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Isländischer Fußball dank UEFA GROW im Aufschwung

Island feiert noch nie dagewesene sportliche Erfolge. Nun will der nationale Fußballverband diesen Schwung ausnutzen und das Spiel auch abseits des Rasens weiterentwickeln.

Iceland players celebrate
Iceland players celebrate ©AFP/Getty Images

Seit mehreren Jahren begeistert Island Fußballfans auf der ganzen Welt. Neben spektakulären sportlichen Erfolgen wie dem Erreichen des Viertelfinales bei der UEFA EURO 2016 und der vor kurzem sichergestellten Qualifikation für die FIFA-WM 2018 ist man auf der Insel mit gerade einmal 320 000 Einwohnern fest entschlossen, sich auch neben dem Spielfeld weiterzuentwickeln.

Der Isländische Fußballverband (KSÍ) stieß kürzlich als 34. Mitglied zum Programm UEFA GROW, mit dem die Fußballentwicklung in den 55 UEFA-Mitgliedsverbänden unterstützt wird.

Island kann eine der europaweit höchsten Teilnehmerquoten im Fußball vorweisen.
Island kann eine der europaweit höchsten Teilnehmerquoten im Fußball vorweisen.©Sportsfile

 

„Der Isländische Fußballverband freut sich sehr darüber, jüngstes Mitglied von UEFA GROW zu sein. Auf dem Spielfeld durften wir in den letzten Jahren mit unserem Männer- und auch dem Frauennationalteam einige Erfolge feiern, und der Sport entwickelt sich im Allgemeinen gut“, erklärt KSÍ-Präsident Gudni Bergsson. „Allerdings müssen wir weitere Fortschritte erzielen und uns für die Zukunft wappnen. UEFA GROW bietet uns die perfekte Gelegenheit, unsere Situation zu erörtern und gemeinsam mit dem UEFA-GROW-Team die bestmöglichen Konzepte für die Zukunft in diversen Bereichen zu erarbeiten.“

UEFA GROW unterstützt die Nationalverbände in zentralen Bereichen wie der Verbesserung des Images des Fußballs, dem Erreichen eines größeren Publikums, der Erhöhung der Zahl aktiver Spielerinnen und Spieler sowie der Steigerung der Einnahmen. Mit dem Programm werden die Verbände zudem bei der Ausarbeitung einer Gesamtstrategie unterstützt in Verbindung mit starker Markenpositionierung, effektiver Kommunikation und Unterstützung von Regierungsseite.

Island ist ein Vorbild, wenn es darum geht, die Menschen zum Fußballspielen zu animieren, und hat eine der höchsten Teilnehmerraten Europas vorzuweisen. Das Land zählt 23 500 gemeldete Aktive, was bei einer Gesamtbevölkerung von 320 000 ein stolze Zahl ist. Fast 10 % der isländischen Männer spielen Fußball, und bei den Frauen ist die Teilnahmequote von 4,4 % die zweithöchste aller 55 UEFA-Mitgliedsverbände.

„In Island steht der Fußball in Konkurrenz mit anderen Sportarten und Aktivitäten; deshalb müssen wir ein möglichst attraktives Angebot schaffen. Das können wir tun, indem wir qualitativ hochstehende Trainingseinrichtungen bereitstellen“, erklärt der ehemalige Abwehrspieler Bergsson, der in England über 300 Mal für Tottenham Hotspur und die Bolton Wanderes auflief.

Der KSÍ hat sich als 34. UEFA-Mitgliedsverband dem Programm UEFA GROW angeschlossen.
Der KSÍ hat sich als 34. UEFA-Mitgliedsverband dem Programm UEFA GROW angeschlossen.©KSÍ

„Wir müssen außerdem Kinder für den Fußball begeistern. Wir müssen die richtige Mischung aus Training und Entwicklung finden, doch Fußball soll auch Spaß machen. Investitionen in den Breitensport gehören zu den obersten Prioritäten des KSÍ.“

Fußball für alle

1915 führte Island als eines der weltweit ersten Länder das Frauenstimmrecht ein. Ein Jahrhundert später hat die Gleichstellung auf der Insel immer noch denselben hohen Stellenwert, ja ist zu einem festen Bestandteil der nationalen Identität geworden.

Die Vorreiterrolle in Sachen Gleichstellung verleiht dem Land enorme internationale Anziehungskraft für Sponsoren, die sich gerne mit einer Marke wie dem KSÍ in Verbindung bringen. Dies versucht sich der Verband bei der Förderung des Mädchen- und Frauenfußballs zunutze zu machen. Dass die isländische Frauennationalelf zur erweiterten europäischen Spitze gehört, ist der Sache natürlich ebenfalls förderlich. Die Isländerinnen waren in den letzten zehn Jahren noch erfolgreicher als ihre männlichen Kollegen und bei den letzten drei EM-Endrunden stets mit von der Partie.

