Drei Fragen an ... Mehdi Bayat - KBVB-Präsident

Mehdi Bayat ist seit Juni 2019 Präsident des Belgischen Fußballverbands (KBVB).

Mehdi Bayat
Mehdi Bayat ©Photo News

Sie sind iranischer Abstammung und in Frankreich aufgewachsen; dort haben Sie auch studiert. Wann genau haben Sie sich in den belgischen Fußball verliebt?

2003 bin ich als kommerzieller Leiter zu Sporting Charleroi gestoßen. Dann habe ich mich Sprosse um Sprosse emporgearbeitet, verschiedene Posten im Verband bekleidet, und im Juni 2019 wurde ich zum Präsidenten gewählt. Wenn man fast 20 Jahre im selben Land lebt, gehört man am Ende dazu – administrativ, aber auch im Herzen. Heute fühle ich mich als echter Belgier. Und übrigens – meine Einbürgerung steht kurz bevor.

2016 gehörten Sie zu jenen, die sich für die Wahl von Roberto Martínez zum Nationaltrainer stark machten. Wie lief das damals ab?

Mit meinen Kollegen Gérard Linard (Anm. d. Red.: ehemaliger Präsident des belgischen Fußballverbands) und Bart Verhaeghe führten wir eine Ausschreibung durch. Zum Glück, muss ich sagen! Denn sonst hätten wir nicht von vornherein an Roberto Martínez gedacht. Als wir uns zum ersten Mal trafen, begegneten wir einem Gentleman. Und das ist bis heute so geblieben. Er arbeitet hart. Er ist bescheiden. Er lebt und atmet Fußball. Und vor allem hat er den Posten des Nationaltrainers in Belgien neu definiert, indem er sich auf wirklich allen Ebenen der sportlichen Planung und Vorbereitung einbringt. Es ist eine wahre Freude, mit jemandem zusammenzuarbeiten, der so leidenschaftlich ist wie er.

Vor Ihrer Wahl zum Verbandspräsidenten waren Sie an der Ausarbeitung des berühmten Elf-Punkte-Plans beteiligt. Seither sagt man Ihnen nach, Sie würden im Vergleich zu früher eine eher „protokollarische“ Rolle einnehmen. Sehen Sie das auch so?

Der Verband soll wie jedes andere Großunternehmen funktionieren. Das heißt, wir haben mit Peter Bossaert einen operativen Chef für das Tagesgeschäft. Ich dagegen bin Präsident des Aufsichtsrats. In meiner Rolle habe ich zu Beginn des Zyklus ein Einsichts- und Kontrollrecht. (Anm. d. Red.: Bayats Amtszeit dauert bis 2021.) Dabei geht es darum zu beurteilen, welche Strategie wir fahren wollen. Dieser Prozess begann eigentlich schon vor meiner Wahl, und zwar mit der Ausarbeitung des Elf-Punkte-Plans. Der Plan zielt auf eine tiefgreifende Reform ab, welche die operative Struktur des KBVB langfristig professionalisieren soll. Alle diese Baustellen unterstützen wir zu 100 Prozent, keine wird bevorzugt behandelt. Zugleich fungiere ich aber auch noch als offizieller Vertreter des belgischen Verbands bei den internationalen Institutionen wie der UEFA. Von daher rührt der Zusatz „protokollarisch“.

Dieser Artikel stammt ursprünglich aus UEFA Direct Nr. 187

 

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