Schiedsrichter bereiten sich in Madrid auf den VAR vor

Die UEFA führt in der nächsten Spielzeit den Video-Schiedsrichterassistenten (VSA) ein und die europäischen Schiedsrichter stellen sich bereits sorgfältig darauf ein – der jüngste Kurs in Madrid stellte dabei einen weiteren wichtigen Schritt in den Vorbereitungen dar.

Der finnische Schiedsrichter Mattias Gestranius überprüft eine Spielszene am Bildschirm unter Anleitung des obersten Schiedsrichterverantwortlichen der UEFA, Roberto Rosetti.
Der finnische Schiedsrichter Mattias Gestranius überprüft eine Spielszene am Bildschirm unter Anleitung des obersten Schiedsrichterverantwortlichen der UEFA, Roberto Rosetti. ©Sportsfile

Die UEFA und die europäischen Schiedsrichter bereiten sich akribisch auf die Einführung des Video-Schiedsrichterassistenten (VSA) in den UEFA-Wettbewerben ab der nächsten Saison vor.

Eine intensive viertägige VSA-Schulung.
Eine intensive viertägige VSA-Schulung.©Sportsfile

Bei einem viertägigen Kurs in Madrid absolvierte eine Gruppe von Schiedsrichtern, die in ihren Ländern nur über begrenzte Erfahrung mit VSA verfügen, theoretische und praktische Übungen, die sie auf die Einführung des Video-Schiedsrichterassistenten vorbereiten sollen, der ab den Playoffs der UEFA Champions League im kommenden August zum Einsatz kommen wird. Am letzten Kurstag stießen Eliteschiedsrichter dazu, die bereits Erfahrungen mit dem VSA gesammelt haben; die UEFA ist derweil bestrebt, einen einheitlichen Ansatz für all ihre Referees in diesem Lernprozess sicherzustellen.

Der Kurs in Madrid wurde vom Spanischen Fußballverband (RFEF) in seinem nationalen Trainingszentrum im Madrider Vorort Las Rozas ausgerichtet; es war die zweite Schulung dieser Art nach der Premiere im nationalen Trainingszentrum des Niederländischen Fußballverbands (KNVB) in Zeist im vergangenen Monat.

Die Teilnehmer der VAR-Schulung kommen aus ganz Europa.
Die Teilnehmer der VAR-Schulung kommen aus ganz Europa.©Sportsfile

Der Video-Schiedsrichterassistent überprüft Entscheidungen des Schiedsrichters in bestimmten Schlüsselsituationen eines Spiels und verwendet dafür Videomaterial und ein Headset zur Kommunikation. Der VSA wurde in diesem Jahr von den Regelhütern vom International Football Association Board (IFAB) nach einer Testphase in mehreren großen Wettbewerben in die offiziellen Fußball-Spielregeln aufgenommen. Im September beschloss das UEFA-Exekutivkomitee seinerseits, den VAR in den UEFA-Wettbewerben einzuführen. Neben der UEFA Champions League wird der Videoassistent auch im UEFA-Superpokal 2019 zum Einsatz kommen. Danach plant die UEFA, das VSA-System auch bei der EURO 2020, in der UEFA Europa League 2020/21 (ab der Gruppenphase) sowie in der Endphase der UEFA Nations League 2021 anzuwenden.

Der litauische Schiedsrichter Gediminas Mažeika leitet ein Trainingsspiel zwischen zwei Juniorenteams.
Der litauische Schiedsrichter Gediminas Mažeika leitet ein Trainingsspiel zwischen zwei Juniorenteams.©Sportsfile

Mit dem aktuellen Schulungsprogramm für die Schiedsrichter soll eine reibungslose und effiziente Einführung des Systems in den UEFA-Wettbewerben sichergestellt werden; in den kommenden Monaten werden weitere Kurse stattfinden. „Dieses Projekt erfordert Zeit, Vorbereitung und harte Arbeit“, sagte der oberste Schiedsrichterverantwortliche der UEFA, Roberto Rosetti. „Das Projekt ist nicht nur für die Schiedsrichter, sondern für den gesamten europäischen Fußball von Bedeutung. Ziel ist es, klare Fehler zu vermeiden, und dieses Projekt und die Schulungen helfen den Schiedsrichtern dabei, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Entscheidend ist, dass wir für ein einheitliches Vorgehen sorgen. Wir müssen dieselbe Sprache sprechen.“ 

