Fussball hilft Flüchtlingen

Ein Seminar im Rahmen des UEFA-Studiengruppen-Programms brachte 21 europäische Nationalverbände zusammen, um darüber zu diskutieren, wie der Fußball eingesetzt werden kann, um Flüchtlingen zu helfen.

Beim Seminar sprachen Vertreter von UEFA-Mitgliedsverbänden über Herausforderungen und teilten gute Praxisbeispiele für die Unterstützung von Flüchtlingen.
Beim Seminar sprachen Vertreter von UEFA-Mitgliedsverbänden über Herausforderungen und teilten gute Praxisbeispiele für die Unterstützung von Flüchtlingen. ©UEFA

In Dublin hat Anfang April im Rahmen des UEFA-Studiengruppen-Programms das Seminar „Fußball und Flüchtlinge“ stattgefunden, bei dem sich 21 Nationalverbände mit der Frage auseinandersetzten, wie Migranten über den Fußball unterstützt werden können.

Fußball kann Menschen zusammenführen, das gegenseitige Verständnis fördern und zum Abbau von Vorurteilen führen.

Rund um den Globus mussten insgesamt 65 Millionen Menschen ihre Heimat verlassen. Damit sind weltweit neun von 1 000 Menschen auf der Flucht. Wenngleich die Länder unterschiedlich stark betroffen sind, hat diese Zwangsmigration eine globale Debatte über soziale, kulturelle, wirtschaftliche, politische und ökologische Fragen ausgelöst.

Als weltweit populärster und tief in unseren Gesellschaften verwurzelter Sport ist der Fußball durch diese globale Krise ebenfalls betroffen. Gleichzeitig besitzt dieser Sport auch das Potenzial, die Folgen der Krise abzufedern. Viele Mitgliedsverbände der UEFA haben die Auswirkungen direkt gespürt und versucht, die Situation in ihren Ländern zu verbessern.

Vor diesem Hintergrund haben Vertreter verschiedener Nationalverbände kürzlich im Rahmen des UEFA-Studiengruppen-Programms (SGS) das Seminar „Fußball und Flüchtlinge“ besucht. Dabei ging es explizit darum, voneinander und von anderen kompetenten Experten und Organisationen zu lernen und dieses Thema möglichst effizient zu bearbeiten.

Das Seminar fand vom 3. bis 6. April in Dublin in der Republik Irland statt und wurde in Zusammenarbeit mit dem Irischen Fußballverband (FAI) organisiert. Vertreter von 21 Nationalverbänden und Delegierte von fachkundigen Nichtregierungsorganisationen und Universitäten nutzen diese Gelegenheit, um sich über die Herausforderungen und über empfehlenswerte Vorgehensweisen bei der Unterstützung von Flüchtlingen mittels des Fußballs auszutauschen.

Durch den Besuch von Futsal-Ligen, offenen Trainingseinheiten sowie Coaching- und Volunteer-Programmen für Flüchtlinge in der Umgebung der Städte Galway und Athlone bekamen die Teilnehmenden einen lebensnahen Eindruck von den Aktivitäten in diesem Bereich. Dank der offenen und ehrlichen Gespräche, die sie mit den lokalen Akteuren über die Geschichte dieser Programme führten, vertieften sie ihr Wissen über die Vorteile und Herausforderungen derartiger Initiativen.

Nach dem Seminar stellte Laura Easton, Managerin Fußballentwicklung beim

Walisischen Fußballverband, den Organisatoren ihre wichtigsten Erkenntnisse vor.

Sie lauten wie folgt:

• Jeder Mensch hat das Recht, Fußball zu spielen und diesen Sport zu genießen.

• Jeder Verband ist dafür verantwortlich, sich für den Sport einzusetzen und allen Interessierten Teilnahmemöglichkeiten zu bieten.

• Im Umgang mit benachteiligten Gruppen ist es hilfreich, sich innerhalb der jeweiligen Gemeinschaft auf eine geachtete Persönlichkeit zu stützen, die im Namen der Organisatoren mit den Menschen sprechen kann.

• Es ist wichtig, Vertrauen aufzubauen.

• Die Organisatoren müssen sich über die Netzwerke außerhalb des Fußballs bewusst sein und diese für die geplanten Aktivitäten nutzen.

• Menschen, die regelmäßig spielen möchten, brauchen eine langfristige Lösung. Es reicht also nicht, lediglich kurzfristige Programme aufzulegen.

• Die Fähigkeiten der lokalen Bevölkerung müssen gefördert und weiterentwickelt werden. Nur dann kann sie die Arbeit fortführen, ohne auf die ständige Präsenz des Nationalverbands angewiesen zu sein.

„Als Gastgeber dieser UEFA-Studiengruppe bot sich uns die großartige Gelegenheit, von unseren Aktivitäten zu berichten. Genauso wichtig war es aber, von anderen Verbänden, der UEFA und weiteren Partnern zu lernen und sich mit ihnen zu vernetzen“, sagte Des Tomlinson, der als nationaler Koordinator des interkulturellen Fußballprogramms der FAI fungiert und das Seminar ausgerichtet hat. „An diesen drei Tagen fanden wir die Zeit, um Aspekte zu reflektieren und zu diskutieren, die bei der Heranführung von geflüchteten Menschen an den Fußball von zentraler Bedeutung sind.“

„Im Rahmen unserer Studienreise begaben sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf eine Tour durch Irland. Dabei erfuhren sie aus erster Hand, wie unsere Fußballprogramme für Flüchtlinge mit Unterstützung der Vereine und anderer Interessengruppen vor Ort umgesetzt werden. Bei dieser Gelegenheit haben sie auch einige der Akteure aus der FAI, aus unseren Vereinen und aus den lokalen Gemeinschaften getroffen, die zum Erfolg dieser Programme beitragen.“

„Das übergeordnete Ziel des Seminars bestand darin, uns mit anderen Verbänden über bewährte Vorgehensweisen auszutauschen. Diese fließen – als bleibendes Vermächtnis der Studienreise – in eine Sammlung von ,Good Practices‘ ein, die zurzeit von der UEFA zusammengestellt wird“, so Tomlinson.

Dieser Artikel stammt ursprünglich aus UEFA Direct Nr. 178

 

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