Schweiz lässt überall aufhorchen

Die Schweiz ist ein gutes Beispiel für ein kleines Land, das aus geringen Möglichkeiten das Beste herausgeholt hat.

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Die Schweiz ist ein gutes Beispiel für ein kleines Land, das aus geringen Möglichkeiten das Beste herausgeholt hat. Der Schweizer Fußball hat sich mit guten Leistungen in Europas Elite etabliert. Dies ist der Lohn für harte Arbeit und sorgfältige Planung.

Der Schweizer Fussballverband (SFV-ASF - Association Suisse de Football) ist einer der größten und bekanntesten Sportverbände in der mehrsprachigen Schweiz. Er vertritt die nationalen und internationalen Interessen des Schweizer Fußballs und kümmert sich um politische, wirtschaftliche und soziale Angelegenheiten.

Der SFV-ASF ist ein finanziell unabhängiger Verband, der nicht auf öffentliche Spenden angewiesen ist. Besondere Wertschätzung legt er auf Fußball als Breitensportart und die Förderung der Jugend. Stolz darf der Verband auf die über 100-jährige Geschichte zurückblicken, die sich vor allem in den letzten Jahren immer erfolgreicher gestaltet hat. Einer der absoluten Höhepunkte war der Triumph bei der FIFA-U17-WM in Nigeria im November 2009.

Nach 32 Jahren Abwesenheit konnte sich die Schweiz 1994 wieder für die FIFA-Weltmeisterschaft qualifizieren. Zwei Jahre später nahmen sie in England erstmals an einer UEFA-Europameisterschaft teil. Die konstante Entwicklung des Schweizer Fußballs zahlte sich auch 2003 aus, als der Nationalmannschaft unter Trainer Jakob Kuhn die Qualifikation zur UEFA EURO 2004 und zur FIFA-WM 2006 in Deutschland glückte. Unter Trainerlegende Ottmar Hitzfeld schafften die Eidgenossen den Sprung zur WM 2010. Die Schweiz veranstaltete gemeinsam mit Co-Gastgeber Österreich sehr erfolgreich die UEFA EURO 2008.

Auch im Jugendfußball ist der Aufstieg des Schweizer Fußballs nicht zu übersehen. Nachdem man sich für eine Vielzahl von Turnieren in allen Alterklassen qualifizieren konnte, sorgte die Schweiz 2002 für eine riesige Sensation, als sie in Dänemark U17-Europameister wurden. Im Mai 2009 schafften sie dann den Sprung ins Halbfinale, was die Qualifikation für die U17-WM in Nigeria bedeutete. Dort schlug die Schweiz im abschließenden Gruppenspiel Brasilien, anschließend Deutschland, Italien und Kolumbien, ehe der Finalsieg über den Gastgeber folgte. Auch die U21 machte von sich reden, erreichte sie doch 2002 im eigenen Land das Halbfinale der UEFA-Europameisterschaft. Die Nachwuchsarbeit in der Schweiz könnte nicht besser sein.

Einige Schweizer Vereine konnten auch im Europapokal Erfolge feiern. Der BSC Young Boys Bern war der erste Klub des Alpenlands, der 1959 das Halbfinale des Pokals der europäischen Meistervereine erreichte. Dieses Meisterstück konnte der FC Zürich seitdem zweimal wiederholen. In all den Jahren war auch der FC Basel 1893 eine feste Größe im Schweizer Fußball. Mit einigen mitreißenden Vorstellungen erreichten sie 2002/03 sogar die zweite Gruppenphase der UEFA Champions League. Außerdem haben sich auch Grasshopper-Club und Servette FC international einen Namen gemacht.

Der organisierte Fußball ist in den letzten Jahren stetig gewachsen. Heutzutage gibt es mehr als 400 000 Mitglieder in etwa 1 500 Vereinen, 240 000 von ihnen spielen aktiv. Unter der Schirmherrschaft des SFV-AFS spielen etwa 12 800 Mannschaften. Für den Großteil ist es nur ein Hobby, aber für die wenigen Profis ist es mehr als nur eine Sportart. Mit Fußball können sie sich nicht nur körperlich fit halten, sondern haben die Möglichkeit, reich und bekannt zu werden und international erfolgreich zu sein.

Der SFV-AFS hat auch einen großen Beitrag zum Wohlergehen des internationalen Fußballs geleistet. Neben der FIFA (Zürich) hat auch die UEFA (Nyon) ihr Hauptquartier in der Schweiz. 1954 wurde der europäische Fußballdachverband in der Schweiz gegründet, und es war der ehemalige Präsident des SFV-AFS, Gustav Wiederkehr (1962 bis 1972), der eine wichtige Rolle in der Festigung und Entwicklung der Organisation übernahm.

Präsident

Verbandspräsidenten-Interview: Peter Gilliéron (Schweiz)

Verbandspräsidenten-Interview: Peter Gilliéron (Schweiz)
Verbandspräsidenten-Interview: Peter Gilliéron (Schweiz)©UEFA.com

Im Interview mit UEFA.com erklärt der Präsident des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV-ASF), Peter Gilliéron, wie das HatTrick-Programm und der Einsatz der Vereine den Fußball in der Schweiz nach vorne gebracht haben.

UEFA.com: Was unternimmt Ihr Verband gegen Rassismus und Intoleranz?

Peter Gilliéron: Wir kämpfen ständig nicht gegen etwas, sondern für etwas. Wir kämpfen für Fairplay, wir kämpfen für Toleranz, für gegenseitiges Verstehen und vor allem auch für Respekt, wie das die UEFA verlangt. Und ich kann mit gewissem Stolz sagen, dass bei uns Rassismus kein Thema ist. Intoleranz begegnet man eigentlich überall in der Gesellschaft. Wir versuchen, den Fußball zu einem Hort zu machen, wo Toleranz ein großes Wort  ist und nicht nur ein Wort, sondern auch Taten dahinter stehen.

