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UEFA EURO 2012 Technischer Bericht

Der Technische Bericht über die UEFA EURO 2012 bietet faszinierende Einblicke in die taktischen und technischen Trends, die den Fußball im letzten Sommer zu einem echten Spektakel werden ließen.

Andrés Iniesta war einer der Hauptdarsteller der UEFA EURO 2012
Andrés Iniesta war einer der Hauptdarsteller der UEFA EURO 2012 ©Getty Images

In diesem Sommer zeigte sich der Nationalmannschaftsfußball bei der UEFA EURO 2012 in Polen und der Ukraine von seiner schönsten Seite.

Die in jeder Hinsicht erfolgreiche Endrunde setzte viele neue Maßstäbe – die taktischen und technischen Trends werden ausführlich im Technischen Bericht des Turniers erläutert, der diese Woche veröffentlicht wurde.

Der Bericht wurde vom Technischen Team der UEFA zusammengestellt, das alle 31 Endrundenspiele unter die Lupe genommen hat – "Neben Turnierfakten und -Statistiken enthält dieser Bericht Analysen, Reflexionen und Diskussionspunkte, die Trainern als Denkanstöße dienen sollen. Darüber hinaus werden die Trends im europäischen Nationalmannschaftsfußball aufgezeigt und den neuesten Entwicklungen in der UEFA Champions League gegenübergestellt. Auf diese Weise sollen Juniorentrainern in ganz Europa Anregungen gegeben werden, wie sie ihre Spieler im Hinblick auf eine spätere Profikarriere noch besser ausbilden können."

Der Bericht zeigt auch die Ursachen für den positiven Fußball bei der UEFA EURO 2012. "Zwar war der Konter auch in Polen und der Ukraine wieder ein wichtiges Instrument, als am erfolgreichsten erwiesen sich jedoch die Mannschaften, die gewillt und in der Lage dazu waren, die Initiative zu ergreifen."

Ein wichtiges Element, so das Technische Team, seit der Ballbesitz, Spaniens erfolgreiches Kurzpassspiel habe dies erneut unterstrichen. "Ballbesitz nimmt mittlerweile einen extrem hohen Stellenwert ein. [...] Einmal mehr hat Spanien den Beweis dafür erbracht, dass individuelle Technik, ein professioneller Umgang mit Druck und die Fähigkeit zu Tempowechseln bei engen Räumen entscheidende Erfolgsfaktoren sind."

Die UEFA EURO 2012 hat auch gezeigt, wie man besonders defensiv ausgerichtete Abwehrreihen aushebeln kann. "Man kann die wachsende Beliebtheit des Wegs über die Außenbahnen als Antwort auf die schwindende Effektivität des Konters begreifen, dessen Ziel es ja ist, die Abwehrreihen aus dem Konzept zu bringen, bevor sie ihre Positionen eingenommen haben. Bei der EURO 2008 fielen 46 % der herausgespielten Tore aus schnellen Gegenstößen. Seither hat dieser Anteil in der UEFA Champions League stetig abgenommen (bis hin zu 27 % in der Saison 2011/12)."

"Bei der EURO 2012 setzte sich die Tendenz fort: Nur 25 % der Treffer aus dem Spiel heraus ging ein Konter voraus. Dies ist ein Zeichen für die Effizienz kompakter Abwehrreihen und die Wirksamkeit der speziellen 'Konterbekämpfungsmaßnahmen' – als da wären: sofortiger Druck auf den ballführenden Spieler, taktische Fouls zur Unterbrechung des Spielzugs sowie der Verbleib von vier, fünf oder sechs Spielern hinter dem Ball als Präventivmaßnahme während eines Angriffs."

Ein weiterer Trend betrifft die Doppel-Sechs. "Die EURO 2012 hat jedoch gezeigt, dass sich die Doppel-Sechser wegentwickeln vom 'Hilfsabwehrspieler' hin zu Initiatoren, die für Spielaufbau, kreative Elemente und die Unterstützung von Angriffen zuständig sind."

Bemerkenswert sei bei der UEFA EURO 2012 auch gewesen, so der Bericht, dass viele Trainer ihre Flügelspieler auf den 'falschen Flügel' gestellt hätten. "Beispiele sind Arjen Robben, David Silva, Andrés Iniesta, Thomas Müller oder auch Mesut Özil, die allesamt in der Lage sind, aus Flügelpositionen mit dem Ball am Fuß nach innen (in von der Sturmspitze geschaffene Freiräume) zu ziehen, um dort den Ball zu einem aufgerückten Außenverteidiger zurückzuspielen oder nach der Gasse zu suchen, die über eine schnelle Ballkombination zum Tor führt."

Auffallend war bei der Endrunde das faire Verhalten von Spielern und Trainern gegenüber den Schiedsrichtern sowie der positive Einfluss der zusätzlichen Schiedsrichter-Assistenten auf das Geschehen in den Strafräumen.

"Menschen mit einer besonderen Vorliebe für Diskussionen über statistisch nicht belegbare Fakten werden an dem Thema 'zusätzliche Schiedsrichter-Assistenten' ihre helle Freude haben. Bei der EURO 2012 wurde zwar mit viel Einsatz gespielt, aber die Atmosphäre war insgesamt entspannt – auch in der Coaching-Zone, wo anders als bei der Ausgabe 2008 keine Konflikte zwischen Trainern und Vierten Offiziellen zu bewältigen waren."

"Nicht exakt messbar ist auch der Effekt der Informationsveranstaltungen, bei denen Mitglieder der UEFA-Schiedsrichterkommission den Mannschaften im Vorfeld des Turniers die wichtigsten Grundsätze der Spielleitung vermittelten. Ist Vorbeugen die beste Medizin?"

"Bei einer EURO sollte der Strafraum und dessen unmittelbare Umgebung im Allgemeinen ein gefahrenfreier Raum sein, in denen Zurückhaltung die vornehmste Pflicht ist. Die Sensibilisierungsmaßnahmen im Vorfeld des Turniers, bei denen Mitglieder der UEFA-Schiedsrichterkommission die Mannschaften speziell auf die Themen zusätzliche Schiedsrichterassistenten, Schwalben und Foulspiel hingewiesen hatten, zeigten offensichtlich Wirkung: 20 % weniger Fouls als bei der EURO 2008 sind ein überzeugendes Indiz für einen Sinneswandel bei einer ganzen Anzahl von Spielern."