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UEFA-Wissen: Wertschätzung der sozialen Rendite des Fußballs in Europa

Mit dem UEFA-Grow-Modell zur sozialen Rendite („Social Return on Investment“, SROI) können die Auswirkungen des Fußballs auf Wirtschaft, Gesundheit und Gesellschaft genau beziffert werden.

Der Fußball hat gezeigt, dass er enorm positive Auswirkungen auf die Gesellschaft als Ganzes hat.
Der Fußball hat gezeigt, dass er enorm positive Auswirkungen auf die Gesellschaft als Ganzes hat.

Was ist das UEFA-Grow-Modell zu sozialer Rendite?

Es handelt sich um eine Kosten-Nutzen-Analyse, in deren Rahmen Regierungen und Nationalverbände den gesellschaftlichen Nutzen von Europas beliebtestem Volkssport bewerten können. Dieser Ansatz wurde im Rahmen des UEFA-Grow-Programms entwickelt und bietet eine Reihe von Dienstleistungen zur strategischen Entwicklung, um die 55 UEFA-Mitgliedsverbände bei der Nutzung ihres Wachstumspotenzials auf und neben dem Platz zu unterstützen.

Was ist der tatsächliche gesellschaftliche Wert des Amateurfußballs in Europa?

Mit diesem Modell konnte bislang für 25 europäische Länder aufgezeigt werden, dass 8,6 Mio. registrierte Amateurspielerinnen und -spieler insgesamt eine Wertschöpfung in Höhe von EUR 39,4 Mrd. jährlich an Geld- und Sachleistungen generieren:

Wie berechnet die UEFA diese Zahlen?

Das Modell wurden unter Beteiligung von neun Universitäten in Europa entwickelt und beruht auf Teilnehmerzahlen im Fußball aus 25 UEFA-Mitgliedsverbänden sowie über 100 von Experten begutachteten Forschungsarbeiten aus unterschiedlichen Fachgebieten wie Gesundheit, Bildung, Beschäftigung, Soziologie und Sport. Die Europäische Union, der Europarat, die Weltgesundheitsorganisation und die Vereinten Nationen haben alle die Stichhaltigkeit dieses Ansatzes bestätigt.

Die Nationalverbände der folgenden 25 Länder haben das Modell verwendet, um die soziale Rendite des Amateurfußballs zu berechnen: Albanien, Aserbaidschan, Belarus, Deutschland, England, Estland, Finnland, Georgien, Gibraltar, Island, Italien, Lettland, Litauen, Malta, Moldawien, Niederlande, Nordirland, Polen, Portugal, Republik Irland, Rumänien, Schottland, Schweden, Slowakei und Slowenien.

In der ersten Dezemberwoche 2020 haben drei Verbände neue Studien zur Messung des Beitrags des Amateurfußballs zum Sozialprodukt ihres Landes veröffentlicht: Albanien (EUR 45 Mio.), Estland (EUR 90 Mio.) und Deutschland (EUR 13,9 Mrd.).

Gibt es ähnliche Zahlen, die den Mehrwert des Amateurfußballs für die lokalen Bevölkerung belegen?

Mit dem Klubrechner zur Berechnung der sozialen Rendite können Verbände den wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und gesundheitlichen Nutzen des Amateurfußballs für die lokale Bevölkerung messen. Dies erfolgt beispielsweise anhand von Ausgaben für Fußballausrüstung in lokalen Geschäften, Investitionen in Fußballeinrichtungen (Trainingsausrüstung, Spielfelder usw.) oder Sachleistungen von ehrenamtlichen Trainerinnen und Trainern im Rahmen der sportlichen Erziehung.

In Schottland konnte der Aberdeen Community Trust den Bericht zur sozialen Rendite des Schottischen Fußballverbands (SFA) nutzen, um lokale Behörden davon zu überzeugen, Initiativen im Breitenfußball zu unterstützen, mit dem Ergebnis eines jährlichen Zuschusses in Höhe von GBP 250 000 für die Akademien im Rahmen der PeterDeen-, FraserDeen und PortyDeen-Projekte, die so wichtige finanzielle Unterstützung während der temporären Unterbrechung der Fußballaktivitäten im Jahr 2020 erhielten.

„Auf diese Art einen Beleg für seine Arbeit zu erhalten, ist entscheidend für den Aufbau von Vertrauen bei wichtigen Partnern und hat zu Projekten geführt, die langfristig finanziert werden. Ohne dies hätten wir während der Pandemie schwierige Entscheidungen für unsere Projekte und die betroffenen Personen treffen müssen“, erklärte Steven Sweeney, COO des Community Trust des FC Aberdeen. „Eine Ertragsrate von 1:10 ist greifbar und zeigt dem Privatsektor, dass seine Investitionen positive Auswirkungen auf die Gesellschaft haben.

Wie kann das Modell den UEFA-Mitgliedsverbänden helfen, eine langfristige, regelmäßige Finanzierung zur Förderung des Fußballs sicherzustellen?

