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Wie Aufsteiger Kaiserslautern Meister wurde

Veröffentlicht: Donnerstag, 21. Mai 2015, 14.25MEZ
Aufsteiger ASA Târgu Mureş könnte in Rumänien die Meisterschaft holen - das ruft bei uns natürlich Erinnerungen an Otto Rehhagel und den 1. FC Kaiserslautern hervor.
von Steffen Potter
aus Frankfurt
Wie Aufsteiger Kaiserslautern Meister wurde
Otto Rehhagel mit der Meisterschale ©Getty Images
Veröffentlicht: Donnerstag, 21. Mai 2015, 14.25MEZ

Wie Aufsteiger Kaiserslautern Meister wurde

Aufsteiger ASA Târgu Mureş könnte in Rumänien die Meisterschaft holen - das ruft bei uns natürlich Erinnerungen an Otto Rehhagel und den 1. FC Kaiserslautern hervor.

2015: Der FC Bayern München hat die Bundesliga fest im Griff. Man kann sich kaum noch an eine Zeit erinnern, als das nicht so war. Können Sie sich vorstellen, dass einer der Aufsteiger in der kommenden Saison den Bayern den Titel wegschnappt? Auf gar keinen Fall. Doch genau das passierte 1997/98.

Als der 1. FC Kaiserslautern, ein Gründungsmitglied der Bundesliga, 1996 zum ersten Mal den Gang in die Zweitklassigkeit antreten musste (es sollte, wie die Zukunft zeigen sollte, leider nicht das letzte Mal sein), waren die Fans am Boden zerstört. Das Unmögliche war eingetreten. Lautern, das war doch eigentlich einer der unabsteigbaren Vereine? In der Spielzeit davor war man noch Vierter geworden, hatte sich für den UEFA-Pokal qualifiziert und selbst im Abstiegsjahr bestritt man das Endspiel des DFB-Pokals, das man eine Woche, nachdem der Abstieg besiegelt war, zudem auch noch gewann.

Der Klub war noch nicht am Ende. Zwei wichtige Dinge kamen zusammen: Zuerst entschied man sich, Otto Rehhagel, der beim FC Bayern München wenig rühmlich entlassen worden war, als Cheftrainer zu installieren. Außerdem gelang es dem Verein, viele erfahrene Bundesliga- und Nationalspieler, wie Michael Schjønberg, Miroslav Kadlec, Pavel Kuka oder den Siegtorschützen des WM-Endspiels von 1990, Andreas Brehme, zu halten.

Im Kern war es eine Erstligamannschaft, mit der Kaiserslautern in der zweiten Liga antrat. Kein Wunder, dass die Saison zu einem Durchmarsch wurde, mit einem Zuschauerschnitt von 36 709 übertraf man jenen der Abstiegsspielzeit sogar noch leicht. "Auch wenn es blöd klingt, durch die vielen Siege in der 2. Liga hatten wir uns ans Gewinnen gewöhnt und haben einfach weitergemacht", erklärte Schjønberg später einmal.

Als Lautern eine Etage tiefer spielte, gewannen die Bayern die Meisterschaft. Damals waren Vorsprünge von zwei Punkten am Ende der Saison für den Meister noch üblich. Der Spielplan ließ den Zweitligameister am ersten Spieltag der Saison 1997/98 zum Deutschen Meister aus München reisen. Für Rehhagel wurde es der Anfang einer süßen Revanche, denn gegen seinen Ex-Klub erzielte Schjønberg zehn Minuten vor dem Ende der Partie das einzige Tor.

©Getty Images

Lauterns Mittelstürmer Olaf Marschall

Das Spiel galt als ein Ausrutscher, eine der typischen Überraschungen, die es zu Saisonbeginn so gibt. Es sollte sich herausstellen, dass es weit mehr als das war. Ein Fingerzeig auf das, was noch folgen würde. Der FCK sicherte sich am vierten Spieltag die Tabellenführung, die man bis Saisonende nicht mehr abgab. Bayern versuchte alles, jagte die Pfälzer, konnte sie aber nicht mehr einfangen. Am vorletzten Spieltag war die vierte Meisterschaft Kaiserslauterns Fakt.

"Otto ließ uns Freiheiten auf dem Platz", erinnerte sich Olaf Marschall, ein klassischer Mittelstürmer, der in dieser Saison 21 Treffer erzielte. "Um zu entscheiden, was wir tun und lassen können. Er sagte grob die Aufstellung und – geht raus! Den Rest haben wir geregelt. Die Verantwortung auf dem Platz hatten wir. Schon wir Stürmer attackierten vorne. So wie Meister Dortmund heute sind wir schon damals vorne draufgegangen."

Wie konnte ein Zweitligist nach dem Aufstieg Meister werden? Ein wichtiges Puzzleteil war dabei ein gewisser Ciriaco Sforza. Der Spielmacher hatte Lautern vor der Abstiegssaison Richtung München verlassen und war dann zum FC Internazionale Milano gewechselt. Dort lief es nicht rund für ihn, und Rehhagel wusste das. "Als ich im Urlaub auf Elba war, klingelte unentwegt das Telefon, jede Stunde. Wenn Otto etwas will, dann lässt er dich nicht in Ruhe", so Sforza. Der Schweizer kehrte nach Deutschland zurück.

Sforza war der Königstransfer für den Aufsteiger aus dem Südwesten, im Kern spielte immer noch jene Mannschaft, die zwölf Monate zuvor in der zweiten Liga gekickt hatte. Unterstützt wurde er im Mittelfeld übrigens von einem gewissen Michael Ballack, der im Alter von 21 Jahren seine ersten 16 Bundesligaspiele absolvierte.

Sforza ist heute noch voll des Lobes für Rehhagel (mit dem er sich später allerdings überwarf): "Er weiß, wie er mit den Profis, die er zur Verfügung hat, spielen muss. Er hat gemerkt, bei uns kannst du powern, musst du nach vorn spielen. Bei den Griechen [bei der UEFA EURO 2004] hat er gewusst, er muss hinten zu null spielen und vorne wird schon ein Ball reingehen." Rund 70 000 Menschen sollen in Kaiserslautern auf den Straßen den unverhofften Titelgewinn gefeiert haben. Ein modernes Märchen – geschrieben vom Fußball.

©Getty Images

Martin Wagner und Ciriaco Sforza feiern die Meisterschaft

Letzte Aktualisierung: 21.05.15 12.22MEZ

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