Taktik-Experten begeistert von UEFA EURO 2012

"Das war eine der besten EURO-Endrunde meiner Amtszeit", erklärte der Technische Direktor der UEFA, Andy Roxburgh, gegenüber UEFA.com. Er und sein Team werten im Moment die Zahlen und Fakten zur UEFA EURO 2012 aus.

Das Technik-Team der UEFA mit UEFA-Präsident Michel Platini in Kyiw. Hintere Reihe (von links): Brigger, Osieck, Platini, Gagg, Houllier; Lagerbäck. Vordere Reihe: Engel, Fitzel, Mezey, Schpigler, Roxburgh
Das Technik-Team der UEFA mit UEFA-Präsident Michel Platini in Kyiw. Hintere Reihe (von links): Brigger, Osieck, Platini, Gagg, Houllier; Lagerbäck. Vordere Reihe: Engel, Fitzel, Mezey, Schpigler, Roxburgh ©UEFA.com

Die UEFA EURO 2012 hat Maßstäbe für den europäischen Fußball gesetzt. Das Technik-Team der UEFA filterte eine Reihe von wichtigen Trends aus den Spielen in Polen und der Ukraine heraus, die nun im umfassenden technischen Bericht des Turniers genauer analysiert werden.

"Das war eine der besten EURO-Endrunden meiner Amtszeit und sie war in jeder Hinsicht äußerst positiv", erklärte der Technische Direktor der UEFA, Andy Roxburgh, gegenüber UEFA.com. "Das Turnier war ein Spektakel und eine fantastische Bühne für den europäischen Fußball. Die EURO hat wieder bewiesen, dass sie neben der [FIFA] Weltmeisterschaft und der UEFA Champions League ein wichtiger Maßstab ist."

"Wir setzen uns jetzt zusammen, analysieren das ganze Material aus den einzelnen Diskussionen, Gruppentreffen und Berichten und erstellen unseren umfassenden Rückblick auf die Endrunde", sagte Roxburgh.

Das elf Mann starke Team, bestehend aus angesehenen Technikern, besuchte jedes einzelne der 31 Spiele und filterte eine Fülle von Informationen über Mannschaften, Trainer und deren Taktiken heraus. All das wird in dem Bericht, der offiziell bei der 9. UEFA-Konferenz für europäische Nationaltrainer, Ende September in Warschau, vorgestellt wird, einfließen. Der Bericht wird in den Sprachen Englisch, Deutsch und Französisch erscheinen.

Ein besonders auffälliges Merkmal der UEFA EURO 2012 war der Anstieg im Bereich Kopfballtore. "2004 wurden 17 Treffer mit dem Kopf erzielt", sagte Roxburgh. "2008 gab es 15 und dieses Mal 22 Kopfballtore. 13 davon fielen aus dem Spiel heraus, neun nach Ecken oder indirekten Freistößen. Was die Kopfballtore nach Standardsituationen anbelangt, fielen einige aus dem Getümmel heraus. Es gibt keinen Zweifel daran, dass der Einsatz von zusätzlichen Schiedsrichtern eine abschreckende Wirkung auf die Spieler hatte. Es wurde weniger geschoben und gezerrt." 

Bei der UEFA EURO 2012 wurde ein Experiment fortgesetzt, das vom International Football Association Board (IFAB) anerkannt ist. Dabei stand auf jeder der beiden Torauslinien ein zusätzlicher Schiedsrichter, der vor allem auf Regelverstöße im Strafraum achten sollte.

Schnelles Umschalten war auch bei dieser EURO wieder ein wichtiges taktisches Mittel, "sowohl im Angriff als auch im Defensivverbund", wie es Roxburgh ausdrückte. "Die Tschechische Republik zum Beispiel erzielte drei Tore nach Kontern. Die Mannschaften mussten die Abwehrreihen, wenn genügend Platz vorhanden war, durch Konterattacken überwinden oder anderenfalls über oder an der Defensive vorbei spielen. Das ist ein Grund für die hohe Anzahl an Kopfballtoren."

"Spanien hat sich dagegen nicht an den allgemeinen Trend gehalten", sagte Roxburgh. "Sie haben zwölf Tore erzielt. Eins per Elfmeter, zwei aus Standardsituationen. Der Rest entstand aus ihrem präzisen Kombinationsspiel."

Zehn spanische Spieler schafften es in die All-Star Mannschaft des Technik-Teams für die UEFA EURO 2012, Andrés Iniesta, einer der Strategen des spanischen Kombinationsspiels, wurde vom Technik-Team zum Spieler des Turniers gekürt. Nach Meinung der Experten verkörperte er den Stil der Spanier am Besten.

Das Technik-Team der UEFA setzt sich aus Roxburgh, Fabio Capello (Italien), Jerzy Engel (Polen), Dušan Fitzel (Tschechische Republik), Gérard Houllier (Frankreich), Lars Lagerbäck (Schweden), György Mezey (Ungarn) und Holger Osieck (Deutschland, aktueller Trainer Australiens) zusammen. Jean-Paul Brigger und Walter Gagg sind für die Beiträge der FIFA verantwortlich und Mordechai Shpigler fungiert als Verbindungsglied zwischen der UEFA-Kommission für Entwicklung und des Komitees für technische Unterstützung.