Ratschläge für Traineranwärter

Die angesehenen Trainer David Moyes, Howard Wilkinson und Dany Ryser haben UEFA-Pro-Lizenzanwärtern wertvolle Ratschläge hinsichtlich der Eigenschaften erteilt, die ein Trainer braucht, um bestehen und Erfolg haben zu können.

David Moyes vor den Traineranwärtern in Nyon.
David Moyes vor den Traineranwärtern in Nyon. ©UEFA

Ehrlich sein – sich Respekt verschaffen und Vertrauen gewinnen – sich selbst kennen – flexibel sein – und ein guter Leader sein; dies sind nur einige von unzähligen Qualitäten, die ein Trainer heute braucht, um im Fußball bestehen und Erfolg haben zu können.

Gruppenfoto des Kurses in Nyon.
Gruppenfoto des Kurses in Nyon.©UEFA

Eine Gruppe von Trainern aus Österreich, Russland, der Türkei und Wales, die dabei sind, ihre UEFA-Pro-Lizenz zu erwerben, wurde beim jüngsten Traineranwärter-Austauschprogramm der UEFA in Nyon über die zahlreichen Facetten eines faszinierenden, erfüllenden, jedoch oft prekären und exponierten Jobs aufgeklärt. An sie waren die wertvollen Ratschläge erfahrener Trainer gerichtet, die während ihrer Laufbahn auf nationaler und internationaler Ebene schon so Einiges gesehen und erlebt haben.

Das Ziel bestand darin, den Traineranwärtern wichtige Ratschläge mit auf den Weg zu geben, die hoffentlich zu einem gelungenen Start in ihre Karriere beitragen.

Für einen Trainer ist es von größter Bedeutung, Respekt und Vertrauen gewinnen und behalten zu können. „Das größte Geschenk, das ein Trainer bekommen kann, ist Respekt und Vertrauen seitens seiner Spieler und seines Betreuerstabs“, sagte Howard Wilkinson, ein technischer Ausbilder der UEFA und ehemaliger technischer Direktor des Englischen Fußballverbands, der bis heute der letzte englische Trainer geblieben ist, der den nationalen Meistertitel gewonnen hat – 1992 mit Leeds United.

Howard Wilkinson ist der letzte Engländer, der den englischen Meistertitel gewonnen hat - vor 27 Jahren mit Leeds.
Howard Wilkinson ist der letzte Engländer, der den englischen Meistertitel gewonnen hat - vor 27 Jahren mit Leeds.©UEFA

„Qualifikationen und Preise verschaffen einem nicht unbedingt einen Namen und Respekt im Beruf“, fügte er hinzu. „Eine großartige Karriere als Spieler bringt einem nur Ruhm; Respekt, Vertrauen und Glaubwürdigkeit muss man sich Schritt für Schritt erarbeiten. Man muss authentisch sein... wenn man jemandem nicht traut, glaubt man ihm auch nicht. Wenn man dem Boten nicht glaubt, ist auch die Botschaft unglaubwürdig. Die Wahrheit ist extrem wichtig.“

Dieselbe Meinung vertrat auch der Ehrengast David Moyens, ein sehr erfahrener Elitetrainer, der bei Manchester United, Everton, West Ham, Sunderland und Preston in England sowie bei Real Sociedad in Spanien tätig war. „Als Trainer muss man sich durch seine Taten Respekt verdienen“, sagte er.

Moyes betonte ebenfalls, wie wichtig es ist, dass ein Trainer mit seinen Spielern ehrlich ist, selbst wenn dies eine negative Seite haben kann. „Wenn man ehrlich ist, geht man das Risiko ein, nicht gemocht zu werden – allerdings bin ich überzeugt, dass die meisten Spieler Ehrlichkeit wollen“, erklärte er.

Selbstkenntnis ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil des Rüstzeugs eines Trainers, insbesondere wenn es darum geht, Entscheidungen zu treffen. Diesen Punkt hob der Schweizer Trainer und technische Ausbilder Dany Ryser hervor, der die Schweiz 2009 zum stark bejubelten WM-Titel in der Kategorie U17 führte. „Man muss sich selber, seine Stärken und Schwächen, seine Werte und Philosophien genau kennen“, gab er zu bedenken. „Und man muss anpassungsfähig sein, sich selber hinterfragen, sich weiterentwickeln und wachsen.“

Dany Ryser - Weltmeistertrainer der Scheizer U17 im Jahr 2009.
Dany Ryser - Weltmeistertrainer der Scheizer U17 im Jahr 2009.©UEFA

Dieses Selbstbewusstsein braucht ein Trainer, um in manchmal heiklen und riskanten Entscheidungsfindungsprozessen einen klaren Kopf zu bewahren. „Als Trainer hat man oft wenig Zeit, um Entscheidungen zu treffen, zum Beispiel in Krisensituationen – deshalb ist es wichtig, möglichst oft richtig zu entscheiden, um erfolgreich zu sein“, so Ryser weiter.

