Marciniak fiebert seinem Einsatz in Tallinn entgegen

Szymon Marciniak, der am Mittwoch den UEFA-Superpokal leitet, räumt ein, dass er als Spieler nicht das beste Verhältnis zu den Schiedsrichtern hatte – eine rote Karte veränderte jedoch sein Leben und führte ihn auf einen neuen Karriereweg.

Szymon Marciniak, Schiedsrichter beim UEFA-Superpokal 2018.
Szymon Marciniak, Schiedsrichter beim UEFA-Superpokal 2018. ©Getty Images
Szymon Marciniak bei einem Vortrag im Rahmen des diesjährigen Schiedsrichter-Sommerkurses der UEFA.
Szymon Marciniak bei einem Vortrag im Rahmen des diesjährigen Schiedsrichter-Sommerkurses der UEFA.©UEFA

Als ehrgeiziger, kämpferischer Mittelfeldspieler des polnischen Erstligisten Wisła Płock hatte Szymon Marciniak nach eigener Aussage nicht den größten Respekt für Schiedsrichter – eine rote Karte veränderte jedoch sein Leben und führte ihn auf einen neuen Weg, der ihn zu einem der besten Referees Europas werden ließ.

„Ich war sicher kein einfacher Spieler“, sagte der 37-jährige polnische Unparteiische, der sich derzeit auf seinen nächsten Einsatz vorbereitet – die Leitung des UEFA-Superpokals zwischen Real Madrid und Atlético Madrid am Mittwoch in Tallinn. „Ich war ehrgeizig, wollte gewinnen und machte den Schiedsrichtern das Leben sehr schwer – ich war ständig am Reklamieren.
Doch dann wurde ich in einem Spiel des Feldes verwiesen. Mit der Entscheidung des Schiedsrichters war ich natürlich nicht einverstanden, und das ließ ich ihn auch wissen. Nach dem Spiel habe ich ihm gesagt, er sei einer der schlechtesten Schiedsrichter, die ich je gesehen habe. Er antwortete mir, ich solle es doch selber versuchen, wenn ich es für so einfach halte. Das habe ich dann auch getan.“

Er meldete sich für einen Schiedsrichterkurs an – der Rest ist Geschichte. Marciniak und der schicksalhafte Referee sind mittlerweile nicht nur Kollegen, sondern enge Freunde geworden. „Wir haben darüber gelacht, wie ich mich als Spieler verhalten habe, und als ich dann internationaler Schiedsrichter wurde, hat er mich als vierter Offizieller zu einem U21-Qualifikationsspiel begleitet. Ich habe ihm immer gesagt, dass seine Entscheidung, mich des Feldes zu verweisen, die richtige war. Es ist eine witzige Geschichte.“

Seither stand Marciniak unter anderem bei der WM 2018, der EURO 2016 und bei unzähligen Europapokalpartien im Einsatz. In der vergangenen Saison fungierte er beim Finale der UEFA Europa League in Lyon, bei dem Atlético Madrid Olympique Marseille bezwang, als vierter Offizieller. Ebenfalls vierter Offizieller war er beim UEFA-Superpokal 2016 in Trondheim, bei dem Real Madrid gegen den FC Sevilla als Sieger vom Platz ging. 2015 leitete er das Finale der U21-Europameisterschaft zwischen Schweden und Portugal. 

Die in seiner aktiven Zeit gesammelten Erfahrungen kommen ihm beim Umgang mit den Spielern auf den Platz zugute. „Der Umgang mit den Spielern ist einer der wichtigsten Aspekte des Schiedsrichterjobs“, so Marciniak. „Man muss eine Beziehung zu den Spielern aufbauen können. Wenn man selber gespielt hat, weiß man, wie die Spieler in bestimmten Situationen reagieren.“

Szymon Marciniak ist dankbar für die Ausbildung, die er 2011 am UEFA-Schiedsrichter-Exzellenzzentrum (CORE) absolvieren durfte – in diesem Jahr wurde er auch internationaler Schiedsrichter. „Ich durfte einige großartige Personen treffen, die mir sehr viel beigebracht haben“, blickt er auf seine Zeit als angehender Topreferee zurück. „Ich habe mir viel Wissen angeeignet, das ich im Verlauf der Zeit in der Praxis anwenden konnte.“

In Tallinn wird Marciniak von fünf Landsleuten unterstützt – den Schiedsrichterassistenten Paweł Sokolnicki und Tomasz Listkiewicz, den zusätzlichen Schiedsrichterassistenten Paweł Raczkowski und Tomasz Musiał, sowie dem Ersatzschiedsrichter Radosław Siejka. Als vierter Offizieller wird der Rumäne Ovidiu Alin Hategan fungieren. Marciniak erklärt, dass er sich auf den UEFA-Superpokal genauso vorbereiten werde wie auf jedes andere Spiel.

„In der Umkleidekabine wird ein bisschen Musik laufen, das hilft mir dabei, zu entspannen. Wir werden bereit und fokussiert sein. In der Vorbereitung auf das Spiel werden wir uns auch mit der Spielweise der Mannschaften sowie mit den einzelnen Spielern und ihren Eigenschaften auseinandersetzen – mittlerweile ist es sehr wichtig, möglichst viel über die Mannschaften zu wissen, bevor man auf den Platz geht.“

Szymon Marciniak ist entschlossen, auf dem Boden zu bleiben und jeden Augenblick seiner Karriere als Schiedsrichter zu genießen. „Ich versuche, derselbe zu bleiben. Spiele wie den Superpokal leiten zu dürfen, ist eine Belohnung für die harte Arbeit und die Opfer, die man bringt, um dieses Level zu erreichen. Deshalb bin ich sehr stolz.“

Seine Pläne für die Zukunft? „Ich nehme alles Schritt für Schritt“, so Marciniak. „Man darf nicht zu weit vorausplanen – ich bin in einem guten Schiedsrichteralter und verfüge nun über viel Erfahrung, was mir in den nächsten Jahren hoffentlich zugutekommen wird. Jemand hat mir mal gesagt, dass, wenn man ein hohes Niveau erreicht habe, es dann am schwierigsten sei, dieses Niveau zu halten. Jetzt fiebere ich dem Superpokal entgegen – und danach mache ich mir dann erste Gedanken zum nächsten Einsatz...“

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