„Alles ist möglich, wenn man es versucht...“

Gary Messett erhielt im Alter von zwei Monaten die Diagnose infantile Zerebralparese (CP). Dank seiner Liebe zum Fußball fand er seinen eigenen Weg und blickt auf eine eindrucksvolle Spielerkarriere, die von seiner Ernennung zum stolzen Kapitän der irischen CP-Fußball-Nationalmannschaft gekrönt wurde, zurück.

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Jeden Monat berichtet die UEFA im Rahmen ihrer Kampagne #EqualGame über eine Person aus einem ihrer 55 Mitgliedsverbände. Sie alle sind Beispiele dafür, wie der Fußball Inklusion, Zugang zum Sport und Vielfalt fördert und dass Behinderung, Religion, sexuelle Orientierung, ethnische Zugehörigkeit und soziale Herkunft kein Hindernis sind, Fußball zu spielen und Spaß daran zu haben.

„CP sollte nicht als Behinderung betrachtet werden, sondern vielmehr als besondere Fähigkeit.“ – Mit dieser Einstellung hat der couragierte Ire Gary Messett ein Abenteuer erlebt, auf das er stolz sein kann.

Seit seiner Kindheit spielt Fußball eine wichtige Rolle in Garys Leben.
Seit seiner Kindheit spielt Fußball eine wichtige Rolle in Garys Leben.©UEFA

Der 31-Jährige aus dem irischen Küstenort Bray bekam bereits sehr früh die Diagnose infantile Zerebralparese (CP), aber seine Einstellung und Entschlossenheit haben ihm Stärke, Hoffnung und Zuversicht verliehen. Darüber hinaus hat ihm sein über alles geliebter Fußball die Möglichkeit zu einer internationalen Karriere geboten, in der er sich Anerkennung, Auszeichnungen und Respekt verdient hat. 

Garys bewegte Lebensgeschichte beginnt im Alter von zwei Monaten, als er sich einer Herzoperation unterziehen musste. Obwohl der Eingriff an sich problemlos verlief, erlitt er in der Folge einen Schlaganfall. Bei Gary wurde anschließend eine infantile Zerebralparese diagnostiziert. Diese Erkrankung gehört zu einer Gruppe von unheilbaren Krankheiten, welche aufgrund einer Schädigung des Gehirns vor, während oder kurz nach der Geburt die Bewegungs- und Koordinationsfähigkeit beeinträchtigen.

Während seiner Kindheit versuchte er mit Unterstützung seiner Eltern, über den Fußball seinen eigenen Weg zu finden. Als Junge spielte er Fußball, um seinen Genesungsprozess zu unterstützen und Freunde zu finden.

Ein Fußball ist immer griffbereit.
Ein Fußball ist immer griffbereit.©UEFA

„Ich liebte den Fußball“, sagt er. „Genau dabei wollte ich richtig gut sein. Ich spiele, seit ich laufen kann. Ich hatte immer einen Ball dabei, ich habe ihn mit ins Bett genommen, bin damit aufgestanden und habe immer mit meinen Freunden gespielt. Wenn sie nach Hause gehen mussten, habe ich immer noch alleine weitergekickt.“

Die Jahre vergingen und Gary, der beim Amateurklub Arklow Town im Mittelfeld steht, entwickelte sich zu einem ausgezeichneten Spieler. Er war so gut, dass er zu einem langjährigen Schlüsselspieler des irischen CP-Nationalteams wurde und mittlerweile sogar die Kapitänsbinde trägt.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels hat er 55 Treffer in 85 Begegnungen auf seinem Konto – ein echter Beweis für seine Fähigkeiten. Bei internationalen Turnieren wurde er mit Auszeichnungen als bester Spieler überhäuft. Zweimal, 2007 und in diesem Jahr, gewann er die prestigeträchtige „Football for All“-Auszeichnung des Irischen Fußballverbands (FAI).

Gary ist rechtsseitig gelähmt und sagt: „Was den Fußball betrifft, habe ich mich von klein auf an meine Situation angepasst. Auch wenn es eine tägliche Herausforderung ist, hält es mich nicht davon ab, das zu tun, was ich will. Ich sehe mich selbst nicht als Mensch mit einer Behinderung. Ich betrachte mich eher als Mensch mit einer besonderen Fähigkeit. Ich habe hart gearbeitet und unglaublich viele Opfer gebracht – das wurde definitiv belohnt. Wenn ich mir einmal etwas in den Kopf setze, gebe ich immer 110 %.“

Im August dieses Jahres gewann die irische CP-Auswahl die Bronzemedaille bei der CP-Fußball-Europameisterschaft in den Niederlanden. Mit seinem Siegtreffer im Spiel um den dritten Platz gegen den Gastgeber machte sich Gary zum Helden seiner Mannschaft.

