„Nicht die Demenz macht mich aus...“

Malcolm Steele aus dem schottischen Aberdeen ist Mitte 50 und lebt seit vier Jahren mit der Diagnose Demenz. Seine Liebe zum Fußball und die lebenslange Leidenschaft für seinen Heimatklub Aberdeen gehören seither zu den entscheidenden Stützen in seinem Leben.

Malcolm aus Aberdeen lebt mit Demenz – doch dank dem Programm „Football Memories“ kann er sich an legendäre Momente erinnern, die er als Fan erlebt hat.
©UEFA

Jeden Monat berichtet die UEFA im Rahmen ihrer Kampagne #EqualGame über eine Person aus einem ihrer 55 Mitgliedsverbände. Sie alle sind Beispiele dafür, wie der Fußball Inklusion, Zugang zum Sport und Vielfalt fördert und dass Behinderung, Religion, sexuelle Orientierung, ethnische Zugehörigkeit und soziale Herkunft kein Hindernis sind, Fußball zu spielen und Spaß daran zu haben.

Der Umgang mit den Herausforderungen des Alltags ist für Alzheimer-Patienten nicht leicht, vor allem wenn die Krankheit in einer frühen Lebensphase diagnostiziert wird, da sie die Denk- und Erinnerungsfähigkeit anhaltend und oftmals progressiv reduziert.

Malcolm Steele ist 56 Jahre alt und stammt aus Aberdeen im Nordosten Schottlands. Er war in der Papierverarbeitung tätig, als er vor vier Jahren die erschütternde Diagnose erhielt.

Eine solche Nachricht hätte den Lebenswillen eines doch noch so jungen Menschen brechen können. Aber drei große Lieben seines Lebens waren entscheidend dafür, dass Malcolm seither einen klaren Weg in die Zukunft sieht: seine Frau Tracy, der schottische Traditionsverein FC Aberdeen, dessen Fan er seit Kindertagen ist, und der Fußball selbst, der ihn seit der Zeit begeistert, als er als kleiner Junge in seiner Nachbarschaft auf der Straße kickte.

Malcolm trägt mit Stolz die Farben der Dons.
Malcolm trägt mit Stolz die Farben der Dons.©UEFA
Aberdeen feiert den Gewinn des Europapokals der Pokalsieger 1983.
Aberdeen feiert den Gewinn des Europapokals der Pokalsieger 1983.©Getty Images
Erinnerungen an vergangene Augenblicke im Rahmen des Programms „Football Memories“.
Erinnerungen an vergangene Augenblicke im Rahmen des Programms „Football Memories“.©UEFA
Malcolm hat die Gelegenheit, Trophäen wie den von Aberdeen 1983 gewonnenen Pokal der Pokalsieger hochzuhalten.
Malcolm hat die Gelegenheit, Trophäen wie den von Aberdeen 1983 gewonnenen Pokal der Pokalsieger hochzuhalten.©UEFA
Malcolm und Tracy verfolgen die Dons im Stadion.
Malcolm und Tracy verfolgen die Dons im Stadion.©UEFA

Malcolm erinnert sich noch genau an den Schock, als er die Diagnose bekam. „Damals wusste ich nicht, dass ich daran erkrankt war. Bei der Arbeit fragte mich mein Chef: ,Geht‘s dir gut, Malcolm? Du hast dich in den letzten Monaten ziemlich verändert.‘ Normalerweise bin ich ein durch und durch positiver Mensch und so ist mir seine Bemerkung sehr nahe gegangen. Ich habe einen Arzt aufgesucht und sie wollten einige Tests machen. Zunächst war Alzheimer kein Thema, weil sie es auf Stress bei der Arbeit geschoben haben. Aber dann war ich fassungslos. Das erste, was mit in den Sinn kam, war: ,Was mache ich jetzt? Alzheimer bekommen doch nur alte Leute.‘ Aber der Arzt sagte mir, dass dies nicht der Fall sei.“

Die Diagnose hat Malcolms Leben verständlicherweise zutiefst erschüttert. Er erklärt, wie es ist, mit der Krankheit zu leben. „Es ist nicht leicht. Ich habe das Gefühl, abhängig zu sein. Es ist wirklich schwer für jemanden, der ganz normal gearbeitet hat, plötzlich auf andere angewiesen zu sein.“ 

Glücklicherweise kann sich Malcolm auf die unermüdliche und kontinuierliche Unterstützung von Tracy verlassen, die in der häuslichen Krankenpflege tätig ist. „Wir haben eine tolle Beziehung“, sagt Malcolm stolz über seine Frau. „Wir sind als Paar einfach unzertrennlich. Sie ist mein Fels in der Brandung. Sie sagt mir immer: ,Wenn du etwas brauchst, dann sag es mir einfach.‘ Ich bin halt so wie die meisten Männer etwas stur.“

Auch der Fußball wird für immer einen Platz in Malcolms Herzen einnehmen. „Fußball war schon immer mein Leben und wird es auch bleiben.“ Immer, wenn er eine Partie von Aberdeen im Stadion verfolgt, kommt der Trainer in ihm zum Vorschein. „Ich konzentriere mich auf das Spiel und auf den Ball. Ich spüre das Spiel und gehe es in Gedanken durch, während ich es beobachte. [Ich will] am liebsten einfach nur auf den Rasen gehen und für die Spieler den Ball treten!“

Malcolm pflichtet den Werten der UEFA-Kampagne #EqualGame, dass Fußball für alle zugänglich sein sollte, aus vollem Herzen bei. „Fußball ist ein Sport, bei dem alle mitmachen können. Fußball bringt alle zusammen“, unterstreicht er.

Malcolm und Tracy genießen ihr Leben in vollen Zügen. „Wir versuchen, so viele Dinge wie möglich zu machen“, sagt Tracy. „Wir fahren zum Beispiel in den Urlaub. Die Krankheit hält uns nicht davon ab, etwas zu machen. Wir unternehmen sehr viel zusammen.“

Beide wissen, dass viele Menschen Schwierigkeiten haben, Demenz und die Probleme, die mit dieser Krankheit einhergehen, zu verstehen. „Man kann die Krankheit nicht sehen“, erklärt Tracy. „Der alltägliche Umgang mit Demenz kann sehr schwer sein, aber wir schaffen das. Wir arbeiten gut zusammen und wir stehen das durch.“

Was würde Malcolm Steele anderen Menschen mit Demenz raten? „Ich würde sie ermutigen, einfach weiterzumachen und niemals aufzugeben“, so seine überzeugte Antwort. „Ich habe akzeptiert, dass ich an Demenz erkrankt bin, und ich versuche, bestmöglich damit umzugehen“, sagt Malcolm. „[Die Demenz ist da], aber ich bin ja auch noch da. Ich habe Demenz, aber das ist es nicht, was mich ausmacht ... nicht heute und auch nicht in Zukunft.“

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