UEFA.com: Erzählen Sie uns etwas über Ihre Aktivitäten, mit denen Sie den Fußball in Ihrem Verband vorantreiben.

Gilliéron: Das Wichtigste ist - und darauf bin ich stolz -, dass wir in unserem Land 250 000 Spielerinnen und Spieler haben, die aktiv Fußball spielen. Eine ganz kleine Minderheit davon sind Profis. Das sind etwa 500 bis 1 000, wenn man großzügig zählt. Der Rest sind Aktive und Junioren: 130 000 von diesen 250 000 sind Jugendliche und 22 000 sind Frauen.

Neben den üblichen Aktivitäten, nämlich die Durchführung von sämtlichen Meisterschaften auf allen Ebenen, führen wir immer wieder Kids-Festivals durch. Das sind spezielle Wettbewerbe für Kinder, die wir zusammen mit Vereinen organisieren. Wir führen mit Hilfe von Sponsoren eine Schul-Fußballmeisterschaft in der ganzen Schweiz durch mit über 150 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Darunter gibt es natürlich sehr viele Aktivitäten und vor allem zählen wir da auf unsere Vereine - wir haben 1 450 Mitglied-Vereine. Die machen täglich etwas für den Breitenfußball.

UEFA.com: Inwiefern hat Ihr Verband vom UEFA-HatTrick-Programm profitiert?

Gilliéron: Die wichtigsten Bereiche sind insbesondere die Ausbildungszentren, die wir in den letzten Jahren auf die Beine stellen konnten. Das sind Ausbildungszentren in verschiedenen Teilen der Schweiz. Dabei gibt es eine Besonderheit - da bin ich auch stolz darauf, dass wir das in der Schweiz realisiert haben: Wir haben ein Ausbildungszentrum für Mädchen. Dies ist so konzipiert, dass die Mädchen in die Schule gehen, Fußball spielen, trainieren und am Wochenende nach Hause gehen. Unser Frauenfußball hat große Fortschritte gemacht auch durch die Gründung dieses Ausbildungszentrums. Dann haben wir natürlich die Mini-Pitches, die sehr beliebt sind in der Schweiz. Wir sind froh, wenn wir diese Aktivitäten fortsetzen können. Ich glaube, das HatTrick-Programm ist etwas sehr Gutes für den Fußball. Ich bin der UEFA sehr dankbar, dass sie sich dafür einsetzt.

UEFA.com: Wie gehen Sie das Thema Respekt im Fußball an?

Gilliéron: Wir kämpfen tagtäglich für Fairplay, für Toleranz, für Freundschaft. Wir haben einen Fairplay-Wettbewerb sowohl bei den obersten Spielklassen wie auch beim Breitenfußball. Wir zeichnen in jedem Jahr den fairsten Verein aus. Das bringt Respekt in alle Spielklassen. Wir haben es auch mit dem Projekt "be tolerant" versucht. Da sind beispielsweise Spieler, die ein Spiel wie ein Schiedsrichter leiten, damit der gegenseitige Respekt und das Verständnis zwischen Spielern und Schiedsrichtern erhöht werden können. Am besten besucht man dazu unsere Homepage football.ch.

UEFA.com: Was sind Ihre Pläne und Ziele für die nächsten Monate und Jahre?

Gilliéron: Wir haben natürlich sehr viele Ziele. Ich nenne die wichtigsten: Wir wollen mit der A-Nationalmannschaft möglichst gut abschneiden bei der Weltmeisterschaft, wir wollen die Erfolge weiterführen, die wir mit unseren Junioren-Auswahlen und mit den Frauen-Auswahlen haben. Das wird ein bisschen schwierig werden, denn unsere U17 wurde im letzten Jahr Weltmeister. Aber es ist wichtig, dass wir mit unserer Arbeit weiterfahren und diese Nachwuchsförderung, die wir heute haben, wenigstens beibehalten oder sogar steigern.

Dann will ich, dass wir quantitativ wachsen, dass wir genügend Spielerinnen und Spieler haben, und dass wir genügend Plätze haben für sie, aber auch genügend Leute, die sie betreuen. Wir brauchen Trainer, wir brauchen Funktionäre, wir brauchen Leute, die auch neben dem Platz etwas tun für den Fußball. Ich glaube, wenn wir da vorwärts kommen, dann haben wir einiges getan. Der Verband kann ohne die Hilfe der Vereine und Regionalverbände, die wir haben, nicht weiterkommen, deshalb bin ich froh um diese Hilfe. Wenn wir diese Ziele erreichen, dann sind wir in den nächsten Monaten bzw. Jahren sehr viel weiter mit dem Fußball.

Generalsekretär

Alex Miescher

Alex Miescher
Alex Miescher©UEFA.com

Nationalität: Schweizer
Geboren: 4. April 1968
Generalsekretär seit: 2009

• Als ehemaliger Berufsmilitärpilot und gelernter Volkswirtschaftler kommt Miescher vom Schwimmsport. Zwischen 2006 und 2009 war er Direktor des Schweizer Schwimmverbandes.

• Als aktiver Schwimmer gewann Miescher fünf Mal die Schweizer Meisterschaft und nahm an Welt- und Europameisterschaften teil.

• Miescher folgte im Jahr 2009 als Generalsekretär des SFV/ASF auf Peter Gilléron, der zum Verbandspräsidenten gewählt worden war.

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