bevor er neun Minuten vor dem Ende nach einem Fouls an Luciano Galletti des Feldes verwiesen wurde. Mittelfeldspieler Andralas streifte sich das Torwarttrikot über und konnte sogleich den Elfmeter von Tasos Pantos parieren. Die Zuschauer staunten, wussten sie doch nicht, dass Andralas in seiner Jugendzeit lange Torhüter war.

Einige Ausflüge von Feldspielern in das eigene Tor gingen aber auch schon nach hinten los...

Súni Olsen (AB Argir - B36 Tórshavn 3:2, Juli 2013)
Über viele Jahre war Olsen einer der gefährlichsten Freistoßschützen der Färöer Inseln und ließ die Torhüter dort immer wieder verzweifeln. Doch in dieser Partie wurde der Spieß umgedreht - kurz vor Ende der Partie wurde Tórdur Thomsen nach drei getätigten Auswechslungen vom Platz gestellt und so musste Olsen die Torwarthandschuhe anziehen. Argir bekam kurz vor dem Ende einen Freistoß zugesprochen und Dion Splidt setzte die Kugel unhaltbar für Olsen ins Netz - nun wusste dieser endlich, wie sich die Torhüter bei all seinen Freistoßtoren gefühlt haben mussten.

Ich?
Ich?©Bob Thomas/Getty Images

Alain Giresse (FC Nantes - FC Girondins de Bordeaux 6:0, Mai 1982)
Vor dem letzten Spieltag der Saison 1981/82 wurde Bordeaux' Nummer 1 Dragan Pantelić aufgrund eines Vorfalls privater Natur für ein ganzes Jahr gesperrt und Bordeaux-Präsident Claude Bez machte Kapitän Giresse zur Nummer 1 für die abschließende Partie der Saison. "Er sagte mir, du bist der Kapitän, du gehst in das Tor", sagte der 1,63 Meter kleine Nationalspieler. "Ich hatte immer das Bedürfnis loszurennen, und jeden Ball mit den Händen zu fangen war auch nicht gerade natürlich." Nach einer Stunde und fünf Gegentreffern wurde er von seinem Leid erlöst und durch einen weiteren Feldspieler, Marius Trésor, ersetzt.

Chris Hedworth, Peter Beardsley (West Ham United FC - Newcastle United FC 8:1, April 1986)
Während Newcastles Stammtorhüter Martin Thomas in dieser Partie verletzungsbedingt fehlte, kämpfte sich Ersatzmann David McKellar trotz Hüftverletzung durch die erste Hälfte (0:4), musste dann aber seinen Platz im Tor an Mittelfeldspieler Chris Hedworth abgeben. Der kassierte einen Gegentreffer und brach sich kurz darauf bei einer Rettungstat das Schlüsselbein. Auf ihn folgte der 1,73 Meter große Flügelspieler Peter Beardsley. Der erwies sich als völlig überfordert und kassierte drei weitere Gegentreffer. Eine Besonderheit in der Partie war der Dreierpack von Alvin Martin, der gegen jeden der drei Torhüter einmal traf.

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