„Im Rahmen von UEFA GROW wurde eine umfassende Analyse zur Frage vorgenommen, wie der KSÍ durch strategische und systematische Entwicklungsarbeit das nachhaltige Wachstum aufrechterhalten kann“, erklärt Noel Mooney, Leiter Geschäftsentwicklung Nationalverbände der UEFA. „Wir wollen den KSÍ dabei unterstützen, sein Potenzial in verschiedenen Schlüsselbereichen auszuschöpfen, einschließlich bei der Vermarktung des Frauenfußballs, die durch die zentrale Frauenfußball-Marketingkampagne der UEFA, #Together We Play Strong, begleitet werden wird.“

In Vestmannaeyjar, einer Kette winziger Vulkaninseln an der Südwestküste Islands, findet jedes Jahr ein Turnier für 1 500 Kinder statt.
In Vestmannaeyjar, einer Kette winziger Vulkaninseln an der Südwestküste Islands, findet jedes Jahr ein Turnier für 1 500 Kinder statt.©KSÍ

Mit großen Investitionen in die landesweite Nachwuchsarbeit sorgt der KSÍ dafür, dass stetig neue Talente nachrücken, die in die Fußstapfen der männlichen und weiblichen Stars treten können. So findet zum Beispiel in Vestmannaeyjar (Westmännerinseln), einer vulkanischen Inselgruppe, jedes Jahr ein Turnier für 1 500 Kinder statt. Die Inseln haben sich als wertvolle Quelle von Fußballtalenten entpuppt, die das Zeug für die Nationalmannschaft haben.

Der ehemalige Stuttgart-Kapitän und Nationalcoach Ásgeir Sigurvinsson wurde in Vestmannaeyjar geboren, ebenso wie der aktuelle Teamchef Heimir Hallgrímsson, der nebenbei vor Ort noch als Zahnarzt arbeitet. Stars wie Gylfi Sigurdsson, Kolbeinn Sigthórsson, Elmar Bjarnason und Jón Dadi Bödvarsson nahmen als Jugendliche allesamt am Nachwuchsturnier auf den Westmännerinseln teil.

Über die letzten Jahre wurden mithilfe von Fördermitteln aus dem HatTrick-Programm, in dessen Rahmen die UEFA ihren 55 Mitgliedsverbänden Investitionsgelder zur Verfügung stellt, 111 Minispielfelder auf das ganze Land verteilt errichtet. Um für eine maximale Auslastung zu sorgen, wurden Rasenheizungen installiert, dank denen das ganze Jahr über gespielt werden kann.

Starkes Abschneiden

Die Investitionen in den Breitenfußball haben sich für den KSÍ in Form fantastischer Ergebnisse ausgezahlt. Das Männer- und das Frauennationalteam waren bei den letzten EM-Endrunden 2016 bzw. 2017 beide mit von der Partie. Die Männer haben sich mittlerweile auch für Russland 2018 qualifiziert und stehen vor ihrer WM-Feuertaufe.

Island sorgte bei der UEFA EURO 2016 weltweit für Aufsehen.
Island sorgte bei der UEFA EURO 2016 weltweit für Aufsehen.©Getty Images

Durch die sportlichen Erfolge eröffnen sich neue kommerzielle Möglichkeiten, die für den Verband allerdings schwieriger auszuschöpfen sind. Auf dem Spielfeld sind die Grundvoraussetzungen stets dieselben, d.h. es treten immer je elf Spieler gegeneinander an. Anders sieht es abseits des Rasens aus: Der KSÍ zählt nicht einmal 20 Angestellte. Zum Vergleich: Der Englische Fußballverband beschäftigt 851 Personen und kann in kommerzieller Hinsicht mit viel größerer Kelle anrühren.

Beim UEFA-GROW-Workshop in Reykjavík suchten die Vertreter des europäischen Dachverbands zusammen mit ihren isländischen Kollegen nach Bereichen mit Entwicklungspotenzial. Kurzfristig will der KSÍ die Einnahmen aus der gelungenen Qualifikation für die WM maximieren und dabei möglicherweise Fans aus Ländern gewinnen, deren Mannschaft nicht nach Russland fährt.

„Während der UEFA EURO 2016 war das Interesse an der isländischen Nationalelf größer als je zuvor,” so Verbandspräsident Bergsson. „Wir hätten nie damit gerechnet, dass wir so viele Trikots verkaufen und so viele Menschen aus aller Welt sich für unser Land interessieren. Dieses Mal müssen wir optimal darauf vorbereitet sein, etwaige Einnahmen zu maximieren, die wir dann wiederum zur Entwicklung des Fußballs auf allen Ebenen in unserem Land einsetzen können.“

Der isländische Verband plant die Renovierung des Nationalstadions Laugardalsvöllur.
Der isländische Verband plant die Renovierung des Nationalstadions Laugardalsvöllur.©Sportsfile

  

Viele europäische Nationalverbände können sich am KSÍ ein Beispiel nehmen. Der Isländische Fußballverband ist bei zentralen Komponenten von UEFA GROW wie Teilnehmerzahlen und sportlichen Ergebnissen ein Musterschüler. Gleichzeitig räumt der Verband aber auch freimütig ein, dass im Bereich der Infrastruktur Verbesserungen notwendig sind, insbesondere was das Nationalstadion Laugardalsvöllur anbelangt.

Derzeit wird an Renovierungsplänen für das Stadion gearbeitet, in dem künftig sowohl die Männer als auch die Frauen spielen sollen. Ein umgebautes Stadion soll zum einen mehr Fans anziehen und diesen eine bessere Infrastruktur bieten, zum anderen soll es dem Verband durch Hospitality-Angebote und Eintrittskartenverkauf zusätzliche Einnahmen ermöglichen.

„Die Fußballbegeisterung in Island ist groß“, so Noel Mooney. „Die Nationalmannschaft zieht isländische und ausländische Fans in ihren Bann. Der KSÍ leistet hervorragende Arbeit und hat sowohl auf als auch neben dem Platz die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass sich der Fußball weiterentwickeln kann. Angesichts seines Bestrebens, dazuzulernen und sich zu verbessern, bin ich überzeugt, dass der Fußball in Island langfristig eine blühende Zukunft hat.“