Die Bedeutung der sozialen Rendite

Welche Vorteile bietet der Fußball auf individueller, kommunaler oder sogar nationaler Ebene? Das SROI-Modell (SROI: social return on investment = soziale Rendite) von UEFA GROW versucht, eine Antwort auf diese Frage zu geben.

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Der Fußball hat zahlreiche Vorteile – sowohl auf als auch neben dem Platz. Durch den Fußball bleiben die Menschen körperlich fit und lernen wichtige Kompetenzen für das Leben; außerdem bietet er Millionen Menschen weltweit wunderbare Unterhaltung. Welche Vorteile bietet er nun auf individueller, kommunaler oder sogar nationaler Ebene?

Das SROI-Modell (SROI: social return on investment = soziale Rendite) von UEFA GROW versucht, eine Antwort auf diese Frage zu geben. Das UEFA-GROW-Programm wurde 2015 eingeführt und hat sich für die Nationalverbände in Europa zur zentralen Plattform für Geschäftsentwicklung mit Blick auf ein systematisches und strategisches Wachstum des Fußballs entwickelt. GROW bietet den UEFA-Mitgliedsverbänden maßgeschneiderte Beratung in verschiedenen Bereichen.

Das UEFA-GROW-SROI-Modell berücksichtigt derzeit sieben UEFA-Mitgliedsverbànde
Das UEFA-GROW-SROI-Modell berücksichtigt derzeit sieben UEFA-Mitgliedsverbànde©UEFA

Im Rahmen des Programms wurde das SROI-Modell zur Bewertung des Nutzens des Fußballs in einem Land nun auf den Breitenfußball ausgeweitet. Dabei liegt der Fokus auf den vier Bereichen Wirtschaft, Gesellschaft, Gesundheit und Leistung (im Fußball), um herauszufinden, welche Auswirkungen die Teilnahme am Fußball auf breiter Ebene in diesen Bereichen hat. Anschließend werden die nachweislichen Vorteile in den ersten drei Bereichen mit einem monetären Gegenwert beziffert. Das UEFA-GROW-SROI-Modell berücksichtigt derzeit sieben UEFA-Mitgliedsverbände, die zusammen 10,6 Mio. registrierte Spieler zählen und einen monetären Beitrag von insgesamt EUR 6,35 Mrd. für die Gesellschaft leisten.

Gegenwert von EUR 1,42 Mrd. für die schottische Gesellschaft
Der Schottische Fußballverband (SFA) gehört zu den ersten Anwendern des SROI-Modells, mit dem der Nachweis erbracht werden soll, dass Investitionen in die Teilnahme am Fußball auf breiter Ebene einen deutlichen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und gesundheitlichen Nutzen haben. Das UEFA-GROW-Programm zahlt sich bereits aus – allein durch Fußballspielen entsteht der schottischen Gesellschaft ein Beitrag von rund EUR 1,42 Mrd.

Im Zusammenhang mit dem Breitenfußball beträgt der direkte wirtschaftliche Beitrag so über EUR 227 Mio., während mehr als EUR 340 Mio. für Sozialleistungen und knapp EUR 794 Mio. in vorbeugende Gesundheitsmaßnahmen investiert werden.

„Wir wissen schon seit vielen Jahren, dass unser Nationalsport positive Auswirkungen auf die Bevölkerung hat. Er kann eine Nation begeistern, Familien und ganze Gemeinden verbinden und einen Beitrag zu einer besseren Gesellschaft leisten“, erklärte SFA-Generalsekretär Ian Maxwell. „Die Ergebnisse des UEFA-GROW-Berichts unterstreichen das Ausmaß, in dem Fußball eine positive Kraft darstellt. Durch den Fußball werden sowohl die Bemühungen der schottischen Regierung in den Bereichen Gesundheit und Wohlergehen unterstützt als auch deutlich positive Auswirkungen auf die nationale Wirtschaft verzeichnet.“

Allerdings berücksichtigt das schottische Modell auch nicht registrierte Spieler, da die SFA zahlreiche Daten über Personen, die in ihrer Freizeit Fußball spielen, erhebt. Das UEFA-GROW-SROI-Modell beschränkt sich hingegen mit Blick auf die Wahrung eines wissenschaftlichen Ansatzes auf die Anzahl registrierter Spieler, d.h. Spieler, die mindestens zweimal pro Woche trainieren und 25-30 Partien pro Jahr bestreiten.