Durch das Aufzeigen einer eindeutigen Rendite hilft das Modell der UEFA den Verbänden, bei staatlichen Stellen mit eindeutigen Belegen dafür zu werben, finanzielle Mittel zur Förderung des Fußballs in ihren Haushalt aufzunehmen.

So zeigen beispielsweise die Kosten-Nutzen-Analysen systematisch auf, dass der Breitenfußball mehr Wert schöpft als der Profifußball. In Deutschland ist die Wertschöpfung des Breitenfußballs dreimal höher ist als die Einnahmen aller 18 Vereine der ersten Bundesliga zusammen.

Dennoch erhält über ein Drittel (35 %) der UEFA-Mitgliedsverbände derzeit keine finanzielle Unterstützung von staatlicher Seite für die Förderung des Breitenfußballs. In diesen Ländern werden stattdessen vorrangig Investitionen in den Elitefußball getätigt, was zulasten der allgemeinen Teilnehmerzahlen geht.

So kommt beispielsweise in Osteuropa im Durchschnitt ein eingetragener Fußballverein auf 44 000 Einwohner, während das entsprechende Verhältnis in Westeuropa 1:6500 beträgt. Die Länder mit einer höheren Quote an Breitenfußballvereinen verfügen über ein größeres Reservoir an Talenten, was wiederum den Eliteklubs und den Nationalmannschaften hilft, konstantere Leistungen zu erbringen.

Welche Nationalverbände konnten ihre Finanzierung anhand der Daten zur sozialen Rendite ausbauen?

Es existieren immer mehr statistische Belege dafür, dass sich der europäische Fußball der langfristigen sozialen Rendite des Breitenfußballs bewusst wird. Die UEFA schätzt, dass für jeden durch die EM-Endrunde eingenommenen Euro, der im Rahmen des HatTrick-Programms in die Fußballentwicklung investiert wird, Nationalverbände, Regierungen, lokale Behörden und Vereine weitere EUR 3,63 ausgeben.

Polen
Dank der Anwendung des UEFA-Modells erhält der Polnische Fußballverband (PZPN) künftig von der Regierung EUR 10 Mio. jährlich für die Erarbeitung einer regionalen Entwicklungsstrategie für den Breitenfußball.

Italien
In diesem besonderen Jahr nutzte der Italienische Fußballverband (FIGC) Daten zur sozialen Rendite, um den wichtigen Beitrag des Breitenfußballs für die lokale Wirtschaft und die Bevölkerung zu unterstreichen.

Schottland
Der Schottische Fußballverband (SFA) verweist auf die Ergebnisse seines SROI-Berichts, um die Beziehungen zu den Ministerien für Bildung, Bevölkerung und öffentliche Finanzen zu stärken. Dabei stützen sich die zuständigen Minister auf die Daten der SFA, um die gesellschaftlichen Auswirkungen in ihrem jeweiligen Bereich aufzuzeigen.

Anhand des SFA-Berichts konnte die Abteilung Fußballentwicklung sich eine dreijährige finanzielle Unterstützung in Höhe von GBP 150 000 durch den National Lottery Fund sowie GBP 4 Mio. von der nationalen Agentur für Sport für die nächsten vier Jahre sichern.

Welche anderen Fußball- oder Sportorganisationen verwenden entsprechende Renditemodelle?

Sportverbände bzw. -organisationen verwenden zunehmend Kosten-Nutzen-Analysen, um den Anteil des Fußballs am Bruttosozialprodukt zu berechnen. Sowohl die englische Premier League als auch die belgische Division 1A haben ihre eigenen Studien durchgeführt.

Auch andere Sportorgane wie Sport England, Sport Ireland, Australian Football und der britische Schwimmverband haben für ihre jeweiligen Sportarten Renditemodelle eingesetzt.

Die UEFA hat ihre Ergebnisse auch mit anderen Sportorganisationen, Partnern und internationalen Gremien geteilt, beispielsweise bei einem Vortrag im Rahmen einer Konferenz zu den Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen der Internationalen Arbeitsorganisation sowie im Rahmen der Teilnahme an einer Arbeitsgruppe zu Modellindikatoren für Sport, Sportunterricht und körperliche Betätigung.

Wie begleitet die UEFA die Umsetzung des Modells?

2017 hat die UEFA einen Beratungsausschuss mit wissenschaftlichen Experten und Vertretern aus acht Nationalverbänden eingesetzt, um die Entwicklung und Umsetzung eines Modells zu sozialer Rendite für den europäischen Fußball zu begleiten.

Dieser Ausschuss unter dem aktuellen Vorsitz von Dr. Tim Crabbe, CEO von Substance, beobachtet die Entwicklung neuer Methoden und Erkenntnisse und wertet die neuesten Daten und aktuelle Literatur aus. Bei Substance handelt es sich um ein Forschungsunternehmen, das von der UEFA dafür bezahlt wird, Mitgliedsverbände dabei zu unterstützen, das Modell auf den Fußball in ihrem Land anzuwenden.