Erster Schritt gegen institutionelle Diskriminierung

Die UEFA hat mit FARE und anderen Fußballverbänden in Amsterdam ein Seminar organsiert, das die institutionelle Diskriminierung im Fußball vorstellte und nach Lösungsmöglichkeiten suchte.

Şenes Erzik, der erste Vizepräsident der UEFA, spricht während des Seminars
Şenes Erzik, der erste Vizepräsident der UEFA, spricht während des Seminars ©KNVB

Erste Schritte sind unternommen worden, um institutionellen Rassismus im Fußball zu bekämpfen. In Amsterdam haben die UEFA, der Königlich-Niederländische-Fußballverband (KNVB), die englische FA und das Netzwerk Football Against Racism in Europe (FARE) sich des Themas in einem Seminar angenommen.

Wie UEFA-Vizepräsident Şenes Erzik den Delegierten erklärte, war es das erste Treffen dieser Art. "Es ist das erste Mal, dass die UEFA oder irgendein anderer Fußballdachverband sich diesem Problem angenommen haben, das bisher nicht so recht wahrgenommen wurde", sagte er. "Es braucht einigen Mut und einige Courage, etwas zu tun, was zuvor noch nie getan wurde. Der Ausschluss einzelner Menschen von Teilen unseres Sports - besonders in den Verwaltungs- und Management-Sektoren - ist eine wichtige Angelegenheit."

Dr. Steven Bradbury - Senior Research Associate beim Institut für Jugendsport an der Schule für Sport, Leibesübungen und Gesundheitswissenschaften an der Loughborough University - stellte einen Forschungsbericht über die Repräsentation von Minderheiten im europäischen Fußball vor. Er zeigte, dass institutionelle Diskriminierung unter anderem das kollektive Versagen - beabsichtigt oder unbeabsichtigt -  einer Organisation dabei ist, den Menschen mit verschiedenen ethnischen, kulturellen oder religiösen Hintergründen oder verschiedenen Geschlechtern angemessen zu dienen.

So wurde in dem Bericht zur institutionellen Diskriminierung darauf aufmerksam gemacht, dass es eine sehr niedrige Anzahl von weiblichen Trainern im professionellen und Amateurfußball in Europa gibt, ebenso wie es sehr wenige Frauen in hohen offiziellen Posten in Männer-Profi-Vereinen oder in Fußballdachverbänden gibt.

Es gibt allerdings auch von positiven Beispielen zu berichten. In Norwegen hat man seit 1985 ein Quotensystem eingeführt, wobei mindestens eine Frau in jedem Zentralkomitee sitzen muss. Das hat zu einer Frauenbeteiligung von 40 % geführt und dazu, dass Karen Espelund 1996 die erste weibliche Vizepräsidentin des Norwegischen Fußballverbands (NFF) und später dann auch Generalsekretärin wurde.

"Ich hätte meine Kompetenz nie unter Beweis stellen können, wenn es das Quotensystem nicht gegeben hätte", sagte sie. "Natürlich muss man sich [dann in der Position] auch beweisen, aber Quoten sind am Anfang extrem wichtig."

Ein anderer Punkt ist, dass obwohl 32,7 Prozent der Spieler auf höchstem Level ausgewanderte Migranten aus Europa, Afrika und Südamerika sind, nur ein Prozent der hochrangingen Offiziellen bei Profiklubs und Mitgliedern von Exekutivkomitees in nationalen und regionalen Verbänden aus Minderheiten kommt.

Pape Diouf, der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Olympique de Marseille, zollte den Organisatoren des Amsterdamer Seminars Lob. Er sagte, dass obwohl ein großer Teil der Spieler in Frankreich schwarzer Hautfarbe seien, nach ihrer Karriere nur wenige von ihnen Trainer werden oder in hochrangige Verwaltungsposition gehen würden. "Das ist nicht nur ein Problem des Fußballs - es liegt an der Gesellschaft", sagte er. "Ich war der erste schwarze Vereinspräsident in Frankreich und ich hoffe, dass ich nicht der letzte gewesen bin."

Bryan Roy, Ex-Spieler von AFC Ajax und Notthingham Forest FC und zurzeit Jugendtrainer bei Ajax, reflektierte darüber, wer ihm bei den ersten Schritten nach seiner Karriere behilflich war und betonte die Wichtigkeit einer guten Ausbildung - "das ist keine Frage von schwarz oder weiß", sagte er. "Johann Cruyff zum Beispiel eröffnete seine eigene Akademie, um es so jungen Sportlern zu ermöglichen, eine Ausbildung zu erhalten und es leichter für sie zu machen, nach ihrer Karriere dem Sport erhalten zu bleiben. Ich denke, dass die Ausbildung der Schlüssel ist."

Alle Delegierten waren sich dabei einig, dass das Treffen in Amsterdam einen ersten Schritt auf zukünftige Lösungen hin war. "Manche Dinge kann man so einfach ändern. Ich rufe die Präsidenten der Nationalverbände dazu auf, aufzustehen und jedem klarzumachen, dass wir die heutige Landschaft einfach verändern können", sagte KNVB-Präsident und UEFA-Exekutivkomitee-Mitglied Michael van Praag.

"Die Leiter der Verbände, ob im Fußball oder in anderen Sportarten, können Geisteshaltungen verändern, denn das ist das erste, was man ändern muss. Und ich denke, dass jeder der hier ist, die Dinge nun schon anders sieht als heute Morgen. Ich möchte der FA, FARE und der UEFA und allen Teilnehmern für diese hochrangige Initiative danken."

 

 

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