„Zu viele Emotionen helfen meistens nicht, richtig zu entscheiden. Ich denke, dass man eine Art inneren Frieden finden muss, um wirkungsvoll Entscheidungen treffen zu können.“ Howard Wilkinson nahm den Punkt auf. „Man kann zum Beispiel in einer Partie kurz vor Spielende unter Druck stehen, weil man eine wichtige Entscheidung treffen muss, und dabei die Nerven verlieren – so geht man das Risiko ein, nicht klar genug denken zu können.“

Traineranwärter aus Österreich, Russland, der Türkei und Wales kamen beim Kurs zusammen.
Traineranwärter aus Österreich, Russland, der Türkei und Wales kamen beim Kurs zusammen.©UEFA

Den Traineranwärtern wurde eindringlich mit auf den Weg gegeben, dass ein Trainer seine Spieler anführen und genau wissen muss, wie er mit den unterschiedlichen Charakteren umzugehen hat. „Die Aufgabe eines Trainers besteht darin, aus einer Gruppe talentierter Individuen das Beste herauszuholen; dies muss gemeinsam geschehen und dazu braucht es ein Geben und Nehmen“, sagte Wilkinson. „Man muss Spieler als Individuen behandeln und nicht als Innenverteidiger oder Außenverteidiger und dabei ist effiziente Kommunikation entscheidend. Man muss wissen, worauf jeder einzelne reagiert und sich in die Spieler hineinfühlen können.“ Auch Dany Ryser hob diesen Punkt hervor. „Setzt euch mit euren Spielern Ziele und unterstützt sie, damit sie maximale Leistungen erbringen können – dies kann nur mit wirkungsvoller und positiver Kommunikation funktionieren.“

„Um ein Leader zu sein, muss man eine genaue Vorstellung davon haben, was man machen und was man damit erreichen möchte. Führungsstärke steht im Mittelpunkt, wenn man im modernen Fußball Erfolg haben möchte. Dabei geht es um die Fähigkeit zu inspirieren, zu motivieren und Menschen dazu zu bringen, ihr Potenzial voll auszuschöpfen“, sagte Wilkinson.

David Moyes äußerte die Ansicht, dass es entscheidend ist für Trainer, sich Freiräume zu schaffen, um abzuschalten und den Stress unter Kontrolle zu halten. „Als junger Trainer wusste bzw. verstand ich nicht, was Stress ist“, sagte er. „Mit Druck muss ein Fußballtrainer leben, man muss gute Ergebnisse erzielen, und mein Ansatz bestand darin, unbedingt gewinnen zu müssen. Als ich älter wurde, verstand ich nach und nach, was Stress bedeutet... Deshalb muss man einen Weg finden, um sich zu entspannen und auf seine Art Abstand vom Job gewinnen.“

Gesprächsrunde in Nyon.
Gesprächsrunde in Nyon.©UEFA

Viele der in Nyon anwesenden Traineranwärter können es kaum erwarten, ein Team zu übernehmen und ihre Trainerkarriere weiterzuverfolgen. Howard Wilkinson machte sie darauf aufmerksam, wie wichtig es ist, an der ersten Station erfolgreich zu sein. 

„Untersuchungen in England haben gezeigt, dass 50 % der Trainer nach ihrem ersten keinen zweiten Trainerjob erhalten“, erklärt er. „Deshalb ist Gewinnen so wichtig – es geht nicht um schönen Fußball, es geht um den Sieg. Gewinnen heißt Überleben.“

Als Antwort auf die Frage, welchen Rat er den künftigen Trainern mit auf den Weg geben würde, sagte David Moyens mit Nachdruck: „Ihr müsst volles Engagement zeigen. Wenn der Sport euch nicht begeistert, wenn ihr ihn nicht liebt und keine hohen Ansprüche an euch selber stellt, dann lasst es lieber bleiben.“

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