Beeindruckende Ergebnisse
Die Anwendung des SROI-Modells im Fußball auf nationaler Ebene ist völlig neu und wurde bisher auch in keiner anderen Sportart versucht. Die Quantifizierung der Vorteile sowie die Bestimmung ihres monetären Gegenwerts erfordert Datenerfassung, Forschungsarbeit und den Einsatz von Algorithmen. Wissenschaftler haben daher anhand von Peer-Reviews über 100 Forschungsberichte begutachtet, um sicherzustellen, dass die Ergebnisse für alle UEFA-Mitgliedsverbände konsistent sind. Außerdem wurden Algorithmen entwickelt, die automatisch nationale Faktoren in ganz Europa wie das BIP, Bevölkerungszahlen, Kosten der Gesundheitsversorgung und Mehrwertsteuersätze berücksichtigen.

„Die UEFA arbeitet mit Wissenschaftlern von zehn europäischen Universitäten sowie zwei auf diesen Sektor spezialisierten Agenturen zusammen“, erklärt Karl-Erik Nilsson, Präsident des Schwedischen Fußballverbands sowie erster UEFA-Vizepräsident und Vorsitzender der UEFA-HatTrick-Kommission. „Dank der Arbeit im Rahmen der Breitenfußball-Charta und im Bereich Frauenfußballentwicklung verfügen die meisten Nationalverbände über solide Daten zu Teilnehmerzahlen und zum Trainerwesen.“

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In einem ersten Schritt wurde das Modell in zwei Ländern getestet. Dabei entschied sich die UEFA für Schweden und Rumänien, da sich diese beiden Länder mit Blick auf Teilnehmerzahlen, Einrichtungen, Datenerfassung und das Personal im Fußball (ehrenamtliche Tätigkeiten / bezahlte Trainer) deutlich unterscheiden. Für die UEFA war es wichtig, ein Modell zu entwickeln, dass auf alle Mitgliedsverbände angewendet werden kann. Die fußballbezogenen Daten wurden ausgewertet und nationale Stellen bestätigten zusätzliche Angaben zu Bereichen wie Beschäftigung, Gesundheit und Infrastrukturentwicklung.

„Die Ergebnisse waren von Anfang an beeindruckend“, so Răzvan Burleanu, Präsident des Rumänischen Fußballverbands. „Trotz eines sehr konservativen Ansatzes war der monetäre Gegenwert der Teilnahme am Fußball auf breiter Ebene in wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und gesundheitlicher Hinsicht überwältigend.“

Schweden und Rumänien konnten so außerdem mehr Menschen motivieren, Fußball zu spielen, was sich auch in den Ergebnissen des SROI-Modells widerspiegelt. In Schweden betrug der monetäre Gegenwert für die Gesellschaft EUR 1,9 Mrd. mit Einsparungen im Gesundheitswesen von EUR 1 Mrd. In Rumänien wurden zusätzliche Investitionen in Höhe von EUR 272 Mio., ein Aufschwung der Wirtschaft und deutliche Einsparungen im Gesundheitswesen verzeichnet.

Zahlreiche Vorteile
Diese Analyse bietet zahlreiche Vorteile. Zum ersten Mal können Fußballadministratoren gegenüber Regierungsvertretern die nachweislichen Vorteile des Fußballs aufzeigen und wissenschaftliche Belege vorbringen, die von akademischen Einrichtungen, der Weltgesundheitsorganisation und dem erweiterten Teilabkommen über Sport des Europarats anerkannt sind. Anhand der nachgewiesenen umfassenden Vorteile können Fußballvertreter Gespräche mit Vertretern anderer Ministerien wie Gesundheit, Bildung, Justiz und Regionalentwicklung aufnehmen.

Ferner können auch die kommerziellen Partner im Fußball ihren Beitrag für die Gesellschaft durch die Unterstützung des Breitensports unterstreichen. Auf Anfrage des Schwedischen und des Rumänischen Fußballverbands ist es im Rahmen des Modells nun auch möglich, Ergebnisse auf regionaler Ebene anzuzeigen, um den jeweiligen Regionen die Möglichkeit zu geben, mit Vertretern der Regionalregierungen über den Nutzen ihrer Arbeit auf die Gemeinden vor Ort und die Wirtschaft zu sprechen.

Dieser Artikel stammt ursprünglich aus UEFA Direct Nr. 183

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