Niederländisches Gefängnisturnier bringt Kraft des Fußballs zum Ausdruck

Ein Fußballturnier in einer niederländischen Haftanstalt als Symbol für die einende und unterhaltende Kraft des Fußballs – mit Jules Rasoelbaks, einem der jüngsten Protagonisten der UEFA-Kampagne #EqualGame, als einem der Hauptakteure an diesem denkwürdigen Tag.

Jules Rasoelbaks (hinten, zweiter von rechts) und sein „De Hoop“-Team.
Jules Rasoelbaks (hinten, zweiter von rechts) und sein „De Hoop“-Team. ©Ien Wille

Die unbestrittene Fähigkeit des Fußballs, Menschen zu einen, Hoffnung zu geben und Inklusion zu fördern, kam bei einem einzigartigen Turnier, das vor kurzem in einer Haftanstalt im niederländischen Dordrecht durchgeführt wurde, sehr positiv zum Ausdruck.

Einer, der bei dieser Veranstaltung einen Beitrag zu diesem wunderbaren Gemeinschaftsgeist leistete, war Jules Rasoelbaks, einer der Protagonisten der diesjährigen UEFA-Kampagne #EqualGame zur Förderung von Vielfalt und Inklusion, die aufzeigen soll, dass im Fußball Platz für alle ist, unabhängig davon, wer man ist, was man macht und wo man herkommt.

In Zusammenarbeit mit dem niederländischen Justizdepartement empfing das Gefängnis in Dordrecht Häftlingsteams aus anderen niederländischen Gefängnissen, ehemalige Häftlinge, Sozialarbeiter, frühere Profifußballer und verschiedene Interessengruppen aus dem Sicherheitsbereich – nicht nur aus den Niederlanden, sondern auch aus Deutschland, Belgien und der Republik Irland – zur dritten Ausgabe des „Euro Football Festivals“.

Partie in Dordrecht.
Partie in Dordrecht.©Ien Wille

Das Turnier ist Teil des Programms „Dutch Sport Works“, ein vom niederländischen Justizdepartement gemeinsam mit Amateur- und Profifußballvereinen und anderen niederländischen Sportvereinen organisiertes Projekt zur Verbesserung der Arbeitsmarktfähigkeit und zur Resozialisierung durch Sport. Ebenfalls in Dordrecht vertreten war das europäische Netzwerk für Fußballentwicklung (European Football for Development Network, EFDN), das Profivereine umfasst, die sich ihren Gemeinden verpflichtet fühlen und Aktivitäten im Bereich der sozialen Verantwortung durchführen. 

Jules Rasoelbaks, ein ehemaliger Häftling, über dessen berührenden Weg zurück ins Leben UEFA.com im April berichtet hat, ist Koordinator bei „De Hoop“, einem Rehabilitationszentrum in Dordrecht, das Drogenabhängigen und Menschen mit psychischen Problemen bei der Wiedereingliederung in die Gesellschaft hilft.

Jules, der Menschen dabei unterstützt, Probleme zu bewältigen, ihr Leben zu verändern und – so wie er – neu anzufangen, betreute beim „Euro Football Festival“ ein Team von „De Hoop“.

Jules Rasoelbaks schätzte das Gemeinschaftsgefühl beim Turnier.
Jules Rasoelbaks schätzte das Gemeinschaftsgefühl beim Turnier.©Ien Wille

„Es ist großartig, hier zu sein“, so Jules. „Dies ist ein besonderes Turnier, denn es bringt die einende Kraft des Fußballs zum Ausdruck. Es ist ein so wunderbarer Sport, da er Menschen zusammenbringt. Alle hier verbringen diesen Tag gemeinsam, egal wer oder was sie sind.“ 

Während des Turniers stand Jules gelassen an der Seitenlinie und leitete seine 17- bis 32-jährigen Schützlinge an. Gelegentlich ein aufmunterndes Wort oder ein Ratschlag war alles, was es benötigte, um seine Truppe zu motivieren. „Ich ziehe es vor, mich zurückzunehmen – das Team kommt gut alleine zurecht“, sagte er.

Jules war mehrere Male im Gefängnis und über zwei Jahrzehnte lang drogenabhängig. Heute hat er eine Vorbildrolle und dabei wird ihm, der es geschafft hat, seine Probleme hinter sich zu lassen und ein neues Leben anzufangen, großer Respekt zuteil. 

