VSA-Konferenz setzt auf Dialog

Die UEFA, ihre Mitgliedsverbände und wichtige Interessenträger haben anlässlich einer Konferenz in Nyon den Einsatz des Video-Schiedsrichterassistenten (VSA) erörtert, ihre Zusammenarbeit bei der Umsetzung des Systems in Europa gestärkt und Entwicklungen auf dem Gebiet der bewährten Vorgehensweisen besprochen.

VSA (Video-Schiedsrichterassistent).
VSA (Video-Schiedsrichterassistent). ©Sportsfile

Die UEFA und ihre 55 Mitgliedsverbände setzen im Schiedsrichterwesen auf Dialog, wobei der Video-Schiedsrichterassistent (VSA) im Mittelpunkt der Gespräche stand.

Eine Konferenz im Haus des europäischen Fußballs in Nyon hat die UEFA mit Leitern der Schiedsrichterabteilungen sowie mit Wettbewerbsverantwortlichen aus europäischen Verbänden, Vertretern des Weltfußballverbands FIFA und den Regelhütern des Fußballs, dem International Football Association Board (IFAB), sowie VSA-Projektmanagern der Nationalverbände zusammengebracht. Der Anlass ermöglichte eine eingehende Diskussion über die Entwicklungen des VSA-Systems, mit dessen Einführung die UEFA in verschiedenen europäischen Wettbewerben begonnen hat.

Der VSA, der im vergangenen Jahr in die IFAB-Spielregeln aufgenommen wurde, überprüft Entscheidungen des Schiedsrichters in bestimmten Schlüsselsituationen eines Spiels und verwendet dafür Videomaterial und ein Headset zur Kommunikation.

Hier erfahren Sie mehr zum VSA.

Der VSA wurde in diesem Frühjahr in der K.-o.-Phase der UEFA Champions League zum ersten Mal in einem UEFA-Wettbewerb eingesetzt und ist in dieser Saison ebenfalls für die Playoffs in der Champions League vorgesehen. Das System soll zudem 2020/21 in der UEFA Europa League eingeführt werden und fand bereits bei der UEFA Nations League und der Endrunde der U21-EM diesen Sommer Anwendung. Darüber hinaus wird es im UEFA-Superpokal und bei der UEFA EURO 2020 zum Einsatz kommen.

Ziel der Konferenz in Nyon war es, eine Plattform für den Austausch zum VSA und dessen Einführung in Europa zu bieten, und die jüngsten Entwicklungen bei bewährten Vorgehensweisen zu besprechen. Roberto Rosetti, der Vorsitzende der UEFA-Schiedsrichterkommission, erklärte den Konferenzteilnehmern die Grundsätze des VSA sowie die Entwicklungen, die zur Einführung des Systems durch die UEFA geführt haben. „Die Verbände haben dem Thema VSA großes Interesse entgegengebracht und diese Konferenz ist eine Möglichkeit, zusammenzukommen, Erfahrungen auszutauschen und den Erfahrungen anderer Länder Gehör zu schenken.“

Rosetti erklärte die Grundsätze des VSA. „Das Vorhaben ist von großem Nutzen für den Fußball, den wir schützen müssen", betonte er. Er unterstrich, dass der VSA nicht darauf angelegt sei, den Fußball zu verändern. „Wir hoffen, einen größtmöglichen Nutzen mit möglichst wenigen Eingriffen zu erreichen. Der Schiedsrichter bleibt für die Entscheidungsfindung verantwortlich, aber der VSA ist bei Bedarf verfügbar, um einzugreifen.“

Im vergangenen Jahr fanden verschiedene UEFA-VSA-Schulungen statt.
Im vergangenen Jahr fanden verschiedene UEFA-VSA-Schulungen statt.©UEFA

Es benötige Zeit und Sorgfalt, um Schiedsrichter im Hinblick auf ihren Einsatz als Video-Schiedsrichterassistenten auszubilden und vorzubereiten, so Rosetti. In der letzten Saison hat die UEFA eine Gruppe junger Unparteiischer aus Ländern, die den VSA bis dato noch nicht eingeführt hatten, ausgebildet und konnte sie anschließend für die Endrunde der U21-EM in Italien aufbieten.