Hollie, Poppie und Gary.
Hollie, Poppie und Gary.©UEFA

Im Privatleben steht seine zweijährige Tochter Poppie im Mittelpunkt, die er über alles liebt. Mit seiner Lebensgefährtin Hollie begleitet er Poppie in den Park zum Spielen oder sie machen gemeinsam lange Spaziergänge am nahegelegenen Strand. „Sie geben mir unendlich viel Kraft – ich weiß nicht, wo ich ohne die beiden wäre“, so Gary.

Gary ist der älteste Spieler der Nationalmannschaft und seine Spielerkarriere neigt sich allmählich dem Ende zu. Aktuell bereitet er sich auf die CP-Fußball-WM 2019 in Madrid vor. Er ist heute noch genauso stolz wie beim ersten Mal, das grüne Nationaltrikot zu tragen. „Mir war nicht klar, wie sehr ich davon geträumt habe, das Trikot überzustreifen und das Wappen am Herzen zu spüren, bis ich mich zusammen mit den anderen Spielern umgedreht und die Nationalhymne gehört habe“, so Gary weiter.

Gary hat eine enge Beziehung zu seinen Teamkollegen.
Gary hat eine enge Beziehung zu seinen Teamkollegen.©UEFA

Er hofft, dass die jungen Spieler im Kader von seiner Erfahrung profitieren und dass er Menschen mit Behinderung in positiver Erinnerung bleiben wird. Seine Fußballkarriere und seine Lebensgeschichte machen ihn zu einem wichtigen Vorbild für die jüngeren Teamkollegen, die seine Bescheidenheit, seine Beharrlichkeit und seinen Mut bewundern. „Es ist einfach fantastisch, so lange im Fußball aktiv zu sein und die jüngere Generation nachwachsen zu sehen, die wissen will, wie ich bestimmte Dinge tue und wie ich zu meinen Erfolgen gekommen bin. Um ehrlich zu sein, es ist einfach unbeschreiblich.“ 

Wie lautet also Garys Rat an CP-Nachwuchsspieler, die eine Karriere im Fußball anstreben und sich vielleicht eines Tages den Traum verwirklichen möchten, für ihr Land zu spielen? „Ich würde sagen, sei dir bewusst, dass deine Behinderung zu dir gehört. Sie ist deine äußere Hülle. Aber die Welt liegt dir zu Füßen. Die Möglichkeiten für Menschen mit CP sind endlos. Du kannst alles erreichen, wenn du dein Schicksal annimmst, denn du bist, wer du bist, und niemand anderes nimmt deinen Platz ein.“

Gary (links) bei einer Trainingseinheit.
Gary (links) bei einer Trainingseinheit.©UEFA

Für Gary bedeutet seine Fußballkarriere eine „unglaubliche Reise.“ „Ich habe jeden Augenblick geliebt“, sagt er voller Begeisterung.

„Als Kind konnte ich die Auszeichnungen, die ich in den letzten 14 bis 15 Jahren bekommen habe, nicht kommen sehen. Natürlich dachte ich nicht daran, dass ich sportlich etwas erreichen würde, nachdem ich in jungen Jahren die Diagnose CP erhalten hatte. Ich habe viele Hindernisse und Herausforderungen in meinem Leben gemeistert. Ich hatte unglaublich viele Höhen und Tiefen, aber eines habe ich mir immer bewahrt: Wenn ich mich auf etwas konzentriere und 100 % gebe, kann mir niemand sagen, ich hätte es nicht versucht.“

Bei ihm zu Hause lassen sich überall Früchte seines fußballerischen Einsatzes finden. „Überall im Haus gibt es kleine Erinnerungsstücke“, sagt Gary. „Man geht jeden Tag daran vorbei und denkt: ,Weißt du was? Ich war dort. Das hab ich geschafft!‘“

Poppie bedeutet Gary einfach alles.
Poppie bedeutet Gary einfach alles.©UEFA

Selbstverständlich freut sich Gary schon darauf, Poppie künftig seine zahlreichen Fußballgeschichten zu erzählen.

„Ich hatte eine tolle Karriere und würde sie für nichts auf der Welt eintauschen.“

Weitere Informationen zu CP-Fußball erhalten Sie auf der Website des UEFA-Partners im Bereich soziale Verantwortung, dem Internationalen Verband für Fußballer mit zerebralen Bewegungsstörungen (IFCPF).

 

 

 

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