„Er ist ein Vorbild für alle“, so der Projektleiter von „Dutch Sports Works“, Gerko Brink. „Jules hat es geschafft, sein Leben zu verändern. Sehen Sie nur, was er heute macht... er betreut und motiviert andere.“  

Die belgische Torhüterlegende Jean-Marie Pfaff spielte für eines der Teams.
Die belgische Torhüterlegende Jean-Marie Pfaff spielte für eines der Teams.©Ien Wille

An diesem Tag in Dordrecht teilten sich Jules, sein Team und andere Teilnehmer das Spielfeld mit bekannten ehemaligen Spielern wie dem ehemaligen belgischen Torhüter Jean-Marie Pfaff und den niederländischen Stars Andy van der Meyde und Sjaak Polak. Im Rahmen von Workshops wurden bewährte Vorgehensweisen präsentiert; dabei erklärten Vertreter der Stiftung des FC Fulham und der Haftanstalt Feltham aus England ihre Wiedereingliederungsarbeit zugunsten junger Häftlinge, während das niederländische Reintegrationszentrum RIC seine Programme vorstellte. 

Als stolze Schlüsselfigur dieser dritten Ausgabe des „Euro Football Festivals“ konnte Gerko Brink das Ergebnis seiner eigenen Arbeit und jener verschiedener Partnerorganisationen betrachten – eine freundschaftliche, angeregte Veranstaltung, bei der auf dem Kunstrasen der Haftanstalt Dordrecht etliche talentierte Spieler zu sehen waren, und die zahlreichen Interessenträgern vielfältige Gelegenheiten zur Kontaktpflege bot.

„Mein Job besteht darin, Verbindungen zwischen Haftanstalten und der Sportwelt in den Niederlanden herzustellen“, sagte Brink. „So versuchen wir zum Beispiel, Insassen über Fußballklubs in ein neues soziales Umfeld zu integrieren, wo sie als ehrenamtliche Helfer anfangen und, falls sie gute Arbeit leisten, über das Netzwerk des Vereins eine bezahlte Arbeit finden können.“

Gerko Brink ist zuversichtlich, dass sich das Turnier in Zukunft weiterentwickeln wird.
Gerko Brink ist zuversichtlich, dass sich das Turnier in Zukunft weiterentwickeln wird.©Gerko Brink

Brink erklärt, welche Bedingungen Häftlinge erfüllen müssen, um am Turnier teilzunehmen. „Es ist eine Belohnung für gute Führung“, erklärt er. „Wenn man sich im Gefängnis vorbildlich verhält, kann man an einem Tag wie heute hier Fußball spielen. Somit verfügt das Turnier auch über eine motivierende Komponente.“

Wie Jules will auch Brink dank seiner Begeisterung für den Fußball etwas Besonderes schaffen. „Wir unterstreichen die Kraft des Fußballs, er ist eine Triebfeder, die das Beste aus den Menschen herausholt“, betonte er. „Bei diesem Turnier interagieren Häftlinge mit Gefängnismitarbeitern und ehemaligen Profifußballern. Die Atmosphäre ist familiär und alle haben Spaß.“

Die Werte der UEFA-Kampagne #EqualGame finden sich auch in den Zielen des „Euro Football Festivals“ wieder. Brink ist begeistert von der Arbeit der UEFA. „Diese UEFA-Kampagne ist fantastisch und so erfolgreich, weil sie aufzeigt, dass der Fußball für alle da sein muss und Menschen verbindet.“

Das unterhaltsame Turnier, das umkämpft, jedoch von einem beispielhaften Fairplaygeist geprägt war, wurde vom Team der Goal-Stiftung gewonnen, das die ehemaligen Profis, den „FC De Rebellen“, im Endspiel bezwang. Jules Team von „De Hoop“ schlug sich achtbar und konnte einige Partien gewinnen – der Trainer zeigte sich zufrieden mit den Leistungen.

Guter Fußball und jede Menge Tore.
Guter Fußball und jede Menge Tore.©Ien Wille

„Heute ging es natürlich nicht alleine um den Sieg, es ging vor allem darum, Spaß zu haben“, gab er zu bedenken.  

Am Ende des Turniers war große Motivation spürbar, diese Initiative in den kommenden Jahren weiterzuentwickeln, mehr Teams aus dieser besonderen Zielgruppe einzuladen und den gesellschaftlichen Nutzen für die Teilnehmer zu verstärken. „Ich hoffe zudem, dass unser Fußballfestival in Dordrecht als Vorbild für andere Länder dienen kann“, so Brink.

Jules Rasoelbaks war an der Seitenlinie die Ruhe selbst.
Jules Rasoelbaks war an der Seitenlinie die Ruhe selbst.©Ien Wille

Jules Rasoelbaks, der Mann, der auf so beeindruckende Weise seinen Weg zurück ins Leben gefunden hat, freute sich seinerseits darüber, im Rahmen dieser außergewöhnlichen Demonstration der beispiellosen sozialen Kraft des Fußballs eine Rolle spielen zu dürfen. „Ich bin dankbar für diese Chance“, sagte er mit Blick auf seinen aktuellen Lebensweg. 

„Jules ist definitiv ein Vorbild für alle, die in ihrem Leben Probleme haben“, betonte Gerko Brink. „Er hat bewiesen, dass jeder eine zweite Chance erhalten kann.“  

 

 

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