„In der nächsten Saison können wir diese Schiedsrichter auch für die UEFA Champions League einsetzen. Zudem wird die UEFA ihr Ausbildungsprogramm in der nächsten Saison fortsetzen, damit wir mehr Schiedsrichterteams für Spiele der UEFA Europa League 2020/21 aufbauen können.“

UEFA-VSA-Schulung zur Überprüfung von Schiedsrichterentscheiden.
UEFA-VSA-Schulung zur Überprüfung von Schiedsrichterentscheiden.©Sportsfile

Rosetti erklärte, dass weiterhin an der Geschwindigkeit der Kommunikation zwischen dem Videoschiedsrichterassistenten und dem Unparteiischen auf dem Spielfeld sowie der Überprüfung von Entscheidungen gearbeitet werde. „Unseres Erachtens gilt es abzuwägen, wann ein VSA-Einsatz erforderlich ist. Das ist eine Gratwanderung, an der wir weiterhin arbeiten, denn das Ziel sollte nicht sein, in jedem Spiel drei oder vier Eingriffe zu haben. Natürlich freuen wir uns, wenn der Schiedsrichter die richtige Entscheidung trifft. Bei der Überprüfung der Schiedsrichterentscheidungen kommt es auf Genauigkeit an, aber auch der Zeitaufwand spielt eine Rolle. Ziel ist es, schneller und effizienter zu werden.“ 

Vertreter einiger der elf europäischen Verbände, die den VSA bereits eingeführt haben – darunter die Niederlande, Polen, Italien und Deutschland – lieferten wichtige Ratschläge auf der Grundlage ihrer Erfahrungen im Hinblick auf das Management, finanzielle Investitionen sowie technische und technologische Vorbereitung. Im Rahmen dieses Wissensaustauschs leisteten sie wertvolle Unterstützungsarbeit für ihre Kollegen aus anderen Verbänden.

IFAB-Generalsekretär Lukas Brud gab den europäischen Verbänden wertvolle Ratschläge zur Umsetzung des VSA-Systems. „Es ist ein großes Vorhaben, das nicht einfach in einer kurzen Zeit realisiert werden kann“, betonte er. „Es ist wichtig zu verstehen, wie viel Zeit es in Anspruch nehmen wird, und was auf dem Spiel steht, sowohl in Sachen Kontrolle als auch bei der Vorbereitung. Dafür ist harte Arbeit nötig und es müssen zahlreiche Auflagen erfüllt werden, bevor die FIFA und das IFAB grünes Licht geben. „Sie müssen die geeigneten Infrastrukturen schaffen – was bedeutet das für uns? Wen sollen wir dafür ernennen? Beachten Sie Kostenpunkte, die Ausbildung von Schiedsrichtern und vergewissern Sie sich, dass die Technologie geeignet ist. Das IFAB, die FIFA und auch die UEFA, die ihre eigenen Erfahrungen gesammelt hat, können Sie bestmöglich unterstützen und somit den Weg zur offiziellen Genehmigung für die Einführung des Systems ebnen.“

Johannes Holzmüller, Leiter der FIFA-Abteilung für Fußballtechnologie und -innovation, lieferte wichtige Einblicke, darunter Mindestanforderungen an den VSA-Betrieb, das Bildmaterial und den Schiedsrichter-Videobereich. Holzmüller äußerte sich auch zu den technischen Anbietern von VSA und deren Auswahl, zur Kommunikationstechnologie für Schiedsrichter und zu den Test-, Prüf- und Genehmigungsverfahren. Er erläuterte die verschiedenen Elemente einer zentralisierten VSA-Lösung, die einen Kontrollraum an der Spielstätte umfasst, und einer dezentralisierten VSA-Lösung, bei der sich der Betrieb auf mobile Kontrollräume an verschiedenen Orten aufteilt.

Im Vorfeld der Konferenz war das VSA-System eines von diversen Themen, die in Nyon bei einem Treffen zwischen der UEFA und den Leitern der Schiedsrichterabteilungen europäischer Verbände im Zuge einer Intensivierung des Dialogs mit den wichtigsten Akteuren aus dem Schiedsrichterwesen in den Mitgliedsverbänden besprochen wurde.

„Es ist entscheidend, dass die UEFA und die Verbände koordiniert zusammenarbeiten und im Bereich des Schiedsrichterwesens mit einer gemeinsamen Stimme sprechen", hob Rosetti hervor. „Nach diesem ersten Treffen wird eine solche Zusammenkunft zu einem festen Bestandteil unserer Aktivitäten werden. Dadurch erhielten wir die Möglichkeit, die UEFA-Strategien vorzustellen, Rückmeldungen aus ganz Europa zum Schiedsrichterwesen und zu technischen Fragen einzuholen, die letzte Saison zu rekapitulieren und gleichzeitig vorauszublicken – der Weg zur UEFA EURO 2020 und die Ausbildung der nächsten Generation von Spitzenschiedsrichtern geben dazu Anlass.“

Auch die Leistung der Schiedsrichter in der Schlussphase der UEFA-Klubwettbewerbe wurde bei diesem Treffen gelobt. „Die Leistung der Schiedsrichter war kein Thema, das war für uns erfreulich“, erklärte Rosetti. „Zudem war kein VSA-Einsatz in den Halbfinalbegegnungen und den Endspielen nötig – ein Ausdruck der guten Schiedsrichterleistungen in diesen Partien.“
 

 

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