Der Einsatz des VSA wird geübt.
Der Einsatz des VSA wird geübt.©Sportsfile

Für den Kurs in Madrid wurden mit modernster Technik und mehreren Bildschirmen ausgestattete Räume des RFEF-Zentrums genutzt, während die Kameras auf zwei Mannschaften auf dem Spielfeld gerichtet waren. Die Kursteilnehmer saßen jeweils mit einem VSA-Assistenten (AVSA), der Hilfestellung gab, sowie mit einem Techniker zusammen, überprüften die vom Schiedsrichter auf dem Spielfeld getroffenen Entscheidungen und kommunizierten dabei mit dem Unparteiischen. Darüber hinaus absolvierten die Kursteilnehmer Simulationen mit Videomaterial vergangener Spiele, bei denen sie die Überprüfung von Entscheidungen sowie die Kommunikation mit dem Schiedsrichter, dem AVSA und dem Techniker übten. Sie wurden dabei kontinuierlich von VSA-Ausbildern und von Mitgliedern der UEFA-Schiedsrichterkommission angeleitet.

Im Rahmen des Lernprozesses erhielten die Schiedsrichter auch Einblicke in verfahrenstechnische und kommunikative Aspekte des VSA-Systems und absolvierten Protokoll- und Videotests, zu denen sie laufend Rückmeldungen gaben. Der ehemalige spanische Topreferee Carlos Velasco Carballo schilderte seinerseits die bisher in Spanien mit dem Videoassistenten gemachten Erfahrungen.

Der oberste UEFA-Schiedsrichterverantwortliche Roberto Rosetti gibt bei einer VSA-Übung Ratschläge.
Der oberste UEFA-Schiedsrichterverantwortliche Roberto Rosetti gibt bei einer VSA-Übung Ratschläge.©Sportsfile

„Heute kann jedermann Spielszenen am Fernseher oder auf dem Handy überprüfen“, so Roberto Rosetti. „Der einzige, der das nicht kann, ist der Schiedsrichter – dabei ist er derjenige, der die Entscheidungen trifft. Wir müssen die Schiedsrichter dabei unterstützen, die richtige Entscheidung zu treffen – dazu dient dieses Projekt.“

Die Kursteilnehmer in Madrid lobten die Schulung als äußerst positive Erfahrung. „Es ist sehr wichtig für unsere Entwicklung und für die Entwicklung innerhalb des Fußballs“, sagte der schottische Referee Bobby Madden. „Die UEFA hat erkannt, dass das System Vorteile für die Schiedsrichter und den Fußball bringt. Da wir bei diesem Kurs zum ersten Mal mit dem VSA in Berührung kommen, ist es für uns wichtig zu verstehen, wo und wann das System nützlich sein kann.“

Die VSA-Schulung fand im nationalen Trainingszentrum des spanischen Verbands in Las Rozas statt.
Die VSA-Schulung fand im nationalen Trainingszentrum des spanischen Verbands in Las Rozas statt.©Sportsfile

„So sieht die Zukunft aus“, fügte der slowenische Unparteiische Matej Jug hinzu. „In diesem Kurs lernen wir das VSA-System korrekt anzuwenden, und daher ist es wichtig, dass wir uns mit denjenigen austauschen können, die damit bereits Erfahrungen gemacht haben.“ Die Eliteschiedsrichter, die erst gegen Ende des Kurses dazustießen, begrüßten allesamt die Einführung des VSA in den UEFA-Wettbewerben. „Es gibt mir mehr Vertrauen“, so der türkische Referee Cüneyt Çakır. „Wir wissen, dass korrigierend eingegriffen werden kann, wenn uns ein wirklich klarer und offensichtlicher Fehler unterläuft.“

Die Eliteschiedsrichter beim Training in Madrid.
Die Eliteschiedsrichter beim Training in Madrid.©Sportsfile

„Für mich ist der VSA ein zusätzliches Instrument zur Unterstützung meiner Entscheidungen“, fügte sein deutscher Kollege Felix Brych hinzu. „Bisher habe ich wirklich gute Erfahrungen mit dem System gemacht.“ Der Engländer Anthony Taylor bezeichnete VSA als „grundsätzlichen Fortschritt für die Schiedsrichter – alles, was uns dabei hilft, die richtigen Entscheidungen auf dem Spielfeld zu treffen, muss als positiv betrachtet werden.“ „Es ist ein sehr wichtiges Projekt, und die Schiedsrichter sind sehr zufrieden damit“, bilanzierte der niederländische Schiedsrichter Björn Kuipers.

 

 

 

 

 

 

 

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